Aber auch der Mensch in den Industrienationen leidet unter den unerwünschten Folgen der erleuchteten Nächte - vielleicht sogar mehr, als er sich bewusst ist. Tagsüber arbeitet er im Büro bei relativ niedrigem Lichtniveau, nachts verlängert er den Tag durch künstliche Beleuchtung. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht schwindet, der natürliche Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht.
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Schlafstörungen, Benommenheit oder Kreislaufstörungen können die Folge sein. Zudem scheint das Zuviel an Licht zu weiteren gravierenden Gesundheitsproblemen zu führen, zu Magen-Darm-Erkrankungen oder bestimmten Krebsarten. In Israel wiesen Wissenschaftler der Universität Haifa kürzlich auf Basis der Daten aus 164 Ländern nach, dass Prostatakrebs bei Männern in besonders hell erleuchteten Gebieten 80 Prozent häufiger auftritt als in dunkleren Regionen.
Gestörter Biorhythmus
Bei einer ähnlichen Untersuchung im vergangenen Jahr hatten die Forscher bereits eine Korrelation zwischen der Brustkrebsrate und künstlichem Licht aufgezeigt. Frühere Studien zeigten zudem, dass Nachtarbeiterinnen ein höheres Brustkrebsrisiko haben.
Doch wie genau bewirkt das nächtliche Licht die Erkrankungen? Wissenschaftler sehen die wesentliche Ursache in einer Störung des Hormonhaushalts, vor allem bei der Bildung von Melatonin. Das Hormon wird in der Nacht im Gehirn gebildet und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus im Organismus, also den Wechsel von Aktivitäts- und Regenerationsphasen. Zudem kann es vermutlich das Wachstum von Krebs hemmen.
Ist die Melatoninbildung gestört, kann sich das daher negativ auswirken: "Wir vermuten, dass das nachts einwirkende künstliche Licht die Melatoninbildung angreift", sagt Barbara Griefahn vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Dortmund. Bewiesen sei das jedoch nur für das am Arbeitsplatz einwirkende Licht, das in der Regel heller ist als die nächtliche Lichtverschmutzung.
In Experimenten will die Schlafforscherin deshalb zunächst einmal Grundlegendes klären: Führt das künstliche Licht tatsächlich zu einer Reduktion der Melatoninbildung? Und ab welcher Lichtmenge ist eine Wirkung nachweisbar?
Kein Gedanke an den Lichtmüll
Viele Folgen des Phänomens Lichtverschmutzung sind derzeit noch nicht exakt bestimmbar. Die Wissenschaftler wollen trotzdem mit ihren Warnungen nicht warten. Denn im Zuge von Überlegungen zu Energieeinsparungen überarbeiten viele Kommunen derzeit ihre Lichtkonzepte - die Frage des Lichtmülls spielt dabei jedoch im Allgemeinen keine Rolle.
"Es ist schon sehr auffällig, dass in diesen Lichtmasterplänen die ökologische Dimension meist gar nicht vorhanden ist", sagt Sozialwissenschaftler Moss. Dabei könnten effizientere und gezieltere Beleuchtungssysteme und die Ausarbeitung lichtbezogener Emissionsstandards die Folgen unerwünschten Lichts begrenzen.
Denn eines ist klar: Eine Rückkehr zu Beleuchtungsverhältnissen wie vor der Elektrifizierung ist weder möglich noch wünschenswert. Genau deshalb ist es aber umso wichtiger zu sehen, wie man die positiven Aspekte des elektrischen Lichts nutzen kann - und zugleich negative Effekte vermeidet.
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(sueddeutsche.de/joku)
Riexinger und Kipping führen die Linke
"Aber ich würde mich eher mit einem Rollladen abfinden wollen als mit einem Atommülllager oder einer Giftmülldeponie."
Ist das ein Grund sich diesem Problem nicht auch anzunehmen? Bzw in einer Metapher gesprochen: Muss ich mich künftig auch über eine Lohnkürzung freuen weil der Lohn ja auch komplett gestrichen hätte können? ;-)
Kein Argument in meinen Augen.
@ SZ:
Danke für diesen Artikel. :-)
Ich habe schon Berichte gelesen wonach ganze Biotope wegen der Lichtbelastung gekippt sind. Ganz zu schweigen dass ich gerne in den Sternenhimmel sehe.
Zeit dieses Problem ein bisschen mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.
Wenn Sie ein eigenes Haus haben und schon über Rolladen verfügen, dann ist das sicher eine tolle Sache. Das ist aber nicht die Regel.
In der Tat werden Sie dann Probleme haben, wenn Sie in einem Mietshaus leben und dort eventuell in einer der oberen Etagen. Dort gibt es keine Rolladen und bei Neubauten sowieso nicht. Wenn Sie Glück haben, sind in Neubauten noch Standard-Fenster verbaut - in aller Regel aber mittlerweile Fenster, die vom Boden bis zur Decke reichen und nicht unbedingt Obi-Baumarkt-Rollo-Maße haben.
Defacto musste ich auf eigene Kosten in speziell angefertigte Alumnium-Lamellen-Rollos investieren. Der Spaß kostet dann pro Fenster beim preiswertesten Anbieter, der mir bekannt ist, 250 EUR. Dafür, dass ein Ischling von einem Architekten sein Gebäude zur Bespaßung der örtlichen Ratten taghell beleuchtet.
Das kanns nicht wirklich sein. Da bekommt man schon hin und wieder Lust die Bruchfestigkeit der Schutzgläser solcher Scheinwerfer zu testen.
na wenn wir sonst keine Probleme mehr haben, Lichtmuell, auf was manche Geltungsgeier nicht alles kommen......
Bravo für den guten Artikel! Einer der aus dem Herzen spricht.
Schade eigentlich... dass die westliche Welt die Sterne höchstens noch von eindeutig zweideutigen TV-Sendungen nach Mitternacht kennt.
Man muss es positiv sehen: Solange die Gemeinden noch soviel Geld für den Strom für Kirchenbeleuchtungen haben, geht es der Wirtschaft nicht wirklich schlecht...
keine Frage handelt es sich bei Ihnen um eine schwierige Situation.
Aber ich würde mich eher mit einem Rollladen abfinden wollen als mit einem Atommülllager oder einer Giftmülldeponie.
Letztere versucht gerade ein Unternehmer bei mir, 2 km von der Haustür weg, zu eröffnen.
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