USA Der US-Kompromiss macht für VW vieles nur noch schlimmer

VW - hier die Fabrik in Wolfsburg - produziert weiterhin kräftig. Doch muss der Konzern mehr Rabatt als sonst gewähren, um die Autos zu verkaufen.

(Foto: Sean Gallup/Getty)
  • Der 15-Milliarden-Dollar-Kompromiss in den USA ist für Volkswagen zwar ein wichtiger Schritt, er generiert jedoch an anderer Stelle neue Probleme.
  • Die Autos deutscher und europäischer Kunden bekommen lediglich ein Software-Update, während die US-Besitzer zwischen verschiedenen Entschädigungen wählen können.
  • Wenn jedoch allein 475 000 Autos in den USA 15 Milliarden Dollar kosten, dann würden die anderen zehn Millionen Autos VW wahrscheinlich das Genick brechen.
Von Thomas Fromm

Es gab Zeiten bei Volkswagen, da sprach man von "Meilensteinen" und meinte damit Autos und Motoren. Die Entwicklung des ersten Dieselmotors 1897 zum Beispiel oder auch den einmillionsten Škoda Octavia der dritten Generation.

Am Dienstagabend nun eröffnete Matthias Müller ein neues Digital-Labor in Berlin und sprach einmal mehr von einem "Meilenstein". Doch der VW-Konzernchef meinte damit weder Autos noch Motoren, sondern einen teuren juristischen Vergleich in den USA.

So ändern sich die Zeiten: Der amerikanische Bundesrichter Charles Breyer winkt in San Francisco einen Plan durch, der Volkswagen verpflichtet, an die 15 Milliarden Dollar Wiedergutmachung zu zahlen, davon zehn Milliarden an Halter von Dieselfahrzeugen - und der VW-Chef sagt: "Das ist für uns ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Aufarbeitung des Problems, das wir vor geraumer Zeit verursacht haben."

Warum es deutsche VW-Kunden so schwer haben, sich zu wehren

Die Regierung hatte schnell die Möglichkeit einer Musterklage ins Spiel gebracht. Passiert ist jedoch nichts. Großkanzleien könnten bald kräftig kassieren. Von Klaus Ott mehr ...

Ein kleines Software-Update für die Europäer und weiter geht's

Mehr als ein Jahr nachdem der Dieselskandal um manipulierte Abgasmessungen in den USA begann, haben sich die Maßstäbe im Autokonzern sehr verändert. Das Besondere an diesen neuen Wolfsburger Meilensteinen ist: Es gibt viele davon, nicht nur einen. Das macht das Ganze zu einem gigantischen Kraftakt für den Konzern, der gerade an vielen Fronten kämpft: Die Probleme drohen VW zunehmend zu überfordern.

Ausgerechnet die Lösung in den USA verkompliziert die Dinge - woanders. US-Besitzer von 475 000 Dieselautos mit der Betrugs-Software dürfen nun wählen. Entweder können sie ihre Wagen an VW zurückverkaufen oder diese auf Kosten des Hauses umrüsten lassen; dazu kommen Entschädigungen von bis zu 10 000 Dollar pro Kunde. In den USA also entschädigt VW seine Käufer, findet seine Autohändler ab und kauft schmutzige Autos zurück. Für deutsche und europäische Kunden dagegen ist nur ein Software-Update vorgesehen. Weg mit der bösen Software, die bei Abgasmessungen manipuliert. Und weiter geht's!

Zehn Millionen weitere Umrüstungen würden VW das Genick brechen

Vielen ist das zu einfach. Auch deshalb fordern Verbraucherschützer und -anwälte, Grüne und SPD die Möglichkeit von Musterklagen, bei denen sich Kunden gemeinsam für Schadenersatzansprüche anstellen können - und so mehr Schlagkraft haben. 5000 Euro für einen alten Diesel, für einen VW, Audi, Seat oder Škoda, statt eines schnellen Software-Updates? Es gibt derzeit kaum etwas, das VW mit mehr Verve bekämpft als das: eine Übertragung des amerikanischen Rückkaufverfahrens auf den Rest der Welt.

Wenn 475 000 Autos mit Zwei-Liter-Motoren schon in den USA, alles eingerechnet, an die 15 Milliarden Dollar kosten, was kosten dann erst die anderen zehn Millionen Kisten? Das ginge an die Substanz des Unternehmens.