Telekom und Vodafone Zwei Rivalen, ein Projekt

Vodafone und die Telekom bauen gemeinsam an einer Datenautobahn - so soll die Verbreitung des schnellen Internets günstiger werden.

Von Caspar Dohmen

Beim Bau einer superschnellen Datenautobahn machen die Deutsche Telekom und ihr britischer Konkurrent Vodafone nun erstmals gemeinsame Sache. Die Konzerne wollen im kommenden Jahr die beiden Städte Würzburg und Heilbronn mit dem VDSL-Netz ausrüsten, mit dem eine Datenübertragung von bis zu 50 Megabit je Sekunde möglich ist. Zum Vergleich: Standard-DSL-Anschlüsse kommen auf eine Geschwindigkeit von zwei bis 16 Megabit je Sekunde. Dies teilten die Unternehmen am Dienstag mit.

Unternehmen Telekom und Vodafone

Erstmals macht die Telekom mit dem britischen Konkurrenten Vodafone gemeinsame Sache - mit dem Bau einer schnellen Datenautobahn.

(Foto: Foto: dpa)

Die Telekom ist der führende Festnetzanbieter in Deutschland, Vodafone mit seiner Tochter Arcor der härteste Verfolger. In den beiden Städten sollen jeweils 50.000 Haushalte an das glasfaserbasierte Netz angeschlossen werden. Vodafone und die Telekom sprechen von einem Pilotprojekt, bei dem sie gegenseitig ihre Netze nutzen werden. In Würzburg ist die Telekom federführend, in Heilbronn Vodafone. Bei dem Projekt werden technische Abläufe getestet.

Druck von der Regierung

Weitere Kooperationen der Telekom mit anderen Netzbetreibern könnten bald folgen. "Die Telekom ist dafür offen", sagte ein Sprecher. Seit einigen Wochen verhandelt der ehemalige Monopolist mit anderen Netzbetreibern - beispielsweise mit Netcologne über den gemeinsamen Bau eines Glasfasernetzes in Aachen. Mit Vodafone habe man sich am schnellsten einigen können, daher mache dieses Projekt den Anfang, sagte ein Telekom-Sprecher.

"Gerade in diesen schwierigen Zeiten sind Investitionen in Infrastruktur besonders wichtig, denn sie sind die Voraussetzung für das Wachstum der Zukunft", sagte Vodafone-Deutschland-Chef Fritz Joussen. Der Druck der Bundesregierung dürfte die Verhandlungen beschleunigt haben. Bislang hinkt Deutschland beim Ausbau der Glasfasertechnik, die für die hohen Übertragungsraten nötig ist, hinter anderen Industrieländern her. Geht es nach dem Bundeswirtschaftsministerium, erhalten alle Haushalte bis 2018 Zugang zum superschnellen Breitband mit einer Rate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde.

Bislang haben zwar fast alle Haushalte schon Zugang zu schnellem Internet, allerdings nur mit Übertragungsraten von zwei Megabit je Sekunde. Die superschnelle Variante baute die Telekom bisher nur in Ballungsräumen, bundesweit errichtete sie in 51 Städten ihr VDSL-Netz. Dieses Netz können Kunden für Internetfernsehen oder andere Anwendungen nutzen, bei denen schnell hohe Datenmengen aus dem Netz gesogen werden müssen.

Telefonanschlüsse teurer

Allerdings hatte die Telekom den Ausbau des VDSL-Netzes zuletzt gestoppt und dies mit der Renditeunsicherheit bei den notwendigen Investitionen begründet. Insbesondere störte sich die Telekom daran, dass die Bundesnetzagentur auch Wettbewerbern die Nutzung der Netze ermöglichen wollte. Durch den abgestimmten Bau der Glasfasernetze können die Firmen nun die Kosten deutlich senken. Die Straßen aufzureißen und die Rohre für die Glasfaserkabel zu verlegen, verschlingt vier Fünftel der Kosten für diese Infrastruktur.

Noch haben Telekom und Vodafone nicht beschlossen, unter welchen Konditionen sie Konkurrenten auf die Gemeinschaftsnetze lassen wollen. Klar sei, dass Dritte auf die Netze gelassen würden, sagte ein Vodafone-Sprecher. Dafür dürfte auch die Bundesnetzagentur sorgen. "Notwendig sind für alle Anbieter offene Netze", sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer beim Verband der Telekom-Konkurrenten.

Die Telekom teilte am Dienstag außerdem mit, dass sie die Preise für Telefonanschlüsse erhöht. Vom 5. Januar an müssen Neukunden und Umzügler im Einsteigertarif Call Plus für einen analogen Anschluss knapp 16 Prozent mehr zahlen als bisher, sagte ein Telekom-Sprecher. Dieser koste dann 18,95 Euro statt 16,37 Euro pro Monat. Der Tarif Call Start, der bisher 16,95 Euro kostet, wird für Neukunden und Umzügler einen Euro teurer.