Jeder siebte Mensch auf der Welt hungert. Auf dem Welternährungsgipfel soll über Gegenmaßnahmen beraten werden - doch das Treffen steht unter keinem guten Stern.
Der Welternährungsgipfel in Rom beginnt mit einer Blamage. Zwar kommen in der italienischen Hauptstadt die Vertreter von mehr als 60 Ländern zusammen - sie wollen nach Lösungen im Kampf gegen den Hunger suchen. Immerhin ist die Zahl der Hungernden weltweit auf mehr als eine Milliarde gestiegen, statistisch ist das etwa jeder siebte Mensch. Aber: Die wichtigsten Staats- und Regierungschefs fehlen in Rom.
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Welternährungsgipfel in Rom: Demonstranten der Hilfsorganisation ActionAid vor dem Kollosseum. (© Foto: dpa)
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Deutschland, das von Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) vertreten wird, will die Hilfen für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern erhöhen. "Wir müssen die Menschen in die Lage versetzen, dass sie ihre eigenen Lebensmittel produzieren können", sagte der Vize-Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, Alexander Müller, im Deutschlandradio Kultur. Statt Lebensmittel aus Industriestaaten zu importieren, müssten Strukturen für die Selbstversorgung geschaffen werden. "Das heißt: Hilfe zur Selbsthilfe. Dieser alte Slogan ist wieder angesagt."
Angst vor der Hungerspirale
Von dem Ziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, sei die internationale Gemeinschaft aber weit entfernt, sagte Müller. "Wir sind überhaupt nicht auf dem richtigen Weg." Der bis 2050 prognostizierte Bevölkerungszuwachs von 2,5 Milliarden werde vor allem zu Lasten der Entwicklungsländer gehen. Der FAO-Vizechef sprach deshalb von einer Hungerspirale.
Sein Vorgesetzter Jacques Diouf rief die Gipfelteilnehmer auf, in Rom "konkrete Zusagen" zu machen. Statt der derzeit acht Milliarden Dollar an Investitionen in die Landwirtschaft seien jährlich 44 Milliarden Dollar nötig. Aus Solidarität mit den Hungernden in aller Welt war der FAO-Chef am Wochenende in einen 24-stündigen Hungerstreik getreten.
Die Ernährungssicherung und die Förderung des ländlichen Raumes hätten für die neue Bundesregierung "höchste Priorität", sagte die parlamentarische Staatssekretärin des Entwicklungsministeriums, Gudrun Kopp (FDP), der Berliner Zeitung. Deutschland werde die Mittel für die Entwicklung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern daher erhöhen. Zu den 20 Milliarden Dollar (13,4 Milliarden Euro), welche die G-8-Staaten im Juni zugesagt hätten, trage Deutschland in den kommenden drei Jahren drei Milliarden Dollar bei.
Papst nimmt am Gipfel teil
Geld allein löse das Problem aber nicht, sagte Kopp. Wichtig sei vor allem, welche Maßnahmen finanziert würden. "Wir wollen Menschen keine Hilfen überstülpen, die zudem häufig keine nachhaltige Wirkung haben", sagte Kopp. Die Bauern müssten befähigt werden, sich langfristig selbst zu helfen, auch durch den Einsatz zukunftsorientierter Techniken.
Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann, bezeichnete den Welternährungsgipfel als "letzte Chance", um die Zahl der Hungernden zu verringern. Die Welthungerhilfe forderte in einer Erklärung, die Reform des Komitees für globale Ernährungssicherheit umzusetzen. Dieses soll alle internationalen Maßnahmen im Kampf gegen den Hunger koordinieren und die betroffenen Länder unterstützen, eigene lokale Strategien zu entwickeln.
Neben UN-Generalsekretär Ban und Papst Benedikt XVI. haben mehr als 60 Staats- und Regierungschefs ihre Teilnahme an dem dreitägigen Gipfel zugesagt, unter ihnen Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und Simbabwes Staatschef Robert Mugabe. Hilfsorganisationen wie Oxfam und ActionAid kritisierten, dass außer dem gastgebenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kein Staats- oder Regierungschef der acht führenden Industrienationen (G8) an dem Gipfel teilnimmt.
(sueddeutsche.de/AFP/dpa/dgr/tob)
Demonstrationen in Hamburg
unsere hilfe hat sich bisher so ausgewirkt, dass die landwirtschaft, und damit die fähigkeit, für sich selber zu sorgen in den unterstützten ländern völlig den bach runterging. es lag nicht nur an naturkatastrophen wie dürren. unsere billig subventionierten überschüsse ruinieren woanders die landwirtschaft, und wenn dann noch unser hunger nach biokraftstoff dazukommt, können sich die betroffenen staaten auch nicht mehr auf dem weltmarkt eindecken, da viele lebensmittel unbezahlbar werden. und wenn wir es schon nicht schaffen, die lokalen märkte für landwirtschaftliche produkte aus dem gleichgewicht bringen, fischen wir dort wenigstens die meere leer.
Monsanto wird bald als Retter auftreten. So läuft der Laden, dieses üble System der Menschen-, Staaten- und Planetenspieler.
Ich habe mir die Agenda für den Gipfel nicht angesehen, das muss ich gestehen, wenn ich den Artikel lese fällt vor allem eines auf: Dass mittlerweile seit Jahren gebetsmühlenartig ein und dasselbe Mantra wiederholt wird - Hilfe zur Selbsthilfe. An sich sicherlich ein guter Ansatz, das Problem damit ist allerdings, dass auch die Hilfe zur Selbsthilfe übergestülpt ist. Eine Tatsache, die man sicher ungern hört, aber genau so ist. Auch bei Hilfe zur Selbsthilfe kommen "westliche Experten" in eine Region und wollen der Bevölkerung erzählen, wie es zu funktionieren hat... In meinen Augen von Anfang an ein tot geborenes Kind, weil in 98% aller Fälle nicht nach den "Experten" gefragt worden ist - die kommen einfach...
Wenn man Afrika wirklich helfen wollte, dann sollte nicht die Hilfe erhöht werden, sondern Handelsschranken für afrikanische Produkte und Agrarsubventionen in westlichen Ländern sollten vollkommen eliminiert werden! Das Problem ist wirtschaflicher Natur und liegt nicht an zu wenig Hilfe!
Es gibt so verdammt viele Polittäter, die sich eigentlich nur durch Massenmord wegen Unterlassung auszeichnen. Diese tollen G8- oder G20-Treffen sind das, wenn so allerlei Unsinniges und Unnützes auf Pump finanziert werden kann. z.B. Banken und Großwirtschaft, aber 25000 Menschen/Welt/Tag gleichzeitig verrecken.
Ihre tollen Transportmaschinen haben vollgepackt mit Brunnenbohrmaschinen und Landwirtschaftsexperten in die Hungergebiete auszuschwärmen, und nicht Kriegsmaterial in der Gegend rumzufliegen. Weil den von den USA bevorzugten Tyrannen kann man nicht Geld geben und dann drauf hoffen, dass es wird.