Mit Joseph Ratzinger ist vor fünf Jahren für viele ein Denker und Philosoph zum Papst gewählt worden. Sein Verhältnis zu den Naturwissenschaften ist allerdings gespalten.
Josef Ratzinger, der heute vor fünf Jahren zum Papst Benedikt XVI. gewählt wurde, gilt vielen Menschen als Denker und Philosoph. Selten wurde einem Papst eine solche intellektuelle Verstandeskraft nachgesagt wie ihm. Doch wie ist eigentlich sein Verhältnis zu den Naturwissenschaften?
Ziel der Evolution ist dem Papst zufolge "der Mensch in der Auferstehung". (© Foto: dpa)
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Mehrmals hat der Vatikan versucht, den Eindruck zu vermitteln, er würde die Evolutionstheorie akzeptieren. Immer wieder wurde betont, Benedikt distanziere sich von Kreationisten und vom Intelligent Design.
Doch das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass der Papst gegenüber den Naturwissenschaften besonders aufgeschlossen wäre. Im Gegenteil - bei ihm zählt der Glaube ausdrücklich weit mehr als die Vernunft.
Die andere Evolutionstheorie des Papstes
So hat sich Benedikt XVI. den Begriff der Evolution zwar zu Eigen gemacht. Allerdings unterscheidet sich die Version des Papstes in wichtigen Punkten von jener der Naturwissenschaftler.
Die Evolutionstheorie wie Naturwissenschaftler sie verstehen, geht von einem Zusammenspiel von zufälligen Mutationen in den Lebewesen aus, die sich in den jeweiligen Umweltbedingungen als Nachteil oder Vorteil zeigen und so zur Entstehung neuer Arten führen können.
In diesem Rahmen, darauf deuten die Erkenntnisse der Wissenschaftler deutlich hin, ist auch der Mensch entstanden, sein Bewusstsein, sein Sozialverhalten und auch seine Moral.
Doch die Version der Evolutionstheorie der katholischen Kirche ist von der naturwissenschaftlichen Theorie weit entfernt.
Im Vatikan wird ihr ein göttlicher Antrieb hinzugefügt, der gezielt zur Entstehung des Menschen geführt haben soll. Und auch Moral sei erst durch das Wirken Gottes eine Eigenschaft des neu entstandenen Homo sapiens geworden.
Nach Meinung des Papstes sind wir "nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution. Jeder von uns ist Frucht eines Gedankens Gottes." Und die Evolution sei ausgerichtet auf ein bestimmtes Ziel: "der Mensch in der Auferstehung".
Die Rationalität der Materie
Als Philosoph, als der Benedikt XVI. gilt, findet der Papst auch die passenden Worte, um zu erklären, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse und sein Glaube zusammengehen sollen: Es gebe demnach eine Rationalität der Materie selbst, die vernünftig sein soll - selbst wenn es auf dem Weg der Evolution Irrationales, Chaotisches und Zerstörerisches gebe.
Doch auch der Prozess als Ganzes soll eine Rationalität zeigen. "Trotz seiner Irrungen und Wirrungen durch den schmalen Korridor hindurch, in der Auswahl der wenigen positiven Mutationen und in der Ausnützung der geringen Wahrscheinlichkeit, ist der Prozess als solcher etwas Rationales", behauptet der Papst.
Diese doppelte Rationalität führt Benedikt zufolge zwangsläufig zu einer Frage, die über die Wissenschaft hinausgeht, und trotzdem eine Vernunftfrage ist: "Woher stammt diese Rationalität? Gibt es eine ursprunggebende Rationalität, die sich in diesen beiden Zonen und Dimensionen von Rationalität spiegelt?"
