Archäologie Bayerischer Taucher entdeckt größte Unterwasserhöhle der Welt

Taucher bahnen sich einen Weg durch die Unterwasserhöhle in Yucatán.

(Foto: Herbert Meyrl/Proyecto/Gran Acuífero Maya/dpa)
  • Ein bayerischer Höhlentaucher hat die bislang größte bekannte Unterwasserhöhle der Welt entdeckt.
  • Das weitverzweigte Höhlengeflecht liegt unter der mexikanischen Halbinsel Yucatán.
  • In der Höhle fanden die Wissenschaftler in den vergangenen Wochen etwa 200 Objekte, darunter Menschenschädel oder Riesenfaultierknochen.
Von Jing Wu

Als Robert Schmittner realisiert, dass er gerade die größte Unterwasserhöhle der Welt entdeckt hat, schreit er seine Freude heraus. "Es kamen nur Luftblasen raus, aber egal", erzählt der Höhlentaucher, der aus der unterfränkischen Stadt Rothenbuch stammt. An der Küste der Halbinsel Yucatán in Mexiko hat er im Januar eine Verbindung zwischen den beiden Unterwasserhöhlen Sac Actun und Dos Ojos entdeckt. Das ganze System ist insgesamt 347 Kilometer lang.

Die beiden Höhlen lagen einst trocken und waren wohl unter anderem Wohnstätte der Maya. Später wurden sie dann durch den Anstieg des Meeresspiegels überflutet. In einem Video des mexikanischen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH), ist zu sehen, wie Archäologen in dem unterirdischen Labyrinth nach Relikten aus alten Zeiten suchen. Bedächtig bahnen sich die Taucher ihren Weg durch das unterirdische Höhlensystem.

Sie kommen nur langsam voran, schauen nach links, schauen nach rechts, wollen nichts übersehen. Einer der Taucher richtet seine Taschenlampe auf ein längliches Gebilde am Meeresgrund. Er deutet mit dem Finger darauf, es sind die Überreste eines Knochens. Rund 200 Objekte haben die Wissenschaftler hier in den letzten Wochen gefunden, darunter Menschenschädel, Riesenfaultierknochen und Altäre. Manche Relikte stammen aus der Eiszeit, andere aus der Blütezeit der Maya.

Schmittner vermutet, dass es noch weitere Höhlen gibt, die mit dem System verbunden sind

Wenn man Experten fragt, welches Potenzial für die Forschung in Sac Actun steckt, sprechen sie gerne in Superlativen. Nach Ansicht des INAH-Forschers Guillermo de Anda ist Sac Actun "die wichtigste archäologische Unterwasserstätte der Welt". De Anda leitet das interdisziplinäre Great Maya Aquifer Project und findet in diesen Tagen überhaupt alles "great" und "impressive". Er sei begeistert von der Menge der Funde, begeistert von der architektonischen Vielfalt und begeistert von der guten Qualität der Relikte. Die gefundenen Objekte werden nun genauer erforscht, um mehr über ihr Alter und ihre Herkunft zu erfahren.

Der Name Sac Actun stammt aus der Sprache der Maya und bedeutet übersetzt so viel wie weiße Höhle. Weil sie größer ist als Dos Ojos, verschluckt sie nun, da eine Verbindung zwischen den beiden Systemen nachgewiesen wurde, den Namen der kleineren Höhle. 14 Jahre lang hat Robert Schmittner gebraucht, um die Verbindung zwischen den beiden Unterwasserhöhlen zu entdecken. Doch er ist sich sicher, dass es damit nicht getan ist. "Um Sac Actun herum gibt es weitere Höhlen, die wir miteinander verbinden könnten", vermutet er. "Dann wird das System eine Länge von 500 Kilometern überschreiten, und es gibt immer noch kein Ende." Ganz im Gegenteil, dies ist erst der Anfang.

Mit Material der dpa.

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