50 Jahre stummer Frühling Wie Öko anfing

Vor 50 Jahren erschien das Buch "Silent Spring" (Der stumme Frühling), in dem Rachel Carson wortmächtig den Einsatz von Pestiziden anprangerte. Der Bestseller führte zum Verbot von DDT und gilt heute als Zündfunke der weltweiten Umweltbewegung.

Von Katrin Blawat

Harmloser kann ein Buch kaum beginnen: "Es war einmal eine Stadt im Herzen Amerikas, in der alle Geschöpfe in Harmonie mit ihrer Umwelt zu leben schienen. (. . .) Selbst im Winter waren die Plätze am Wegesrand von eigenartiger Schönheit. Zahllose Vögel kamen dorthin, um sich Beeren als Futter zu holen."

So klingen die ersten Sätze eines Buches, das nicht nur den Anstoß zum Verbot einer einst als Wunderwaffe gefeierten Chemikalie gab, sondern auch als Auslöser der weltweiten Umweltbewegung gilt. Vor 50 Jahren, am 27. September 1962, erschien in Amerika die Erstausgabe von "Silent Spring" (Der stumme Frühling).

Darin warnt Rachel Carson vor der Verseuchung von Umwelt, Tier und Mensch mit Pestiziden, vor allem dem Insektengift DDT. Das allein war für die damalige Zeit nichts Besonderes. Schon zuvor hatte es Bücher gegeben, die den Menschen als Naturzerstörer beschrieben. Doch keines hat so viel Beachtung und Bedeutung erlangt wie Silent Spring. Das Time Magazine verglich das Werk gar mit Charles Darwins "Die Entstehung der Arten".

Heutige Einschätzungen fallen kaum weniger wohlwollend aus. "Aus der Rückschau erscheint das Buch geradezu als Ouvertüre der amerikanischen Umweltbewegung und damit der ökologischen Revolution auf der ganzen Welt", schreibt der Umwelthistoriker Joachim Radkau im Vorwort der deutschen Ausgabe (Verlag Beck, 2007). Sein Kollege Christof Mauch vom Rachel-Carson-Zentrum der Universität München urteilt: "Zweifellos hat das Werk die Umweltwahrnehmung einer ganzen Generation verändert. Es ist die Bibel der Umweltbewegung."

Vor Silent Spring hatten sich allenfalls kleine Experten-Gruppen um einzelne Vogelarten gesorgt oder um ein Waldstückchen. Diese Aktionen aber blieben punktuell. Den meisten Menschen waren sie unbekannt oder egal. Carsons Bestseller schaffte es erstmals, die Öffentlichkeit für ökologische Probleme zu sensibilisieren. Damit lieferte er den Zündfunken für eine weitreichende Umweltbewegung - auch wenn diese erst um 1970 Fahrt aufnahm.

Der Erfolg von Silent Spring gründet nicht zuletzt auf zwei Eigenschaften der Autorin: Carsons Fähigkeiten als Schriftstellerin und ihrem Wissen um biologische Zusammenhänge. Carson hatte Biologie studiert und rund 15 Jahre in der Natur- und Artenschutzbehörde des US Bureau of Fisheries gearbeitet. Als sie über den Schaden zu schreiben begann, den großflächig versprühte Pestizide in Lebewesen anrichten können, hatte sie jahrelang recherchiert.