Europa-Universität Viadrina Esoterik-Institut vor dem Aus?

Studien zur Hellseherei, die Vermittlung esoterischer Heilverfahren - immer wieder ist das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder in die Kritik geraten. Nun empfiehlt die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg der Uni, sich von dem Institut zu trennen.

Von Markus C. Schulte von Drach

Eine bizarre Masterarbeit zur Hellseherei hatte die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder kürzlich wieder einmal in die Schlagzeilen gebracht - angefertig von einem Berliner Orthopäden am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG).

Es war nicht das erste Mal, dass das 2007 gegründete Institut heftige Kritik auf sich gezogen hatte: Mehrfach wurde in den Medien und der Blogger-Szene kritisiert, dass dort im Rahmen des Masterstudienganges "Kulturwissenschaften - Komplementäre Medizin" pseudowissenschaftliche und esoterische Verfahren wie etwa Biologische Medizin, Ayurveda, Systemaufstellung oder Homöopathie gelehrt werden.

Leiter des Instituts ist Professor Harald Walach, dessen Stiftungsprofessur von der Biologische Heilmittel Heel GmbH finanziert wird, einem der größten deutschen Hersteller von homöopathischen Mitteln. Walach ist vor allem für die von ihm selbst entwickelte "schwache Quantentheorie" bekannt, mit der er versucht, unmögliche Phänomene zu erklären - etwa die angebliche spezifische Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln.

Dass die Kritik an dem Institut berechtigt ist, hat nun - wenn auch indirekt - die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg bestätigt. Sie empfiehlt der Universität, sich vom IntraG zu trennen.

In ihrem Abschlussbericht zur Evaluierung der Hochschulstrukturen des Landes äußert sie "durchgreifende strukturelle Bedenken" gegen das Institut. Wie die Experten der Hochschulstrukturkommission feststellen, bestünde in der "Aufstellung und der Konzeption" des Studienganges "eine qualitative Problematik".

Zwar sei eine geisteswissenschaftliche Reflexion an den Rändern der naturwissenschaftlichen Medizin, wie es sich das Institut zum Ziel gesetzt habe, grundsätzlich wünschenswert, schreiben sie. "Es erscheint jedoch äußerst zweifelhaft, dass diese Reflexion im Rahmen des Instituts in geeigneter Weise erfolgen kann". Denn "die Befassung mit komplementärer Medizin erfordert zwingend die enge Verbindung mit der naturwissenschaftlichen Seite, der Medizin, da sie nicht alleine als kulturwissenschaftliches Thema wissenschaftlich und praktisch bearbeitet werden kann." Das aber ist dem Bericht zufolge nicht gewährleistet.

Die Studenten würden "insgesamt von einem Lehrkörper betreut, dem überwiegend medizinische Kenntnisse fehlen. Dies gilt besonders für die Forschung, die der Lehre zugrunde liegen sollte." Auch "die für eine der Themenstellung adäquate Forschung im universitären Rahmen erforderliche personelle wie sachliche Ausstattung des Instituts" sei aus Sicht der Kommission nicht erkennbar.

Abschließend empfehlen die Kommissionsmitglieder der Viadrina "nachdrücklich den künftigen Verzicht auf das Angebot des MA-Studienganges". Und nicht nur das: "Eine Fortführung des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften ist weder wie bisher als In-Institut noch als An-Institut zu befürworten."

An der Uni selbst heißt es derzeit lediglich: "Über die weitere Entwicklung des Instituts IntraG wird im Rahmen einer bereits laufenden internen Strategiediskussion entschieden." Eine Stellungnahme des Institutsleiters, so wurde Süddeutsche.de mitgeteilt, sei erst möglich, wenn alle Beratungen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie den anderen Hochschulen abgeschlossen sind.