Jagd unter Rotoren Robben lieben Windparks

Seehunde suchen die Nähe zu Windparks - jagt es sich dort besonders gut?

(Foto: AP)

Wagemutige Robben nutzen Windparks als Lebensraum und orientieren sich an Unterwasser-Pipelines. Anscheinend sind die Tiere anpassungsfähiger als gedacht - doch was lockt sie überhaupt in die Anlagen?

Von Robert Gast

Plötzlich stehen Metallpfeiler im Wasser: Schon länger fürchten Umweltschützer, Offshore-Windparks könnten Schweinswale und Seehunde stören. Nun weckt eine Studie die Hoffnung, dass sich zumindest einige Meeresbewohner an das Eindringen des Menschen in den maritimen Lebensraum gewöhnen könnten. Ein kleiner Teil der Meeressäuger sucht bewusst die Nähe zu den Pfeilern der Windparks und orientiert sich an Unterwasserpipelines, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Current Biology. Windparks seien möglicherweise ein attraktives Jagdgebiet für manche Seehunde. Und in Zukunft könnten immer mehr Tiere ihrem Beispiel folgen, mutmaßen die Forscher.

Die Meeresbiologen um Deborah Russell von der schottischen Universität St. Andrews hatten die Bewegung von 118 Seehunden und Kegelrobben an der britischen und niederländischen Küste jahrelang mit GPS-Sendern verfolgt. Vier der überwachten Seehunde besuchten wiederholt die Offshore-Windparks "Alpha Ventus" in Deutschland, sieben Tiere suchten die Nähe zu "Sheringham Shoal" vor der Ostküste Englands. Ein Teil dieser Tiere hielt sich bevorzugt in der Nähe der Pfeiler auf. Möglicherweise, weil sie dort einfacher Fische jagen konnten. Die Studienautoren vermuten, dass es sich bei diesen Seehunden um besonders anpassungsfähige Vertreter ihrer Spezies handelt. Und dass in Wahrheit bereits viel mehr Tiere rund um Windparks fischen, schließlich gebe es insgesamt etwa 55 000 Seehunde in der Nordsee. Eine Handvoll der mit GPS-Sendern versehenen Tiere wurde auch dabei beobachtet, wie sie wiederholt und teils tagelang unterseeischen Pipelines folgten. Die Konstruktionen dienten den Tieren möglicherweise als künstliche Riffe.

In weiteren Studien wollen die Forscher nun herausfinden, warum die Offshore-Anlagen manche Robben anlocken. Das Wissen darüber könne helfen, die Offshore-Parks so zu gestalten, dass negative Effekte reduziert werden. Noch ist unklar, was die wachsende Zahl von Windparks für die Robben und ihre Beutetiere bedeutet. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte im November 2013 eine Analyse vorgestellt, wonach es kaum negative Folgen gibt. So breiten sich um "Alpha Ventus" einige Fischarten aus, weil Fischerei dort verboten ist. Der Baulärm habe Meeressäuger nur zeitweise vertrieben. Umweltschützer kritisierten allerdings die Ergebnisse.