Swiss-Leaks HSBC-Boss nutzte Briefkastenfirma in Panama

Die HSBC-Zentrale in London: Auch der Chef der Bank war Kunde in der Schweiz

(Foto: Bloomberg)
  • Der Chef der HSBC war selbst Kunde der Schweizer Bank, die wegen der Schwarzgeldaffäre unter Druck ist.
  • Stuart Gulliver brauchte das Schweizer Konto nach eigenen Angaben, um Bonuszahlungen vor seinen Kollegen geheim zu halten. Wie die Unterlagen des Swiss-Leaks zeigen, hatte er außerdem eine Briefkastenfirma in der Steueroase Panama.
Von Bastian Brinkmann

Seit 2011 ist Stuart Gulliver Chef der britischen Großbank HSBC. Er wolle erreichen, sagte er kurz nach dem Antritt, dass das Institut mit einem intakten oder sogar besseren Ruf dastehe, wenn er eines Tages abtrete.

Das wird nun noch schwieriger. Seit Tagen ist die HSBC unter Druck, weil die Schweizer Tochter HSBC Private Bank mit Steuerhinterziehern, Blutdiamantenhändlern und anderen Kriminellen Geschäfte gemacht hat. Schweizer Behörden haben ein Verfahren eingeleitet und die Räume der Bank durchsucht. Und nun wird auch noch bekannt, dass Stuart Gulliver selbst Kunde der Schweizer Tochter war - und eine Briefkastenfirma in der Steueroase Panama nutzte.

Die Unterlagen des Swiss-Leaks beziehen sich auf den Zeitraum bis 2007. Damals war Gulliver Chef der Hongkonger Niederlassung der HSBC. Auf das Schweizer Konto seien die Bonuszahlungen geflossen, teilten seine Anwälte dem Guardian mit. "Er wählte dieses Verfahren, damit sein versteuerter Bonus vor den Kollegen in Hongkong geheim bleibt. Das wären sie nicht gewesen, wenn sie auf ein Hongkonger Konto eingezahlt worden wären", so die Anwälte. Eine Erklärung, die Kunden der Bank beunruhigen könnte, die Wert darauf legen, dass ihre Kontobewegungen ebenfalls geheim bleiben.

Und warum ist das Schweizer Konto dann auch noch mit einer Briefkastenfirma in Panama verbunden, der Worcester Equities Inc.? Sie wurde bereits ein halbes Jahr vor der Kontoeröffnung 2001 gegründet. Panama gilt als eine der dunkelsten Steueroasen, Steuerfahnder aus Europa haben hier praktisch keine Chance. Nachfragen dazu beantworteten Gullivers Anwälte dem Guardian nicht.

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Sie betonten stattdessen, dass Gulliver immer alle Steuern gezahlt habe. Der in Derby geborene Brite hat seinen Wohnsitz auch seit seinem Umzug nach London weiterhin in Hongkong. Sein Schweizer Konto habe er "seit einigen Jahren" freiwillig auch den britischen Behörden gemeldet, sagten seine Anwälte.

Ausgerechnet an diesem Montag muss sich Gulliver zum ersten Mal öffentlich Nachfragen zur Schwarzgeldaffäre seiner Bank stellen. Er stellt die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr vor. Das Londoner Institut wird wieder viele Milliarden Pfund Gewinn gemacht haben. Doch mehr noch wird die Öffentlichkeit nun Gullivers Schweizer Konto interessieren.