Außerirdisches Leben Tweets für E.T.

Unsere Regierungen stehen vielleicht schon lange in Kontakt zu Außerirdischen - aber das verraten sie uns ja nicht. Wenn Sie den Aliens immer schon mal Ihre persönliche Botschaft schicken wollten - ein US-Sender macht es möglich.

Von Christopher Schrader

Wer den Außerirdischen schon immer mal gern etwas mitgeteilt hätte, der hat in der Nacht zum Samstag Gelegenheit dazu. Man braucht dafür nicht einmal ein Radioteleskop. Ein Twitteraccount reicht völlig. Die Nachricht, die man den Aliens zukommen lassen will, muss mit dem sogenannten Hashtag #chasingUFOs beginnen.

Dann, so verspricht der amerikanische Fernsehsender National Geographic Channel, will er die jeweils bis zu 140 Zeichen langen Botschaften zusammenfassen und am 15. August in Richtung des Sternbilds Schütze ins All senden.

Für Ufo-Jäger und Alien-Gläubige hat das Datum besondere Bedeutung. An diesem Tag vor 35 Jahren hat ein Radioteleskop in Ohio ein Signal aus dem All empfangen, das bis heute einzigartig ist. Damals schob ein Freiwilliger namens Jerry Ehman Nachtdienst im Big Ear Telescope. Das Gerät lauschte auf der Frequenz 1420 Megahertz, auf der angeregte Wasserdampf-Atome strahlen, nach Botschaften von Außerirdischen.

Der Gedanke dahinter war, dass für intelligente Wesen auf fremden Welten die gleiche Physik wie für die Erde und die Menschheit gilt. Aliens, die Kontaktversuche unternehmen, könnten also annehmen, dass ebenfalls intelligente Empfänger (sprich: wir) diese Frequenz kennen. Wesen wie wir könnten sie demnach als besonders geeignet für Botschaften betrachten - und abhören. Diese Erwartung möglicher Außerirdischer wollten die Wissenschaftler im Big Ear Telescope erfüllen.

In jener Nacht 1977 entdeckte Ehman auf den Ausdrucken der empfangenen Wellen aus Richtung des Schützen ein 72 Sekunden langes Signal, das viel stärker war als das sonstige Rauschen.

Die Technik des Teleskops ordnete die Intensität der aufgefangenen Signale auf einer 35-stufigen Skala ein, die von 0 bis 9 und dann von A bis Z reichte. Und wo sonst immer Einsen und Zweien standen, gelegentlich eine Vier, zeigte der Ausdruck nun "6EQUJ5". Das Signal hatte in der Spitze das Dreißigfache des üblichen Rauschens erreicht.

So wie das Big Ear Telescope gebaut war, konnte es aus der Himmelsrichtung, in die es gerade lauschte, wegen der Erddrehung überhaupt nur 72 Sekunden lang Radiowellen empfangen. Aufgrund der Antennencharakteristik mussten sie erst anschwellen und dann wieder abklingen. Und genau diese Charakteristik zeigte das Signal, es schien sich also um eine Dauerübertragung zu handeln, aus der das Radioteleskop ein Stück herausgeschnitten hatte.

Botschaft aus dem Sternbild des Schützen?

Allerdings hätte die beiden Empfangskanäle von "Big Ear", die den Himmel unter einem kleinen Winkel abtasteten und mit drei Minuten Abstand in die gleiche Richtung horchten, eine solche Dauerquelle auch zweimal erfassen müssen. Das Signal tauchte aber nur einmal auf. Trotzdem umkringelte es Ehman aufgeregt mit einem roten Stift und schrieb "Wow!" daneben - unter diesem Namen ist es heute in der Seti-Szene bekannt. "Seti" steht für "Search for Extraterrestrial Intelligence", also die Suche nach außerirdischer Intelligenz, und vereint Wissenschaftler und Spinner zu einer verschworenen Gemeinde.

