Bevölkerungsexplosion Wovon sollen wir leben?

Eine Milliarde Menschen leidet an Hunger. Jeden Tag. Doch die Weltbevölkerung wächst und wächst. Wird es uns gelingen, endlich vernünftig zu konsumieren, um wenigstens die kommenden Jahrzehnte zu überstehen? Und wie viele Menschen kann die Erde auf Dauer ernähren?

Von Sebastian Beck

Als der Geograph Chris Reij von der Universität Amsterdam 2004 nach zehn Jahren wieder in den Niger reiste, traute er seinen Augen nicht: Wo sich früher wüstenähnliches Land ausgebreitet hatte, wuchsen nun massenhaft Bäume - und das im Sahel, einer Region, die in Europa mit Dürre und Hunger in Verbindung gebracht wird, aber nicht mit Aufforstung.

Die Einheimischen erzählten Reij eine verblüffende Geschichte: Ein australischer Entwicklungshelfer hatte ihnen in den achtziger Jahren einen Handel angeboten: Er gab ihnen Lebensmittel, dafür aber sollten sie Bäume pflanzen.

Den Erfolg dieses Projekts konnte Reij mit Satellitenfotos belegen: Allein in Niger sind auf diese Weise fünf Millionen Hektar Land wieder begrünt worden, eine Fläche von der Größe Niedersachsens. Besonders drastisch war der Unterschied in jenen Regionen mit der höchsten Bevölkerungsdichte.

Denn dort leben die Bauern, unter denen sich der Nutzen von Bäumen schnell herumgesprochen hat: Sie verbessern die Fruchtbarkeit des Bodens, sie spenden Schatten für den Getreideanbau, liefern Tierfutter und obendrein Brennholz, das Frauen zuvor kilometerweit herbeischleppen mussten. Sogar das lokale Klima wird durch die Vegetation positiv beeinflusst.

"Das ist die billigste Art, die Landwirtschaft zu intensivieren und zugleich nachhaltig auszurichten", sagt Reij, der nun international für die Wiederbegrünung nach dem Vorbild der Sahelzone wirbt. Für viele Menschen südlich der Sahara geht es ums Überleben: Auf 1000 Einwohner kommen in Niger jedes Jahr 48 Neugeborene - das ist die weltweit höchste Geburtenrate.

Mit den Agrowäldern, hofft Reij, lassen sich die Ernten drastisch steigern. Das sei zwar keine Patentlösung, bringe aber einen Zeitgewinn, bis das Problem des Bevölkerungswachstums gelöst sei: Denn mit einer Verdoppelung der weltweiten Einwohnerzahl alle zwanzig Jahre hält irgendwann selbst die effektivste Landwirtschaft nicht mehr mit.