Verkauf von Staatsanleihen Deutsche Bank soll Athen zurück an die Kapitalmärkte bringen

Vier Jahre war Griechenlands Staat vollständig abhängig von Helfern, jetzt ist es so weit: Noch diese Woche könnte sich das Land Berichten zufolge erstmals wieder Geld auf den Kapitalmärkten leihen - mit Hilfe zweier Großbanken. Haben Investoren genug Vertrauen, um Milliarden rauszurücken?

Vier Jahre lang liehen nur noch die internationalen Helfer Griechenland Geld - und auch nur, wenn das Land im Gegenzug seinen Staatshaushalt brutal zusammenstrich. Nun ist die Regierung überzeugt, wieder als ausreichend kreditwürdig zu gelten. Griechenland könnte sich schon in dieser Woche wieder Geld an den Kapitalmärkten leihen, schreibt die Financial Times. Damit will wohl die Regierung auch politische Stärke demonstrieren, nachdem Gerüchte über mögliche Neuwahlen aufgekommen waren und keine Einigkeit über den Umgang mit den Rechtsextremisten im Land besteht.

Die Deutsche Bank und JP Morgan seien damit beauftragt, die Vergabe von fünfjährigen Anleihen in einer Gesamthöhe von zwei bis drei Milliarden Euro zu verwalten, heißt es unter Berufung auf informierte Personen. Auch Bloomberg und das Wall Street Journal nennen die zwei Institute. Beide Banken wollten sich dazu nicht äußern.

Die Rendite auf griechische Staatsschulden sinkt immer weiter. Das passiert, wenn Investoren wieder vermehrt Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit eines Landes fassen und deshalb die Nachfrage anzieht. Für eine zehn Jahre laufende Anleihe müsste Griechenland heute sechs Prozent Zinsen zahlen - so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Im Januar waren es noch mehr als acht Prozent.

So ganz ohne Stütze will Griechenland es aber doch nicht wagen. Im März hatte die Regierung in Athen die Hoffnung geäußert, bei der Rückkehr an die Kapitalmärkte von den Euro-Partnern unterstützt zu werden. Diese würden Investoren garantieren, dass sie ihr verliehenes Geld tatsächlich zurückbekommen.

Manche Investoren aber sind noch skeptisch, insbesondere private. Griechenlands Inlandsverschuldung sei immer noch hoch, warnt Salman Ahmed von Lombard Odier Investment. Immerhin sei dies einer der Hauptgründe für die Krise und die Flucht unter den Rettungsschirm 2010 gewesen. "Das hat sich nicht geändert." Manager Rick Rieder von der Investmentgesellschaft Blackrock wertet den Schritt hingegen als "deutliches Signal".

Vergangene Woche hatten die Euro-Finanzminister eine seit Herbst zurückgehaltene Hilfszahlung von 8,3 Milliarden Euro genehmigt. Ein Großteil soll noch vor den Europawahlen überwiesen werden. Unabhängig davon bleibt noch eine Unwägbarkeit, die potenzielle Investoren verunsichern könnte: Der konservative Premier Antonis Samaras und der Chef der sozialistischen Pasok, Außenminister Evangelos Venizelos, haben Kreisen zufolge Ende voriger Woche über mögliche Neuwahlen in Griechenland gesprochen.