Sympathisch und verlässlich wollte die Bahn sein, nun hagelt es Pannen und der Börsengang rückt in weite Ferne. Konzernchef Grube muss die Fehler seines Vorgängers ausbügeln.
Bahnfahrer schütteln allmählich nur noch den Kopf. Seit Monaten überrascht das Unternehmen seine Kunden mit immer neuen schlechten Nachrichten. ICE-Achsen bereiten Probleme, Wagen entgleisen, Schneeflocken beschädigen die Elektronik. Züge fahren nur noch in halber Länge, wahlweise sind Klimaanlagen oder Toiletten defekt. Schlampereien bei der Berliner S-Bahn, marode Gleise, übermüdete Lokführer. Bei einigen Verbindungen setzt die Bahn Intercity-Züge statt ICEs ein. Auf der Strecke nach Paris müssen jetzt sogar französische TGV-Hochgeschwindigkeitszüge aushelfen, weil die Bahn alle ICEs im Inland braucht. Was für ein Armutszeugnis für ein Unternehmen, das sich rühmt, ein führender Mobilitätskonzern zu sein.
Marode Gleise, defekte Züge - Probleme hat die Bahn genug. Konzernchef Grube muss die Fehler der Vergangenheit ausbügeln. (© Foto: ddp)
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Dabei sollte doch eigentlich alles besser werden. Als Bahn-Chef Rüdiger Grube im vergangenen Mai sein Amt antrat, waren daran große Erwartungen geknüpft. Grube versprach, die Bahn zu einem sympathischen Unternehmen zu machen. Er wollte verlässlichen Service und Qualität bieten. Bislang ist davon nicht viel zu spüren. Im Gegenteil.
Zwar bemüht sich das Management. Es entwirft Notfahrpläne, fährt Sonderschichten in den Werkstätten, entschuldigt sich und verweist auf den harten Winter, doch was interessiert das den Kunden? Er sieht nur, was rauskommt. Und das sind: chaotische Zustände und verspätete, überfüllte Züge. In diesen Tagen überlegt sich so manch einer zweimal, ob er mit der Bahn fährt.
Konzernchef Grube sieht die Hauptschuld bei den Zugherstellern. Sie hätten mangelhafte Züge geliefert. Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Zwar stimmt es, dass die Züge Materialfehler aufweisen, dass sie deshalb häufiger gewartet werden müssen, und dass wegen des Winters die Wartung länger dauert als normalerweise, weil die Wagen erst umständlich enteist werden müssen. Doch dass deswegen gleich alles zusammenbricht, das ist einzig und allein Schuld der Bahn. Es ist das Ergebnis einer jahrelangen verfehlten Unternehmenspolitik.
Unter dem früheren Vorstandschef Hartmut Mehdorn gab es für die Bahn ein Ziel, dem alles andere untergeordnet wurde: der Börsengang. Und dafür musste aus dem schwerfälligen Staatskonzern ein modernes, schlankes Unternehmen werden. Schrittweise wurde die Zahl der Mitarbeiter reduziert, Abläufe wurden gestrafft, Werkstätten geschlossen, Aufträge an billigere Subunternehmer vergeben. Der Bau von neuen Strecken erfolgte nicht nach ihrer verkehrspolitischen Dringlichkeit, sondern nach dem damit verbundenen Prestige. Die Bahn wollte ein Unternehmen, um das Investoren sich reißen. Und deshalb war die Devise: Kosten runter, Rendite rauf.
Zwar ging der Sparkurs nicht so weit, dass die Bahn absichtlich mangelhafte Züge bestellte, aber sie bestellte weniger. Nicht an der Sicherheit wurde gespart, aber an der Zahl. Wenn jetzt einzelne Züge ausfallen, sei es wegen Schnee oder wegen Achsproblemen, dann stehen kaum Ersatzzüge bereit. Und deshalb bricht sofort Chaos aus. Erschwert wird das Problem, weil die reduzierte Zahl an Mitarbeitern in der reduzierten Zahl an Werkstätten kaum noch hinterherkommt mit der Wartung. All das sind Probleme, für die nicht die Hersteller verantwortlich sind, sondern die Bahn.
In einigen Punkten hat Grube den Kurs seines Vorgängers bereits korrigiert. Bei der Berliner S-Bahn beispielsweise gibt es keine Sparvorgaben mehr. Werkstätten wurden wieder eröffnet und die Zahl der Mitarbeiter erhöht, die mit der Wartung befasst sind. Auch bei den ICEs arbeitet die Bahn angestrengt an einer Lösung der Probleme. Zudem will sie 300 neue Züge kaufen als Ersatz für die Intercity-Flotte und einige ICEs. Das kostet viel Geld, doch die Ausgaben sind unvermeidbar.
