Wirtschaftsausblick OECD sieht 2014 Vollbeschäftigung in Deutschland

Die OECD malt für die deutsche Wirtschaft eine rosige Zukunft: Ein starker Export werde die Arbeitslosenquote weiter drücken - Vollbeschäftigung sei in Sicht. Helfen sollen dabei ausgerechnet höhere Löhne.

Deutschland steuert der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge auf Vollbeschäftigung zu. Die Arbeitslosenquote werde weiter fallen, geht es nach dem neuen Konjunkturausblick der Organisation, die Think Tank und Treffpunkt der großen Industriestaaten ist. Die OECD prognostiziert für 2014 eine nach internationalen Standards berechnete Quote von etwa fünf Prozent. "Ich würde das durchaus als Vollbeschäftigungsniveau bezeichnen", sagte ihr Deutschland-Experte Andreas Wörgötter.

Damit ist er nicht alleine. Zwar galt lange erst eine Quote von unter drei Prozent als Vollbeschäftigung, doch diese Grenze verschwimmt zunehmend in der heutigen Arbeitswelt, in der Erwerbsbiografien oft von Jobwechseln und kurzzeitiger Arbeitslosigkeit geprägt sind. Die FAZ hat sogar gerade eine Serie zur Vollbeschäftigung begonnen, "Arbeit für Alle". Das Blatt interviewt den Chef der Arbeitsagentur Freising, in deren Region schon Vollbeschäftigung herrscht, und sammelt in einem "Ticker" alle Nachrichten zum Thema.

Hintergrund ist die gute Konjunktur in Deutschland. Auch die OECD traut Deutschland im kommenden Jahr ein kräftiges Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um 2,0 Prozent wachsen, in diesem Jahr soll es dagegen nur um 0,3 Prozent zulegen. "Wenngleich die verhaltene Wirtschaftstätigkeit im Euro-Raum den Aufschwung bremsen dürfte, wird die Belebung des Welthandels für eine Zunahme des Exportwachstums sorgen", so die OECD.

Die Exporte sollen 2014 mit 4,6 Prozent rund fünfmal so stark zulegen wie in diesem Jahr. Dadurch dürften die Unternehmen wieder mehr investieren und die Verbraucher wegen der hohen Arbeitsplatzsicherheit mehr konsumieren. "Lohn- und Beschäftigungszuwächse ebenso wie niedrige Zinssätze werden die Binnennachfrage stützen."

Allerdings warnt die OECD auch vor Risiken. Die Rezession im Euro-Raum dürfte schwerer ausfallen als bislang befürchtet. Gingen die Experten bei ihrer Schätzung im November von einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,1 Prozent im Jahr 2013 aus, so rechnen sie nun mit einem Minus von 0,6 Prozent. Die OECD begründet dies mit den anhaltenden Sparbemühungen, dem "trüben Geschäftsklima" und der restriktiven Kreditvergabe unter anderem in den südeuropäischen Krisenländern.

Sollten die Spannungen an den Märkten für Staatsanleihen im Euro-Raum stark bleiben, dürften darunter die deutschen Exporte leiden. Auch die Finanzierungsbedingungen der Banken könnten sich dann verschlechtern und den Aufschwung gefährden. "In diesem Fall könnte auch die Arbeitslosigkeit erneut steigen", warnt die OECD.

Höhere Löhne in Deutschland gefordert

Doch die Organisation hat auch gleich ein paar Maßnahmen parat, wie die Euro-Staaten die Krise in den Griff bekommen können: Höhere Löhne in exportstarken Staaten wie Deutschland und eine lockere Geldpolitik von der Europäischen Zentralbank, so lautet das Rezept. "Höhere Löhne und eine stärkere Liberalisierung der Produktmärkte in den Überschussländern könnten für einen symmetrischeren und wirkungsvolleren Ausgleichsprozess sorgen und zugleich das Wachstum fördern", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Exportüberschüssen.

Auch die Zentralbank müsse mehr tun. "Die EZB hat gut daran getan, ihren Leitzins zu senken und sich zu verpflichten, so lange wie nötig einen konjunkturstimulierenden Kurs zu verfolgen", sagte Padoan. "Allerdings könnte mit zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen noch mehr erreicht werden." In der EZB wird beispielsweise diskutiert, den Banken forderungsbesicherte Wertpapiere abzukaufen oder ihnen Strafgebühren aufzubrummen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Beides soll die Kreditvergabe an die Banken in Schwung bringen.