Zusteller im Dauerstreik Verdi heizt den Arbeitskampf bei der Post an

'Wir zahlen die besten Löhne!' steht auf einem Plakat eines thüringischen Briefzentrums vor dem ein Verdi-Mitglied streikt. Am Montag geht der Arbeitskampf in die zweite Woche.

(Foto: dpa)
  • Von diesem Montag an gehen 300 weitere Mitarbeiter der Deutschen Post in den unbefristeten Arbeitskampf. Damit befinden sich dann 18.000 Beschäftigte des Unternehmens im Ausstand.
  • Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer kritisiert die Gewerkschaft Verdi. Die Folgen des Streiks würden vor allem die Arbeitnehmer und die Kunden der Post tragen. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass während des Streiks Millionen Briefsendungen liegen bleiben.
  • Während sie ihre Arbeit niederlegen, erhalten die Arbeitnehmer der Post einen Betrag aus der Streikkasse der Gewerkschaft, aber keinen Lohnausfall.

Verdi erhöht Druck auf die Deutsche Post

Millionen Briefsendungen und Pakete bleiben weiterhin liegen. Die Gewerkschaft Verdi mobilisiert im Tarifstreit die Mitarbeiter der "Deutschen Post" in Berlin und Brandenburg. Ab Montag gehen auch sie in Dauerstreik.

Etwa 300 weitere Mitarbeiter in Brandenburg/Havel, Cottbus, Spremberg und Calau beteiligten sich von Wochenbeginn an, teilte die Gewerkschaft mit. Bundesweit hätten sich mittlerweile etwa 18 000 Beschäftigte dem Ausstand angeschlossen. Die Gewerkschaft hatte am Montag zu einem bundesweiten und unbefristeten Streik aufgerufen.

Ingo Kramer: "Verdis Verhalten ist verantwortungslos"

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer fordert die Gewerkschaft zum sofortigen Ende des Streiks auf. "Das Verhalten von Verdi gegenüber der Deutschen Post ist verantwortungslos", sagte Kramer. "Die Streikfolgen tragen nicht nur die Arbeitnehmer in den betroffenen Betrieben, sondern auch viele Kunden der Post." Verdi sollte am Verhandlungstisch eine Lösung suchen und die Anwendung eigener Flächentarifverträge in den betroffenen Betrieben akzeptieren.

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Die Gewerkschaft sieht sich indes auch für länger andauernde Streiks gewappnet. "Wir brechen keinen Arbeitskampf vom Zaun, wenn wir nicht wüssten, dass wir ihn finanziell durchstehen könnten", sagte Andrea Kocsis, die auch stellvertretende Vorsitzende des Post-Aufsichtsrates ist.

Wie lange der Atem in dem Streik reicht - wie gut also die Streikkasse ausgestattet ist und welche Beträge an Streikende fließen -, wollte sie nicht sagen. Für jeden Verdi-Mitarbeiter im Ausstand zahlt die Gewerkschaft eine Unterstützung, aber keinen Lohnausfall. Dadurch müssen Streikende auch Einkommenseinbußen hinnehmen.

Auch für Tochterfirmen soll der Haustarif gelten

Während die Gewerkschaft davon ausgeht, dass Millionen Briefe und Pakete während des Streiks liegen bleiben, ist die Deutsche Post zuversichtlich. Das Unternehmen gehe davon aus, dass trotz der Arbeitsniederlegung mehr als 80 Prozent der Briefsendungen und mehr als 75 Prozent der Pakete pünktlich zugestellt werden können, teilte die Post mit.

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In dem Tarifkonflikt geht es um die Arbeitsbedingungen von bundesweit etwa 140 000 Beschäftigten. Entzündet hatte sich der Konflikt an der Ankündigung des Bonner Konzerns, Tausende unbefristete Stellen zu schaffen - allerdings in 49 neu gegründeten regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung, für die niedrigere Löhne gelten als im Konzern.

Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche, die deutlich unter denen der Post liegen. Verdi will die Post mit dem Streik zwingen, dass auch bei den Tochterunternehmen der höhere Haustarif gezahlt wird. Die Post verweist dagegen darauf, dass sie deutlich höhere Löhne als die Konkurrenten zahlt.