Momentan ist an einen Börsengang ohnehin nicht zu denken. Nicht nur wegen der Finanzkrise ist er in weite Ferne gerückt. Selbst wenn die Krise morgen vorbei wäre, hätte die Bahn in ihrem jetzigen Zustand an der Börse keine Chance. Wer wollte schon Aktien eines Unternehmens kaufen, bei dem er täglich mit neuen Pannen rechnen muss?
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(SZ vom 26.01.2010/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
...ist das verschleudern von wertvollem Allgemeineigentum an einige wenige Nutznießer und zu Lasten der Allgemeinheit.
"Privatisierung" scheint doch immer noch das politische Zauberwort zu sein, das aus guten Gründen keinerlei Begründung bedarf (gibt es doch auch keine). "Wettbewerb" gilt als Wert an sich, ganz egal, wie viele "menschliche Ressourcen" dabei auf der Strecke bleiben.
Das in diesem Lande auch enorm viel "sozialisiert" wird, Verluste nämlich, will keiner hören, schon gar nicht unsere erfahrenen und vor Gier strotzenden Jungpolitiker von der liberalen Spaßpartei.
So ist das in einem Lande, in dem zunehmend mehr Menschen von allem den Preis kennen, aber von nichts den Wert.
Das eigentlich Erstaunliche, oder besser: Unbegreifliche, ist doch, dass wir Staatsbürger, Steuerzahler, Kunden und Arbeitnehmer wenig bis nichts aus solchen Entwicklungen lernen. Über den alten Slogan "Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihre Metzger selber" sind wir jedenfalls schon lange hinaus....
Stimmt genau das ist die eigentliche Wahrheit. Massgebende Kreise auch in der Politik versprechen sich da einen Reibach und später wird dann der Verlust wieder sozialisiert - wie wo anders auch. Ein Bahnbetriebsleiter sagte mir einmal wenn ich das bei der DB gemacht hätte was ich jezt bei der Bahn A.G machen muß hätte ich alle viertel Jahr ein Disziplinarverfahren am Halse gehabt.
Frau Kuhr macht sich Sorgen darüber, dass niemand eine nicht funktionierende Bahn kaufen möchte. Sie hat ganz und gar nicht verstanden, dass es nicht darum geht, dass die Bahn zur Zufriedenheit der Passagiere fährt. Es geht der deutschen Plünderclique darum, die Bahn zu verscherbeln und an den Provisionen, Beraterverträgen, Boni usw. use. zu verdienen.
Die Arbeit machen dann Subunternehmer, was - wie in England zu besichtigen ist - zu katastrophalen Folgen inclusive Toten führte.
Bei der Post ist der Prozeß der Zerstörung von Volksvermögen schon ziemlich weit fortgeschritten. Die Politik will es nicht anders.
Ich habe seit etwa einem Jahr eine Jahreskarte für meine Fahrt zur Arbeit und würde eigentlich gerne täglich mit der Bahn fahren (ca. 15 km mit einem Regionalexpress). Leider gelingt mir das nicht immer, denn alleine innerhalb der verganenen 15 Tage gab es an 9 Tagen Verstpätungen von durchschnittlich 30 Minuten oder es kam die Meldung, dass auf unbestimmte Zeit keine Züge verkehren, so dass ich entnervt auf da Auto zurückgegriffen habe.
Davon abgesehen war dieser Zug in der Zeit, seit ich damit fahre, noch nicht ein einziges Mal pünktlich und hat auch jedes mal länger als die angegebene Fahrzeit benötigt. Zudem habe ich auch bei den wenigen Langstreckenfahrten miserable Erfahrungen gemacht, die ich nicht im Detail beschreiben möchte. Nur so viel: auch bei meinen Fernfahrten (etwa 15 in den letzten paar Jahren) gab es keine einzige ohne mittlere oder größere Komplikationen.
Zu den Kosten: Natürlich kostet ein Auto mehr als nur den Sprit. Trotzdem ist die Frage theoretisch und stellt so sich nur dann, wenn ich mich zwischen Auto oder Bahn entscheiden würde, d.h. mir gar kein Auto anschaffe.
Der Umweltaspekt: Dazu habe ich kürzlich in einer seriösen Zeitung gelesen, dass z. B. der CO 2-Ausstoss pro Bahnfahrer gerechnet, nur etwa 30 % geringer ist, als bei einem sparsamen Mittelklasse-Wagen, wie ich ihn fahre. Das heißt, schon zwei Personen in einem Auto fahren umweltschonender als mit der Bahn. Ich konnte es kaum glauben, aber wenn das stimmt, ist die Bahn, neben allen anderen Mängeln und Nachteilen absolut nicht konkurenzfähig.
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