Verkaufspläne trotz Altlasten Franzosen greifen nach Krisenbank IKB

Die Mittelstandsbank IKB war das erste deutsche Opfer der Finanzkrise. Zehn Milliarden Euro verschlang ihre Rettung. Noch immer ist sie abhängig von staatlichen Milliarden-Garantien. Nun steht das Finanzinstitut offenbar vor dem Verkauf an die französische Bank BNP Paribas.

Nach monatelanger Suche hat der Finanzinvestor Lone Star offenbar einen Käufer für die krisengeschüttelte Deutsche Industriebank IKB gefunden. Einem Bericht der Financial Times Deutschland (Donnerstagsausgabe) zufolge führt Lone Star exklusive Verhandlungen mit der französischen Bank BNP Paribas. Die Gespräche seien schon sehr weit gediehen, BNP Paribas habe das Prüfverfahren für den Kauf bereits abgeschlossen, sagte eine mit dem Sachverhalt vertraute Person der FTD. Ein BNP-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die angeschlagene Bank IKB steht seit vergangenem Herbst zum Verkauf. Jetzt scheint ein Interessent gefunden.

(Foto: dpa)

Lone Star will die einstige Skandalbank seit dem vergangenen Herbst loswerden - das ist nicht einfach, angesichts der Altlasten in den Büchern der IKB: Zwar erzielte die Bank im vergangenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 52 Millionen Euro, nach einem Verlust von fast einer Milliarde Euro ein Jahr zuvor. Ohne die Sonderfaktoren, in denen sich die Abenteuer der Bank vor der Finanzkrise widerspiegeln, wäre aber ein Minus von 136 Millionen angefallen.

Die IKB hatte sich mit US-Ramschhypotheken verspekuliert und war die erste deutsche Bank, die 2007 in der aufkeimenden Finanzkrise zusammenbrach - lange vor der verheerenden Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Die staatliche Förderbank KfW, der Bund und anderen Banken mussten die IKB daraufhin mit zehn Milliarden Euro retten. 2008 übernahm der Investor Lone Star die Bank für rund 150 Millionen Euro. Die Hauptlast der Rettung blieb an der Staatsbank KfW hängen.

Nach wie vor ist die IKB abhängig von staatlichen Garantien. Investoren haben bei der Bank derzeit Anleihen im Wert von 8,6 Milliarden Euro gezeichnet, für die der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin garantiert. Für diese Garantien zahlte die Bank im vergangenen Geschäftsjahr allein 126 Millionen Euro Provisionen. 2012 werden laut Geschäftsbericht Anleihen im Wert von 5,6 Milliarden Euro fällig.

Am Markt hat die IKB seit ihrem Fast-Zusammenbruch 2007 keine unbesicherten Anleihen mehr untergebracht. Es seien auch keine geplant, sagte eine Sprecherin. Zum 30. Juni habe der Vorstand deswegen die Verträge mit den Ratingagenturen Moody's und Fitch gekündigt. Stattdessen versucht die IKB unter anderem frische Kundeneinlagen zur Refinanzierung einzusammeln.

Trotz der Altlasten sieht sich die Bank reif für einen Eigentümerwechsel. Im Geschäftsbericht heißt es: "Die grundlegenden Anpassungen des Geschäftsmodells sind auf den Weg gebracht. Die EU-Auflagen sind materiell weitgehend erfüllt".

Details eines möglichen Verkaufs an BNP Paribas sind noch offen - etwa, ob die Franzosen die gesamte Bank übernehmen wollen oder nur Teile. Am heutigen Donnerstag komme das Investmentkomitee von BNP Paribas zusammen, hieß es in dem FTD-Bericht. Dabei solle es auch um die IKB gehen. Die Franzosen könnten mit einer Übernahme ihr Mittelstandsgeschäft in Deutschland ausbauen.

Finanzkreisen zufolge verlangt BNP Paribas aber bei einer IKB-Übernahme eine weitgehende Freistellung von Risiken - und will eine Beruhigung der europäischen Finanzmärkte abwarten. Sollte die Griechenland-Krise rasch gelöst werden, könne die IKB noch im Sommer verkauft sein, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.