USA Superjumbo für Obamas Nachfolger

Schatten der Air Force One

(Foto: AP)

Die Präsidentenmaschine Air Force One ist ein Alleskönner - und überaltert. Barack Obama will nun neue Modelle bestellen.

Von Claus Hulverscheidt

Barack Obama ist vor einiger Zeit einmal gefragt worden, was ihm nach dem Abschied aus dem Amt wohl am meisten fehlen werde. Man hätte sich viele Antworten vorstellen können, "Macht" vielleicht oder "Ruhm", und manch deutschem Politiker wäre sicher auch das hübsche Wort "Gestaltungsmöglichkeiten" eingefallen. Doch der US-Präsident winkte ab. "Was mir wirklich fehlen wird", sagte er und grinste in die Runde, "ist das Flugzeug."

Das Flugzeug also, jenes Blechgehäuse mit dem mächtigen azurblauen Bug, der weißen Heckflosse und den seltsam babyblauen Triebwerken, das für viele Amerikaner mehr als alle anderen präsidialen Machtinsignien den Stolz und die Identität der Nation symbolisiert. Filme sind über die Air Force One gedreht worden, und allein Obama hat in ihr über 1,5 Millionen Kilometer zurückgelegt. Anders als ihm sieht man dem Flugzeug die Strapazen der vielen Reisen bis heute nicht an.

Lieferung: Vermutlich 2023

Und dennoch: Auch die beiden baugleichen Jumbos vom Typ Boeing 747-200B, die als Air Force One fungieren, sind in die Jahre gekommen, die Regierung will sie daher möglichst bald durch zwei Nachfolgemodelle ersetzen. Der Kongress hat die Finanzierung nun angeschoben, die offizielle Bestellung soll indes erst später erfolgen, und die Auslieferung der Maschinen könnte sich wegen der vielen Dinge, die es zu beachten gilt, noch hinziehen. Vermutlich bis 2023. Dann sieht Hillary Clinton oder Donald Trump oder wer auch immer auf Obama folgt vielleicht gerade dem Ende der zweiten Amtszeit entgegen.

Streng genommen handelt es sich bei der Air Force One gar nicht um einen bestimmten Jet, sondern um das Funk-Rufzeichen jedweden Flugzeugs, in dem gerade der Präsident sitzt. Wenn der Name fällt, ist jedoch im Allgemeinen von einer der beiden Maschinen die Rede, die George Bush ab 1990 in Betrieb genommen hatte. Die Boeing mit drei Stockwerken, 370 Quadratmetern Nutzfläche, Büros, Schlafzimmer, einer Dusche und einer Krankenstation mit OP-Tisch kann in der Luft betankt werden, verfügt über ein Raketenabwehrsystem und ist vor elektromagnetischen Impulsen geschützt. Notfalls muss der Präsident von Bord aus einen kompletten Krieg befehligen können.

Allerdings hat Boeing den Bau des Modells 747-200 schon vor langer Zeit eingestellt, Ersatzteile müssen also eigens angefertigt werden und sind entsprechend teuer. Eine der beiden Maschinen steht eigentlich immer in der Werkstatt. Ihre beiden Nachfolger sollen auf dem modernen Typ 747-8 basieren und noch einmal größer ausfallen. Die Gesamtkosten für Entwicklung und Bau könnten sich laut New York Times am Ende auf mindestens drei Milliarden Dollar summieren.

Obama, der den Austausch der Präsidentenmaschine auf den Weg gebracht hat, wird hingegen bald wieder Linie fliegen müssen - eine Aussicht, bei der ihm offenbar graut. Nicht nur, dass er beim Sicherheitscheck am Flughafen seine Schuhe werde ausziehen müssen, scherzte der Präsident vor einiger Zeit. Vielmehr habe vor Jahrzehnten bei einer Reise nach Kenia die Fluggesellschaft einmal vergessen, sein Gepäck mitzunehmen. Das, so Obama, "passiert Ihnen mit der Air Force One nicht."