Überkapazitäten Chinas Industrie produziert wie wild - Europas Firmen in Sorge

Stahlarbeiter in der chinesischen Stadt Hefei

(Foto: REUTERS)
  • Europäische Firmen sorgen sich vor einer zunehmenden Überproduktion der chinesischen Wirtschaft.
  • Wichtige Branchen der chinesischen Industrie produzieren trotz niedrigerer Nachfrage wie wild. Das drückt die Preise weiter.

Europäische Unternehmen betrachten die massiven Überkapazitäten der chinesischen Industrie mit zunehmend großer Sorge. "Wir sind in einer viel schlechteren Position als zuvor", sagte Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China bei der Vorlage einer neuen Studie zum Thema.

Demnach sind die Überkapazitäten praktisch aller wichtigen Industrien Chinas in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das bedeutet: Fabriken betreiben mehr Produktionsanlagen und beschäftigen viel mehr Personal, als eigentlich notwendig wäre.

Laut Wuttke werde sich die Situation wegen des wirtschaftlichen Abschwungs in China eher noch verschärfen. Die Zentralregierung in Peking habe zwar schon vor Jahren damit begonnen, Maßnahmen gegen die steigenden Überkapazitäten zu beschließen. Viele Lokalregierungen würden sich jedoch weigern, die neuen Regeln auch umzusetzen oder nach Wegen suchen, sie zu umgehen.

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Provinzen und Städte, die von den betroffenen Industrien abhängig sind, wollen demnach um jeden Preis Fabrikschließungen und Massenentlassungen verhindern. Viele Staatsunternehmen könnten den Betrieb dabei nur noch mit Hilfe immer neuer Kredite aufrechterhalten. "Dieser Protektionismus muss enden", sagte Wuttke. "Je länger China wartet, desto größer wird das Problem."

Laut der Studie der Handelskammer verschärft sich nicht nur die Situation in Chinas Stahlindustrie. Die Überkapazitäten der Zementindustrie legten demnach zwischen 2008 und 2014 von 450 Millionen auf 850 Millionen Tonnen zu. Die Überkapazitäten der Ölraffinerien der zweitgrößten Volkswirtschaft haben sich im gleichen Zeitraum auf 230 Millionen Tonnen sogar mehr als verdreifacht. Auch in den Chemie-, Glas-, Aluminium- und Papierbranche wachsen die Produktionskapazitäten schneller als die Nachfrage.

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Auswirkungen auf die Umwelt

Steigende Überkapazitäten in China gelten seit Jahren als Problem. Auslöser war unter anderem ein gewaltiges Konjunkturprogramm der Regierung. Um die Wirtschaft des Landes trotz der Finanzkrise am Laufen zu halten, wurden vielerorts Milliarden in den Bau neuer Fabriken gesteckt, die bis heute nicht gebraucht werden.

Da Chinas Industriebetriebe in der Regel weit mehr Schadstoffe ausstoßen als etwa die Konkurrenz in Europa, ist die überschüssige Produktion Experten zufolge nicht nur die größte Gefahr für Chinas Wirtschaft, sondern bedroht auch Pekings Pläne, die Luft- und Umweltverschmutzung in weiten Teilen des Landes in den Griff zu kriegen.

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