Garten Überall diese miesen Schleimer

Immer mehr Nacktschnecken nagen am Salat und den Nerven deutscher Kleingärtner.

(Foto: WOR)

Schnecken wüten in beinahe jedem Garten, in Florida greifen sie sogar Häuser an. Gärtner hoffen jetzt auf die Hilfe der Wissenschaft.

Von Sebastian Herrmann

Manchmal lassen sich wilde Tiere auch in den Gärten langweiliger deutscher Vorstädte blicken. Dieses hier zählt zu den räuberischen Fleischfressern und zu den größten Mollusken, die in Mitteleuropa auf ihren Schleimspuren unterwegs sind: der Tigerschnegel, auch bekannt als Limax maximus. Die mehr als 20 Zentimeter lange Nacktschnecke kroch an diesem Spätsommerabend die Hauswand nahe der Terrasse empor - und löste faszinierten Schrecken aus. Was in aller Welt war das für ein monströses Vieh? Geht das Zerstörungswerk im Beet mit dem Rucola, den Bohnen und dem anderen vernichteten jungen Gemüse auf das Konto dieser Art, deren Körper wie das Fell eines Leoparden gezeichnet ist und fast die Länge einer Schlange erreicht?

Die erste Begegnung mit einem Tigerschnegel stieß das Interesse an Schnecken an - na gut, natürlich spielte auch der Ärger über die hohen Verluste im Gemüsebeet eine Rolle. Limax maximus - so ein Ergebnis der Recherche im Schneckenreich und im Wissensschatz der Malakologie - zählt eher zu den willkommenen Schneckenarten im Garten. Die enorm großen Nacktschnecken fressen nämlich am liebsten welkes, abgestorbenes Pflanzenmaterial und dazu gerne auch mal einen Artgenossen als Fleischbeilage: Der Tigerschnegel zählt zu den Kannibalen im Weichtierreich und stillt seinen Proteinbedarf indem er andere Nacktschnecken frisst.

Die Tiere zählen zu den 100 destruktivsten Arten überhaupt

Wenn Gärtner Glück haben, dann holt sich der Schnegel eine Spanische Wegschnecke, die auch den Namen Arion vulgaris trägt. Diese Art hat sich in den Rang des Oberschurken im Beet gefressen, sie ist für die allermeisten Schäden an allen Pflanzen verantwortlich, die Gärtnern am Herzen liegen. Die Nacktschnecken stammen vermutlich aus dem Südwesten Europas und verbreiten sich so effektiv über den Kontinent, dass sie in deutschen und mitteleuropäischen Gärten heute in der Regel die mit Abstand häufigste Art stellen. Die Tiere zählen sogar offiziell zu den 100 destruktivsten invasiven Arten überhaupt.

Wenn Gärtner in der Schneckenabwehr aktiv werden, dann sollten sie ihre Bemühungen auf die Spanische Nacktschnecke konzentrieren. Erstens handelt es sich um die schlimmsten Weichtier-Schädlinge und zweitens verrichten viele andere Schneckenarten für Gärtner nützliche Tätigkeiten - manche fressen zum Beispiel die Eier der Spanische Wegschnecke. Für die Schneckenabwehr könnten Gärtner demnächst auf neue Methoden aus der Forschung zurückgreifen. Aus den Laboren der Wissenschaft kommen gerade frische Ideen, mit denen Salat, Radieschen und die anderen Pflanzen in den Beeten geschützt werden können. Und wenn die Schnecken doch mal wieder schneller waren und alles niedergefressen haben, dann hilft vielleicht dieser Gedanke: Es könnte alles noch schlimmer sein, in Florida knabbert die Afrikanische Riesenschnecke zum Beispiel die Fassaden von Häusern an.

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