Oft haben sie versucht, das Signal noch einmal zu hören, zu bestätigen, weitere Details zu erfahren, doch vergeblich. Sogar der aus dem Film "Contact" mit Jodie Foster bekannte Very Large Array, ein Park von Radioteleskopen in der Wüste von New Mexico wurde dabei auf das Sternbild Schütze ausgerichtet. Jerry Ehman selbst, der durch das Signal berühmt geworden ist, begann schließlich zu zweifeln. Es könnte auch eine Reflexion einer irdischen Sendung gewesen sein, die er in jener Nacht auffing, sagte er 1994 einer amerikanischen Provinzzeitung.

Andererseits ist die Frequenz von Wasserstoff für den Funkverkehr gesperrt, eben damit Radioastronomen dort ungestört lauschen können. Stammte es also vielleicht vom Militär, von einer geheimen Mission? Oder war die Quelle doch ein vorbeifliegendes Ufo? Nun neigen Teile der Set-Szene zu Verschwörungstheorien, und hier ist der Stoff, aus dem neue Legenden geboren werden. Fest steht zwar:

Es gibt zwar keinen Beweis, dass das Signal von Außerirdischen stammt. Aber es gibt auch keinen, dass es nicht von Aliens herrührt.

Für den National Geographic Channel ist das alles Grund genug, an diesem Freitag eine neue Dokumentationsreihe mit dem Namen "Chasing Ufos" zu beginnen. Es geht da natürlich auch um fliegende Untertassen und Menschen, die von den Außerirdischen angeblich für grausame Experimente entführt wurden. Und um die Methoden, mit denen nach fester Überzeugung der selbsternannten Experten US-Regierungen seit Jahrzehnten den Kontakt mit Aliens vertuscht haben.

Der Sender hat zwar etwas mit der ehrenwerten und renommierten National Geographic Society zu tun, gehört aber dem Fox-News-Imperium, aus dem Amerikas Tea-Party-Anhänger ihre weltbildgerechten Nachrichten beziehen. Hehre Wissenschaft tritt hier deutlich hinter die Absicht zurück, dem Publikum die Unterhaltung zu bieten, die es verlangt. Deutlich spiegelt sich das schon im Auftreten der drei Moderatoren - oder Ufo-Jäger, wie sie sich bezeichnen - wieder. Indiana Jones und Lara Croft lassen grüßen.

Angst um den interplanetaren Frieden

Die Antwort auf das Wow!-Signal 35 Jahre nach dem Empfang ist erkennbar Teil des Werbefeldzugs für das Projekt. Und die Antwort ungefiltert aus Tweets zusammenzusetzen, spricht nicht gerade dafür, dass die möglichen Empfänger-Aliens das beste Bild von der Menschheit bekommen.

So hat zum Beispiel Leila Lopez, die amtierende Miss Universe aus Angola, die Absicht, das schönste Mädchen der Außerirdischen zum Schönheitswettbewerb herauszufordern. Erin Ryder, eine Moderatorin der Show, will den Außerirdischen den guten Willen der Menschheit übermitteln und sich gleichzeitig für all die anderen Tweets entschuldigen, die sich zum Beispiel auf Justin Bieber oder Chuck Norris beziehen.

Blogger machen sich angesichts solcher Botschaften schon Sorgen um den interplanetaren Frieden.

Wer sich beteiligen möchte, muss zwischen 20 Uhr und Mitternacht amerikanischer Ostküstenzeit am Freitag (zwei Uhr nachts bis sechs Uhr morgens am Samstag deutscher Zeit) ein Tweet mit #chasingUFOS und seiner Botschaft aussenden.

Genauere Informationen bietet die Webseite www.thewowreply.com. Dort findet sich auch ein Programm, mit dem man die Tweetaussendung für das korrekte Zeitfenster vorbestellen und dann schlafen gehen kann.

Wer weiß schließlich, ob man nicht besonders ausgeschlafen sein muss, wenn die Außerirdischen die Antwort lesen und vielleicht zu Besuch kommen.

(Bisher getwittert bei ChasingUFOs)