Die Erlöse brechen weg, das Ergebnis sackt ab - doch Volkswagen schreibt schwarze Zahlen. Auch dank Abwrackprämie und Sondereffekten.
Der Volkswagen-Konzern steuert besser durch die Wirtschaftskrise als die meisten Konkurrenten. So betrug der Nettogewinn im ersten Halbjahr 494 Millionen Euro, rund 81 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Ohne Sondereffekte hätte Volkswagen im Halbjahr tiefrote Zahlen geschrieben. (© Foto: ddp)
Anzeige
Zuletzt hatten Konkurrenten wie Daimler, Peugeot-Citroën, Renault und Porsche allerdings Milliardenverluste verkünden müssen. Der VW-Umsatz fiel nur um 9,4 Prozent auf rund 51,2 Milliarden Euro.
Verkauf in Brasilien
VW hatte allerdings schon zu Jahresbeginn das brasilianische Nutzfahrzeuggeschäfts für rund 600 Millionen Euro an MAN verkauft.
Dazu kam eine Steuergutschrift von fast 200 Millionen Euro. Ohne diese beiden Sondereffekte hätte auch Volkswagen im Halbjahr tiefrote Zahlen geschrieben. In den ersten sechs Monaten lieferte Europas größter Automobilhersteller weltweit 3,1 (1. Halbjahr 2008: 3,3) Millionen Fahrzeuge aus.
In einem um rund 18 Prozent rückläufigen Gesamtmarkt lag das Minus damit nur bei 4,4 Prozent. Dadurch wuchs der weltweite Pkw-Marktanteil von 9,9 auf 12,0 Prozent. Das teilte der Konzern bei der Vorlage der Zwischenbilanz mit.
Die Netto-Liquidität im Automobilbereich steigerte Volkswagen auf 12,3 Milliarden Euro, das sind Firmenangaben zufolge 4,3 Milliarden Euro mehr als Ende 2008. Die Liquidität ist wichtig, um wie geplant Anteile am Sportwagengeschäft von Porsche zu kaufen. "Die Erhaltung unserer finanziellen Handlungsfähigkeit hat höchste Priorität", erklärte Finanzchef Hans Dieter Pötsch.
Audi verkauft fast 14 Prozent weniger
Bei der Hauptmarke Volkswagen fiel der operative Gewinn um mehr als eine Milliarde Euro auf 216 Millionen Euro. Die Premiummarke Audi machte bei einem Absatzrückgang um 13,6 Prozent einen operativen Gewinn von 823 Millionen Euro, etwa 500 Millionen weniger.
Skoda verlor 26 Prozent Absatz, das Ergebnis fiel im 250 Millionen Euro auf 135 Millionen Euro. Seat verzeichnete aufgrund der scharfen Situation auf dem spanischen Markt bei einem Absatzrückgang von 25 Prozent einen Verlust von 159 Millionen Euro.
Die Luxusmarke Bentley meldete einen Verlust von 114 Millionen Euro nach 85 Millionen Euro Plus im Vorjahreszeitraum.
Volkswagen Nutzfahrzeuge profitierte vom Verkauf des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäfts und erzielte im Halbjahr ein operatives Ergebnis von 463 (Vorjahr: 215) Millionen Euro. Ohne den Verkauf hätte die Nutzfahrzeugsparte auch rot geschrieben.
Nun rechnet Volkswagen im zweiten Halbjahr jedoch mit einem moderaten Anstieg der Nachfrage bei Nutzfahrzeugen und beendet die Kurzarbeit. "Wir wollen die Produktion wieder auf Normalmaß fahren," sagte ein Sprecher der VW-Nutzfahrzeug-Sparte, Volker Seitz. Mit dem Ende der Werksferien am 3. August werden die Mitarbeiter wieder normal 33,75 Stunden pro Woche arbeiten. Das Unternehmen habe einige Großaufträge bekommen und merke eine leichte Belebung. Da 80 Prozent der Kunden Gewerbekunden seien, habe die Abwrackprämie mit dem Anstieg allerdings nichts zu tun. Seit Februar gab es bei VW Nutzfahrzeuge Kurzarbeit.
Auch von der schwedischen VW-Tochter Scania gab es gute Nachrichten. Der Lkw-Hersteller erwirtschaftete einen Gewinn von 48 Millionen Euro.
Die Sparte Finanzdienstleistungen verdiente 321 Millionen Euro, etwa 200 Millionen weniger.
Im Rest des Jahres rechnet VW nicht mit einer nachhaltigen Verbesserung der Wirtschaftslage. VW werde sich dem Abwärtstrend "zwar nicht entziehen können, aber wie bereits im ersten Halbjahr im Vergleich zum Gesamtmarkt besser abschneiden und in der Krise weiter Marktanteile hinzugewinnen."
Der Vorstand rechnet für das Gesamtjahr daher mit schwächer Zahlen, werde aber "mit einem Gewinn abschließen".
- Thema
- Volkswagen RSS
- VW und Porsche Von VW zur Auto-Union 30.07.2009
- Autohersteller in der Krise Hässliche Zahlen bei Daimler 29.07.2009
- Milliardenverlust bei Porsche Kratzer im Luxuslack 29.07.2009
- GM und RHJ: Pläne mit Opel Rückkauf ausgeschlossen 30.07.2009
- Wirtschaft kompakt Underberg bleibt im Dienst des Wohlbefindens 23.03.2010
- Wirtschaft kompakt Krisenbranchen in der Kritik 16.03.2010
- Volkswagen Wolfsburger Rhetorik 11.03.2010
(sueddeutsche.de/AP/hgn/tob)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
Es sollte heissen: "Abwrackpämie rettet Volkswagen, ... noch!"
Denn nach der Bundestagswahl am 27.09. werden die Zeiten rauher, wenn die Abwrackprämie wegfällt und damit der kurz- und mittelfristige Bedarf der Deutschen an neuen Fahrzeugen erstmal gedeckt ist, können die Autobauer erstmal 'ne Weile dicht machen.
Dass die Abwrackprämie ein Mittel war, um Arbeitsplätze bis zur Wahl zu retten und damit die irrsinnige Politik der letzten 20 Jahre nicht offenkundig werden zu lassen, müsste inzwischen jedem informierten Bürger klar geworden sein.
Konzertiert wurde die Sache durch die Verlängerung der Kurzarbeit auf satte 24 Monate. Mir graust schon davor, wenn Merkel und Co. die Maske nach der Wahl fallen lassen werden.
Sorgen wir als Wähler doch dafür, dass Merkel und Westerwelle überhaupt nicht die Chance bekommen, die Maske fallen lassen zu müssen. Diese politischen Dillettanten sollten keine Gelegenheit bekommen, die "Karre Deutschland" weiter im Sinne der Wirtschaftseliten noch tiefer in den Dreck zu fahren -- es muss eine andere Politik endlich möglich sein!