Von Insolvenz bedrohte Windkraftfirma Anleger kündigen Prokon-Verträge in Millionenhöhe

Der Hilferuf hat wohl den gegenteiligen Effekt: Über das Wochenende ist die Summe, die Anleger der Windkraftfirma Prokon gekündigt haben, um fast ein Viertel gestiegen. Im Vergleich zur Vorwoche fließt praktisch kein Geld mehr an das Unternehmen.

Trotz massiven Drucks auf seine 75.000 Anleger, kein Kapital abzuziehen, bleibt die Windkraftfirma Prokon weiterhin von der Insolvenz bedroht. Neue Zahlen des Unternehmens zeigen, wie Anleger darauf reagieren, dass die Firma ihnen am Freitag Druck machte, Kündigungen auf Monate hin auszuschließen: Sie kündigen ihre Verträge im Millionenwert. Der Geldfluss an das Unternehmen ist verglichen mit vergangener Woche fast ausgetrocknet.

Anleger kündigten demnach seit vergangenem Donnerstag Prokon-Verträge in Höhe von 37,2 Millionen Euro. Damit ist die von "bestehenden Kündigungen" betroffene Summe um fast ein Viertel gestiegen. Die Summe der Einzahlungen hatte am Donnerstag fast 320.000 Euro betragen. An diesem Dienstag waren es noch 18.717 Euro.

Derzeit haben Anleger Genussrechte in Höhe von 202,4 Millionen Euro gekündigt. Das sind bereits gut 14 Prozent des Genussrechtskapitals von insgesamt 1,4 Milliarden Euro.

Prokon setzt seit seiner Gründung 1995 auf stark geförderte Zweige der Energiewirtschaft. Die Firma finanziert Windparks, will auch mit Biomasse und Biopsprit Geld verdienen. Die Anleger haben Prokon ihr Geld über sogenannte Genussscheine anvertraut. Diese Anlageform gibt den Geldgebern kein Mitspracherecht in der Firma wie etwa Aktien - aber das Versprechen von bis zu acht Prozent Zinsen. Im Fall von Prokon sind wohl auch viele Rentner betroffen, die für ihre Altersvorsorge in das Unternehmen investierten.

In einem Schreiben an die Anleger hatte Prokon erklärt, eine Planinsolvenz lasse sich nur verhindern, wenn 95 Prozent des Genussrechtskapitals erhalten blieben. Wer jetzt kündige, gefährde damit das angeblich zukunftsfähige Unternehmen. Bestehende Kündigungen sollten Anleger rückgängig machen. Anlegerschützer werfen dem Unternehmen Erpressung vor.

Einige Anleger konnte Prokon offenbar auch überzeugen, ihre Kündigungen zu widerrufen. Unter "Zurückgenommene Kündigungen" sind 9,67 Millionen Euro vermerkt, 1,3 Millionen Euro mehr als am Donnerstag.

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