Hirnforschung Neue Facette in der Diskussion über Intelligenz

Mit ihrer Idee bringen die Kanadier eine neue Facette in die nicht eben farblose Diskussion über Intelligenz. "Modelle mit verschiedenen Komponenten sind nun wirklich nicht neu", sagt etwa Detlef Rost von der Universität Marburg, der ein Fachbuch über Intelligenz geschrieben hat. "Der Witz ist, dass die einzelnen Faktoren stark miteinander korrelieren. Wer eines gut kann, beherrscht meist auch die anderen mentalen Fähigkeiten."

Daraus ergebe sich, dass sich Intelligenz mathematisch in einem Faktor bündeln lässt. Die Tests dafür müssten aber ein breites Spektrum von Geistesleistungen abfragen und verschiedene Informationskanäle - Sprache, Zahlen und Grafiken - ansprechen, damit sie aussagekräftig sind. "Dann sind sie der beste Indikator, den wir kennen, Erfolg im Beruf vorherzusagen", so Rost.

Adam Hampshire legt die Gewichtung etwas anders: Die Korrelation zwischen den einzelnen Faktoren entstehe vor allem deswegen, weil die gestellten Aufgaben oft mehrere Fähigkeiten zugleich ansprechen und mehrere Gehirnzentren ihren Beitrag zur Lösung leisten müssen. "Es ist aber möglich, Aufgaben so zu konstruieren, dass sie allein eine mentale Kapazität ansprechen." Oder fast: Die sprachlichen Fähigkeiten werden ja immer gebraucht, um die jeweilige Erklärung der Aufgabe zu verstehen und in einen Plan umzusetzen.

Auch Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin hält den IQ als alleiniges Maß der Intelligenz für überholt. "Die Korrelation zwischen den Elementen der geistigen Leistung ergibt sich doch schon daraus, dass man alle Aufgaben mit einem Stift auf dem Papier oder mit Tastatur und Maus vor dem Computer löst."

Wahre Intelligenz zeige sich im Alltag, im Verhalten und den getroffenen Entscheidungen. Manche Komponenten der Intelligenz hätten demnach nichts miteinander zu tun. "Zum Beispiel haben viele mathematisch begabte Menschen wenig soziale Kompetenz und umgekehrt. Und manch professioneller Risikoforscher kann sein Wissen nicht anwenden, wenn ihm ein Arzt eine Untersuchung auf eine seltene Krankheit vorschlägt."

Von solchen Einwänden lassen sich Adam Hampshire und sein Chef Adrian Owen nicht abhalten. Sie haben einen neuen, schwierigen Test ins Netz gestellt. Manche Aufgaben darin testen Fähigkeiten, die sich womöglich zu eigenständigen Elementen im Modell geistiger Leistung entwickeln könnten. Genaueres wollen die Forscher noch nicht verraten.

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