Yassin Hankir Verschwundener Krypto-Gründer taucht wieder auf

Ripple, Bitcoin, Etherum and Litecoin sind die wohl bekanntesten Kryptowährungen. Start-ups geben mittlerweile eigene Alternativen heraus.

(Foto: REUTERS)
  • Der Chef des Start-ups Savedroid täuschte sein Verschwinden vor. Er wollte aufzeigen, wie schnell Anleger ihr Geld in der Krypto-Szene verlieren können.
  • Die Investoren finden den PR-Gag allerdings gar nicht lustig. Und die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie ein Ermittlungsverfahren aufnimmt.
Von Christian Simon und Nils Wischmeyer

Es war eine beachtliche Summe, die das Start-up Savedroid eingesammelt hatte: 40 Millionen Euro kassierte das Unternehmen mithilfe einer sogenannten Inital Coin Offering (ICO), dem unregulierten Krypto-Pendant zu einem Börsengang. Viele Privatanleger hatten investiert, in der Hoffnung ein gutes Geschäft zu machen. Doch plötzlich mussten sie um ihr Geld bangen. Zuerst verschwand am Mittwoch die Webseite der Firma, dann postete Gründer Yassin Hankir ein Foto von sich am Flughafen und danach von einem Bier am Strand. Das Büro in Frankfurt war verwaist - und niemand erreichbar.

Wie sich nun herausstellt, war dies alles ein von langer Hand geplanter "Scherz" des Savedroid-Teams um seinen Gründer Hankir. Seit Donnerstagvormittag ist die Webseite des Unternehmens wieder online, das Geld noch da und all das soll bloß ein großer PR-Gag gewesen sein, wie es von Savedroid heißt. Ein Scherz, der allerdings ziemlich nach hinten losgehen könnte. Denn die Anleger sind wütend und die Staatsanwaltschaft prüft gar, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleitet.

Doch warum tauchte Hankir überhaupt ab? Die Auflösung lieferte er am Donnerstagmorgen. In einem viereinhalb minütigen Video mit dem Titel "And it's NOT gone" meldete er sich zurück und entschuldigte sich für die Aufregung. Gleichzeitig lieferte er eine Begründung für das fragwürdige Manöver: Weil es in den vergangenen Wochen so viele Betrugsfälle bei ICOs gegeben habe, fordere er eine strengere Regulierung für eben solche und bewarb einige Lösungen aus dem Hause Savedroid. Es sei zu leicht, Geld von Privatanlegern zu nehmen und damit abzuhauen. Sein Abtauchen sei dafür das beste Beispiel.

Anleger sprechen vom schlechtesten PR-Gag aller Zeiten

Bei vielen Anlegern hat Hankir mit der Aktion allerdings kein Vertrauen in sein Unternehmen aufgebaut, im Gegenteil. Stundenlang bangten sie um ihr Geld, die Aufsichtsräte waren zeitweise ebenso ratlos. Einige versuchten noch am Donnerstagmorgen, Investoren und Anleger zu beruhigen. Doch das konnte die Community, die sich um Savedroid geschart hatte, nicht besänftigen.

Auf Twitter sprechen einige nun vom schlechtesten PR-Stunt der Geschichte, auch die Investoren sind nicht erfreut über die Aktion. Am kommenden Montag steht ein Treffen des Aufsichtsrats an, bei dem es hoch hergehen könnte. Der Krypto- und auch der Start-up-Szene hat Hankir mit der gesamten Aktion jedenfalls einen Bärendienst erwiesen. Seit Jahren kämpft die Branche um das Vertrauen von Investoren, Anlegern und Kunden. Ein vorgetäuschter Betrugsfall dürfte nicht helfen, das Vertrauen in Start-ups wie Savedroid zu fördern.

Gestartet ist das Unternehmen als Spar-App, die besonders junge Nutzer ansprechen soll. Sie können über Automatismen in der App kleine Geldbeträge zur Seite legen. Mit dem Geld aus dem ICO soll eine Plattform gebaut werden, die es Nutzern ermöglicht, künftig auch Krypto-Währungen zu sparen. Vorausgesetzt natürlich, irgendjemand vertraut dem Unternehmen noch einmal Geld an.

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