Steuervermeidung Apple leiht sich Milliarden - um Aktien zu kaufen

Ein Apple Store auf der Fifth Avenue in New York

(Foto: AFP)
  • Apple ist einer der reichsten Konzerne der Welt.
  • Trotzdem nimmt das Unternehmen nun einen Kredit auf. Mit dem Geld sollen unter anderem Aktien zurückgekauft werden.
Von Vivien Timmler

Apple hat so viel Geld übrig, dass es damit an der Börse alle drei deutschen Autokonzerne kaufen könnte. Und Siemens noch dazu. 216 Milliarden Dollar soll Apple horten, hieß es zuletzt.

Außerdem ist Apple ein kreatives Unternehmen, keine Frage. Nicht nur hinsichtlich der Produkte, sondern auch, wenn es darum geht, Steuern zu sparen. Immer wieder steht der Konzern in der Kritik, weil er Steuerschlupflöcher nutzt, um seine Abgaben so gering wie möglich zu halten.

Nun gibt es eine neue Volte. In diesen Tagen nimmt Apple Kredite in Milliardenhöhe auf. Das geht aus dem vorläufigen Entwurf des bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Wertpapierprospekts hervor. Den musste das Unternehmen erstellen, denn das Geld erhält Apple über den Verkauf von Anleihen. Die Auktion der Wertpapiere soll zwölf Milliarden Dollar, also umgerechnet 10,8 Milliarden Euro, in die Kassen spülen, berichtete die Financial Times unter Berufung auf informierte Kreise.

Warum macht das Unternehmen das, wenn es doch so viel Geld besitzt? Apple hat ein Problem: Es kommt an einen Teil der Barreserven nicht heran - viel Geld liegt in Niedrigsteuerländern wie beispielsweise Irland. Das Unternehmen verschiebt seine Gewinne dorthin, verrechnet Investitionen und Verluste jedoch gleichzeitig in Hochsteuerländern - so kann es seine Steuerlast reduzieren. Würde Apple das Geld in die USA zurückholen, müsste das Unternehmen 35 Prozent Steuern zahlen. Da sind Kredite natürlich erheblich günstiger. Die Rendite der Papiere, die sich aus den von Apple gezahlten Zinsen errechnet, soll bei etwas mehr als drei Prozent liegen.

Hinzu kommt: Zinsen auf Kredite können Unternehmen oft ebenfalls steuerlich geltend machen. Darum versuchen sie, den Anteil von Eigen- und Fremdkapital steuerlich optimal auszubalancieren.

Apple will das Geld nach Angaben der FT für "allgemeine Unternehmensvorhaben" verwenden. Auch der geplante Rückkauf von Aktien soll damit finanziert werden.

Dass der Konzern in diesem Jahr am Anleihenmarkt sehr aktiv sein würde, hatte Finanzchef Luca Maestri bereits Ende Januar angekündigt. Auch in den vergangenen Jahren hatte sich Apple immer wieder Geld am Kapitalmarkt besorgt.

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