Lebensmittel und Gesundheit Weicher Käse, harte Fakten

Wenn die Lebensmittelindustrie mit Gesundheitsversprechen wirbt, prüft die europäische Lebensmittelbehörde, ob das in Ordnung ist. Doch mal gilt die als zu industriefreundlich, mal als zu streng. Versteht sie genug von Wissenschaft?

Von Kathrin Burger

Dass Kalzium die Knochen schützt, ist nun amtlich verbrieft. Weil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) diese Aussage anerkennt, dürfen Hersteller von Nahrungsmitteln damit offiziell werben.

Bei zahlreichen anderen Gesundheitsversprechen der Lebensmittelindustrie stellt sich die Behörde hingegen quer. Auch beim Thema Probiotika. Joghurt-Hersteller haben 100-seitige Dossiers mit Studien vorgelegt, die ihrer Meinung nach ausreichend belegen, dass Milchprodukte mit speziellen Laktobazillen dem Darm guttun und das Immunsystem aktivieren.

Die Efsa hat dennoch alle der mehr als 300 Anträge in Sachen Probiotika abgelehnt. Kein Hersteller darf solche Health Claims verwenden.

Das ärgert nicht nur die Industrie, sondern auch so manchen Wissenschaftler, allen voran Stephan Bischoff, Professor für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim und Vorsitzender der Gesellschaft für Mukosale Immunologie und Mikrobiom.

Grundsätzlich findet Bischoff die europäische Health-Claims-Verordnung richtig, wonach die Industrie nur noch mit Gesundheitsversprechen für ihre Produkte werben darf, wenn diese durch Studien abgesichert sind. "Aber die Efsa lehnt derzeit alles ab, auch das, wofür es Evidenz geben könnte", sagt Bischoff. Ihre Kriterien seien ausgesprochen streng, strenger als bei Arzneimitteln "und teilweise wissenschaftlich nicht nachvollziehbar".

In der Wissenschaft brodelt es, mancher Forscher sieht die Vorreiterrolle der europäischen Probiotika-Forschung gefährdet, weil sie hauptsächlich in Industrielaboratorien stattfindet. Nun haben sich zahlreiche prominente Wissenschaftler, darunter auch Stephan Bischoff, auf der Internetseite www.gut-health.eu formiert. Sie wollen in ihren Heimatländern darauf hinarbeiten, dass die Prüfverfahren überarbeitet werden.