Klimawandel Bremse für den Golfstrom

Eine wichtige Antriebskraft für die Meeresströmung, die das milde Klima nach Europa bringt, wird offenbar schwächer. Eine Ursache: Vor Grönland versinkt abgekühltes Wasser langsamer.

Von Christopher Schrader

Eine wärmere Arktis ist eine schlechte Nachricht für Europa. Geht das Meereis zwischen Islands Norden und der grönländischen Ostküste weiter zurück, könnte das den Golfstrom schwächen. Ihm verdankt Westeuropa sein für die geografische Lage mildes Klima. Eine wichtige Antriebskraft dieser Meeresströmung sei seit 1979 bereits etwa 20 Prozent schwächer geworden, schreibt ein Team um Kent Moore von der University of Toronto in Nature Climate Change (online).

Die Forscher haben analysiert, wie sich der Wärmetransfer in zwei Ozeanregionen seit 1958 verändert hat. Der Grönland- und der Islandwirbel sind großflächige Kreisströme, in denen Wasser von der Oberfläche wie in einem Fahrstuhl in die Tiefe sinken kann. Voraussetzung ist, dass die Wassermassen Wärme abgeben und durch Verdunstung salziger werden - beides macht sie dichter und lässt sie absinken. In der Tiefe strömen sie dann Richtung Süden davon, während an der Oberfläche warmes Wasser aus den Tropen nachfließt.

Früher lagen die beiden Wirbel unter oder zumindest recht nahe an der Kante des Meereises im Winter. Dort traf kalte, trockene Luft aus der Arktis auf das relativ warme Meer; Abkühlung und Verdunstung funktionierten dort also besonders gut. Inzwischen aber, stellt das Forscherteam fest, ist die Eiskante einige Hundert Kilometer Richtung Nordwesten weggerutscht. Das führt dazu, dass der Wärmetransfer vom Oberflächenwasser an die Luft bereits um 20 Prozent zurückgegangen ist. Modellrechnungen zeigen, dass der Sinkmechanismus bereits darunter leidet, warnt das Team.

Ähnliche Befürchtungen löst ein anderer Mechanismus aus: Wenn Eis auf Grönland schmilzt und in großen Massen als Süßwasser ins Meer fließt, sinkt der Salzgehalt, und die Wassermassen versinken deswegen nicht so schnell. Damit hatten vor drei Monaten Forscher um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut ungewöhnliche Temperaturmessungen in einer Region südlich von Island in Verbindung gebracht: Hier kühlt sich das Meer entgegen allen globalen Trends ab. Ein anderer Ast des Golfstroms habe sich dort bereits abgeschwächt und liefert deshalb weniger Wärme nach, erklären die Forscher.