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Es tut mir gut wenn ich Ihren Beitrag lese, denn die weitverbreitete Gleichgueltigkeit und Nachbeterei macht mich ganz krank. Jetzt sind wir schon zwei... aber nicht verzagen Giordano Bruno...echt stark, und auch die GBS Stiftung, da ist Aufbruchstimmung, aber real, kein unverstaendliches Gefasel und Gestammel. Danke
im Bewußtsein der Gotterwähltheit und Unfehlbarkeit. 17 Mio auf den Scheiterhaufen, und dieser Mensch faselt von der " allem zu Grunde liegenden göttlichen Liebe ". Sein Weltbild ist so verquer weit hinter dem vatik. Astronomen Lemaitre, der 1951 den Urknall benannte.Heuchelei wie immer in der Kurie. Erst 1991 wurde Galileo Galilei rehabilitiert ( die Erde war keine Scheibe mehr). Benedikt Geschwätz hat alle Muslime elektrisiert und die Oekumene vergrault( mir san mir auf kathloisch),einen Williamson "umarmt". Hat der je den Mord an Giordano Bruno , einem Genie wie Einstein vor 500 Jahren bedauert, dessen Weltbild heute seine astronomische Bestätigung findet ? Und dessen Charakterstärke , an der ein hist. Jesus seine Freude gehabt hätte , gewürdigt ? " Ihr habt mehr Angst vor dem Urteil, als ich, der es erleiden muß ? Ergo: Benedikt`s Gespinste allgegenwärtiger göttlicher Liebe entspringt seiner "Religionspsychose " in der Nachfolge eines Thomas von Aquin, Augustin`schen Erbsündenspinnereien (der Säuglin sündig) und Prädestinationswahn ( erlöst die Gnade des Glaubens) ,wie auch Anselm von Canterbury`s ontolog. Gottesbeweis ( ich kan ein höchstes Wesen denken, also existiert es) , nach Kant nix als elende Tautologie.Mir fällt schwer diesem alten Mann Geisteskraft zuzuordnen, bestätigt durch seine "Ausfälle" bei Mixa etc. Machtinstinkt lenkt ihn wohl mehr. Denn ohne Erbsünde, Beichte , Babyzwangstaufe und nachfolg. lebenslanger Kirchensteuer gäbs den Verein garnicht mehr !
Ein Lob an den Autor des Artikels! Die philosophische Seite der momentanen Kirchenväter wird selten in der Form thematisiert.
Ratzingers 'Theologischer Philosphie' enttäuscht sehr und läßt zu wünschen übrig. Wenn unsere Lebenswelt naturwissenschaftlich immer stärker geprägt wird, brauchen wir mehr als nur eine platonische Welterklärung des B. v. Claviaux und eine metaphysische Aufteilung der Welt in Wissen vers. Glauben. Je stärker die Machtansprüche beider Lager werden, um so stärker werden überzogene Ansprüche laut, die sich rational einer Klärung, eines Kompromisses, einer "möglichen Lösung" entziehen, die für alle nachvollziehbar ist. Rationalität muß nicht zwangsläufig "gottlos" sein; Abelaerd hat sehr "menschlich" gezweifelt und das in rationaler Bravour vorgeführt. Im Zeitalter der Quantenphysik müßte die Debatte anders geführt werden. Ratzinger hat von Philosophie keine Ahnung und vertritt platonische Machtansprüche. (Lieber die nebulöse Blase, als konkret in Begriffen zu diskutieren). Die denkenden Menschen nicht ernst zu nehmen, ist ein unverzeihliches Versäumnis. Das Liebesgequatsche "ekelerregend."
@heizimm
Es gibt (laut Jung) das kollektive Unbewusste, und da liegt auch die Erklärung für z.B. Mitläuferschaft. Es ist nämlich so, dass alle Menschen gleich sind, d.h., sie haben alle die gleichen Gefühle - sei es Liebe, sei es Hass, sei es Schmerz, sei es Zorn usw.! Sie unterscheiden sich nur aufgrund von oft grundverschiedenen Erfahrungen, Umfeldern usw.!
Macht eine Gemeinschaft krank, dann hat man sich ihr angeschlossen, ohne auf sich zu achten und ohne sich abzugrenzen! Ansonsten ist Gemeinschaft etwas sehr Wichtiges und Schönes - gefährlich wird sie, wenn jegliche Form der Individuation durch sie verloren geht! Wenn jemand blind seinem "Führer" folgt, dann hat er ein instabiles ICH!
@an Nachdenkliche Oh da waere ich nicht so sicher, dass Bauchgefuehle nicht erklaerbar sind. Neue Erkenntnisse ueber unser Gehirn lassen sehr gut erkennen wie solche Bauchgefuehle zustande kommen. Das Hirn an sich hat keine Moeglichkeit "schmerzend" zu sein (mal vom Kopfweh abgesehen), aber es verwaltet alle Sinnesorgane, laesst sich mitteilen wo, wann, welche schmerzlichen Zusammenhaenge anstehen, haelt die im Speicher fest und wird signalisieren (Bauchgefuehl) wenn in einer Richtung aus gelerntem eine Bedrohung abzuleiten waere. Man kann das kollektiv ueberlisten, wenn nur alle den gleichen Schmäh glauben.
Gemeinsamkeit mach nicht nur stark, sonder oft auch krank.
Paging