Infektionen in ganz Europa Zahl der Ehec-Ausbrüche steigt weiter an

Noch immer ist unklar, wodurch der gefährliche Ehec-Keim übertragen wird. Die Zahl der Erkrankungen steigt trotz aller Maßnahmen in ganz Europa weiter an. Mediziner sprechen von "unerwarteten Krankheitsverläufen", die sie bisher nicht kannten. Gleichzeitig warnen sie vor einer Knappheit an Blutreserven.

Während Mediziner und Forscher noch immer fieberhaft nach dem Ursprung des gefährlichen Darmkeims Ehec suchen, steigt europaweit die Zahl der Todesopfer. Bundesweit starben mittlerweile 17 Menschen, zuletzt eine 81-jährige Frau im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) sind bislang etwa 500 Personen erkrankt. Politiker bezeichneten die Situation als besorgniserregend.

Die Zahl der Ehec-Erkrankungen ist erneut gestiegen, bundesweit hat der aggressive Darmkeim bisher 17 Menschen das Leben gekostet.

(Foto: dpa)

Anfang Mai war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts der erste HUS-Fall registriert worden. Mittlerweile verzeichnen einzelne Bundesländer wie Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen eine rasante Zunahme der Infektionsfälle.

Andreas Samann vom Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg machte wenig Hoffnung, dass die Quelle des Darmkeims rasch entdeckt werde. In fast 80 Prozent aller Fälle weltweit finde man den Erreger nicht, erklärte er bei einer öffentlichen Sitzung im Ernährungsausschuss des Bundestages.

Sorgen bereitet Medizinern der schwere Verlauf, den die Infektion bei einigen Patienten nimmt. Der Direktor der Medizinischen Klinik I am UKSH-Standort Lübeck, Hendrik Lehnert, sagte, bei der Hälfte aller HUS-Patienten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein träten neurologische Komplikationen auf. "Wir beobachten unerwartete Krankheitsverläufe, die wir bisher nicht kannten", sagte Lehnert in Kiel. Die Störungen auf der Ebene des Gehirns würden etwa drei bis vier Tage nach Beginn des HU-Syndroms auftreten. Sie reichten von milderen Symptomen wie Kopfschmerzen bis hin zu Sprachstörungen und Epilepsien.

Auch in der besonders betroffenen Stadt Hamburg gibt es weiter keine Entwarnung. "Bei uns ist die Lage nach wie vor angespannt", sagte Professor Jörg Debatin, Vorstandschef des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Zur Zeit würden in der Klinik 102 Patienten mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom behandelt. Darunter seien 27 Kinder und fünf schwangere Frauen. "Der Trend, den wir Anfang der Woche erhofft hatten, dass die Anzahl der Neuinfektionen zurückgeht, hat sich leider nicht bestätigt", sagte Debatin.