Streit mit US-Aufsichtsbehörde Deutsche Bank wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe

Hat die Deutsche Bank gezielt in den US-Strommarkt eingegriffen? Die US-Energieaufsicht fordert eine Strafzahlung. Das Geldhaus fürchtet aber offenbar, dass der Fall Präzedenzcharakter bekommen könnte - und reagiert vehement.

Wetten, Manipulation, Betrug - die amerikanische Energieaufsicht hat die Deutsche Bank im Visier. Das Kreditinstitut soll 2010 gezielt in den Strommarkt eingegriffen und sich so illegale Gewinne verschafft haben. Nachdem die Ferc (Federal Energy Regulatory Commission) schon der britischen Bank Barclays wegen eines ähnlichen Falls mit satten 470 Millionen Dollar Strafe droht, fordert die Behörde von der Deutschen Bank nun offenbar 1,6 Millionen Dollar, berichtet die deutsche Ausgabe des Wall Street Journal (WSJ).

Die vergleichsweise geringe Summe dürfte das Geldinstitut kaum erzittern lassen. Doch die Deutsche Bank fürchte weitere Strafzahlungen, heißt es in dem Bericht. Das Institut reagiert daher auf die Vorwürfe eher harsch: In einem 89-seitigen Papier versucht es sich gegenüber der US-Aufsichtsbehörde zu verteidigen. Die Pressestelle der Deutschen Bank in Frankfurt möchte sich zu dem Fall nicht äußern und verweist auf das im Netz verfügbare Dokument.

Die Ferc wirft dem Kreditinstitut vor, in Manipulationen im Strommarkt von Kalifornien verstrikt zu sein. Ein Deutsche-Bank-Händler in Houston soll unter anderem an der Entwicklung der für den Stromhandel benutzten Software beteilgt gewesen sein - und entsprechendes Insiderwissen genutzt haben, um mit Wetten am Finanzmarkt Gewinne einzufahren.

Die Deutsche Bank bestreitet das energisch, am 5. November schrieb sie in einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt: "Wenn die Kommission diese zutiefst fehlerhaften Vorwürfe nicht aufgibt, werden sie von einem Bundesgericht aufgehoben". Die betroffenen Personen hätten lediglich "Arbitrage-Möglichkeiten" gesehen - sie wollten demnach also von Preisunterschieden an verschiedenen Handelsorten profitieren.

Der Vorsitzende der Ferc, Jon Wellinghof, glaube allerdings nicht, dass die Bank mit diesen Argumenten das Gericht überzeugen werde, heißt es weiter im WSJ. Die Beweislage werde letztendlich seiner Behörde Recht geben: Die Ferc habe Kontakt zu Händlern, die schon einmal einen ähnlichen Betrug gestanden haben.

Die US-Behörde führt offenbar momentan einen regelrechten Feldzug gegen die Banken: Neben den Strafzahlungen gegen die Deutsche Bank und die britische Barclays Bank laufe auch noch ein Verfahren gegen JP Morgan. Das amerikanische Kreditinstitut soll ebenfalls manipulativ in die Energiemärkte eingegriffen haben. Erste Konsequenzen: Für die nächsten sechs Monate habe die Ferc JP Morgan Handelsprivilegien entzogen.