Übernahme durch René Benko Karstadt-Häusern droht die Schließung

"Wir sind froh, dass Berggruen raus ist": Trotzdem drohen den Mitarbeitern auch nach der Übernahme durch Benko Sparmaßnahmen.

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Der neue Karstadt-Eigentümer René Benko will den Warenhauskonzern sanieren. Den Mitarbeitern stehen harte Einschnitte bevor: Bis zu 20 Häuser könnten geschlossen werden. Der bisherige Besitzer Nicolas Berggruen räumt ein, die erhoffte Wende nicht geschafft zu haben.

Von Kirsten Bialdiga, Ulrich Schäfer und Max Hägler

Der Warenhaus-Konzern Karstadt steht nach dem Verkauf an den österreichischen Investor René Benko vor harten Einschnitten. Bereits am kommenden Donnerstag wird der Aufsichtsrat von Karstadt über ein Sanierungskonzept beraten. Mittelfristig könnten 15 bis 20 Häuser geschlossen werden, heißt es aus dem Umfeld von Benko. Bevor dies geschehe, wolle der neue Eigentümer aber bei Karstadt Haus für Haus genau auf seine Rentabilität prüfen.

Benko will, wie es in den Kreisen heißt, zehn Jahre oder mehr dabei bleiben und anders als der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen auch in das Unternehmen investieren. Er plant, Markenhändler als zusätzliche Mieter in die meisten Karstadt-Häuser zu holen und sie zu größeren Shopping-Zentren umzubauen.

Am Freitag war bekannt geworden, dass Benko und sein Unternehmen Signa-Holding Karstadt komplett von Berggruen übernehmen werden. Der 37-jährige Tiroler hatte im vergangenen Jahr bereits die Mehrheit an den Sporthäusern und der Premiumsparte erworben, zu der Oberpollinger in München, das KaDeWe in Berlin und das Alsterhaus in Hamburg gehören. Nun übernimmt er für den symbolischen Preis von einem Euro von Berggruen auch die 83 klassischen Karstadt-Warenhäuser.

Insider von Karstadt sprachen von einem Notverkauf. Denn der Konzern mit Sitz in Essen habe auch in den vergangenen Monaten wieder einmal weniger verkauft als im Vorjahr und seine Umsatzziele teils verfehlt. Die Cash-Reserven des Unternehmens seien weiter zusammengeschnurrt. Auch Lieferanten seien unruhig geworden. Die Liquidität sei im vergangenen Herbst zeitweise unter die kritische Marke von 100 Millionen Euro gesunken. Berggruen hatte Karstadt 2010 mit etwa 400 Millionen Euro in der Kasse übernommen, nachdem der Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz gerutscht war.

"Wir sind froh, dass Berggruen raus ist"

Berggruen war von Politik, Gewerkschaften und Medien anfangs als Retter gefeiert worden. Zuletzt hatte es jedoch scharfe Kritik daran gegeben, dass er kein eigenes Geld in das Unternehmen investiert habe. "Wir sind froh, dass Berggruen raus ist", heißt es von einem Aufsichtsrat der Arbeitnehmerseite. "Mit ihm wäre der Laden auf jeden Fall in die Insolvenz gegangen."

Berggruen sagte der Süddeutschen Zeitung: "Wir haben den Turnaround nicht geschafft, aber alle Zusagen eingehalten." So habe er alle Standorte erhalten. 90 Prozent der Beschäftigten seien bis heute an Bord. "Wir haben nie auf eine hohe Rendite geschaut", sagte Berggruen. Stattdessen habe das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren 400 Millionen Euro in die Verbesserung seines Geschäfts investiert.

Handelsexperten sehen den Verkauf an Benko kritisch: "Die Übernahme bringt das operative Geschäft keinen Schritt nach vorn. Davon profitieren nur die Investoren", sagte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg meinte, es sei von Benko sehr ehrgeizig, "in der schwierigsten Branche das schwierigste Warenhaus zu übernehmen".