Archäologie Forscher finden die ältesten bislang bekannten Fußspuren der Erde

Die ältesten Fußabdrücke der Welt sind nur wenige Millimeter groß.

(Foto: NIGP)
  • Das Erstaunliche ist das Alter der Spuren: Forscher datierten die Abdrücke auf 551 bis 541 Millionen Jahre.
  • Die Wissenschaftler entdeckten die Abdrücke in uralten Kalksteinschichten der Drei-Schluchten-Region am chinesischen Fluss Jangtse.
  • Der neue Rekord ist mit der überaus wichtigen Frage verknüpft, wann in der Evolution Tiere erstmals laufen konnten und sich nicht nur im Wasser über den Meeres- oder Flussboden schlängelten.
Von Hubert Filser

Es sind winzige Fußabdrücke, millimetergroße Vertiefungen im Kalkstein. Die Spuren führen in nahezu parallelen Reihen mehrere Zentimeter über den heute versteinerten, aber einst weichen Boden. Daneben finden sich Spuren von Grabaktivitäten, kleine Vertiefungen und winzige Tunnel. Es sieht aus, als wären hier Tausendfüßler oder andere Krabbeltiere über den Boden gelaufen.

Das Erstaunliche ist das Alter der Spuren: Forscher datierten die Abdrücke auf 551 bis 541 Millionen Jahre, also auf das Ende des sogenannten Ediacariums, eines Erdzeitalters, das unmittelbar der ersten großen Artenexplosion im Kambrium vorausging. Es sind die ältesten bislang bekannten Fußspuren auf der Erde, berichtet eine chinesisch-amerikanische Forschergruppe um den Geobiologen Shuhai Xiao von der Virginia Tech University in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science Advances. Sie stammen von Tieren, die sich erstmals in der Erdgeschichte auf Beinen fortbewegten, es sind damit die Anfänge eines in der Evolution bis dahin völlig neuen Fortbewegungskonzepts.

"Es ist schwer zu sagen, wer die Fußspuren gemacht hat"

Die Wissenschaftler entdeckten die Abdrücke in uralten Kalksteinschichten der Drei-Schluchten-Region am chinesischen Fluss Jangtse. Sie hatten Felsplatten aus versteinertem Sediment im Sonnenlicht gekippt und dabei unter bestimmten Einfallswinkeln die winzigen Erhebungen entdeckt, die bislang frühesten Hinweise auf die Evolution des Laufens. Der neue Rekord ist mit der überaus wichtigen Frage verknüpft, wann in der Evolution Tiere erstmals laufen konnten und sich nicht nur im Wasser über den Meeres- oder Flussboden schlängelten oder mit Hilfe von Weichteilbewegungen über den Grund der Gewässer wedelten.

Die entdeckten Fußspuren könnten von primitiven Vorfahren heutiger Gliedertiere stammen, entweder aus dem Stamm der Arthropoden, zu denen heute unter anderem Krebstiere und Tausendfüßer gehören, oder der Anneliden, der Ringelwürmer. "Es ist schwer zu sagen, wer die Fußspuren gemacht hat", sagt Xiao. Doch es sehe so aus, als hätten die Tiere erstmals Paare von Gliedmaßen entwickelt. Es könnten also die ersten bilateralen Tiere gewesen sein, Wesen mit einem neuen Körperbauprinzip. Diese hatten anders als Quallen oder Schwämme, typische bislang bekannte Tiere des Ediacariums, zwei relativ ähnliche Körperhälften und waren damit ähnlich gebaut wie viele heutige Tiere.

Wie die gesuchten Krabbler aber genau aussahen, wissen die Forscher nicht. Es gibt keine Fossilien aus dem Ediacarium mit erkennbaren Beinen. Die Tiere besaßen in der Regel auch noch keine Hartteile, die hätten versteinern können. Erhalten sind oft nur Abdrücke von Weichteilen im Kalkstein von Wesen, die sich nicht über den Boden erheben und gehen konnten. Sie erinnern optisch mehr an Pflanzenblätter oder Federn als an heute bekannte Tiere. Worum es sich bei diesen Wesen handelt, ist umstritten.

Aufgrund der geringen Größe von wenigen Millimetern bis zu einer Breite von maximal 1,4 Zentimetern sind die Forscher skeptisch, ob sie im Kalkstein irgendwo doch fossile Reste entdecken können. Bei der detaillierten Analyse der Spuren fand das Forscherteam immerhin ein paar Hinweise: Ihrer Meinung nach stammen sie von Tieren, die an einem Flussbett entlang gehuscht sind und sind ein Beleg für komplexeres Verhalten. Die Tiere konnten sowohl gehen als auch graben, vielleicht nutzten sie ihre Beine auch noch für andere Tätigkeiten, um Behausungen zu bauen oder zu kämpfen, so Xiao.

Der Geobiologe vermutet, dass die Tiere sich regelmäßig ins Sediment gruben, um dort abgestorbenes Material zu finden und als Nahrung zu nutzen. Es war der Beginn einer neuer Ära und ein deutlicher Hinweis, dass sich bestimmte neuartige Körperbaukonzepte nicht schlagartig im Lauf der sogenannten kambrischen Explosion entwickelt haben, sondern schon deutlich früher und langsamer im Ediacarium.

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