Esoterik an deutschen Hochschulen In Esoterik eine Eins

Zitiert wird er von Professor Friedrich H. Balck von der Technischen Universität Clausthal. Auch Balck hat an der TU in den vergangenen Jahren Vorlesungen und Vorträge gehalten zu Wellen und Wahrnehmung. Er ist überzeugt davon, dass wir Menschen "im Verlauf der Evolution manche unserer früher erlernten Fähigkeiten zur Kommunikation mit der Umwelt wieder verlernt" haben. Aber immerhin gebe es noch Menschen mit Resten dieser natürlichen Fähigkeiten, sich auch ohne das übliche Sehen und Hören räumlich orientieren zu können, schreibt er.

Auf Studien von Biologen kann er sich dazu nicht stützen. Er beruft sich stattdessen zum Beispiel auf eine Doktorarbeit der Universität Innsbruck: Dort hatte der Diplomingenieur Jörg Purner 1981 mit Hilfe von Rutengängern festgestellt, dass Kirchen und Kultstätten auf besonderen Plätzen stehen.

Andere Experten gehen allerdings davon aus, dass Purners Ergebnisse die Folge von Autosuggestion sind. Friedrich Balck hält solche Arbeiten trotzdem für hilfreich, um das Weltbild zu erweitern. Schließlich diskutiere man in der Forschung zurzeit ja auch, "ob das Bewusstsein eines Menschen ausschließlich in seinem Gehirn untergebracht ist". Tut man das? Wer solche Angaben überprüft, macht in der Regel die Erfahrung, dass sich hier die Vertreter esoterischer Weltbilder gegenseitig zitieren. Auch Balck beruft sich nicht auf einen seriösen Forscher, sondern auf einen niederländischen Parapsychologen.

Angesichts der vielen Lehrstühle, die sich in Deutschland mit Architektur und Landschaftsarchitektur beschäftigen, erscheint die Zahl der Anhänger der esoterischen Lehren der Geomantie und des Feng Shui gering. Doch wenn man den Anspruch der Hochschulen ernst nimmt, die Studenten zur "Anwendung wissenschaftlicher Methoden" zu befähigen (Präsident Herrmann Heiler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf), wundert man sich über jede einzelne entsprechende Veranstaltung.

Die Diplomarbeit von Norbert Mannes, der in der Umgebung von Mertingen den Nymphen auf die Spur gekommen ist, wurde übrigens mit einer glatten Eins benotet - von Professor Frieder Luz. Auf eine Nachfrage, wie es in Weihenstephan zu dieser Arbeit und zu der Vorlesungsreihe mit Stefan Brönnle gekommen ist, haben weder Hochschul-Präsident Heiler noch Professor Luz reagiert.