Steueroasen Crocodile Dundee im Offshore-Dschungel

Das ist kein Offshore-Trust, DAS ist ein Offshore-Trust - der sich allerdings als Rohrkrepierer herausstellt: Der Schauspieler Paul Hogan wollte sein Geld in Steueroasen parken. Jetzt kommt er nicht mehr an seine 34 Millionen Dollar auf einem Konto in der Schweiz heran.

Von François Pilet, SonntagsZeitung

Hollywoodstar Paul Hogan, besser bekannt als australischer Buschspezialist Crocodile Dundee, hat sich im Dickicht seines eigenen Offshore-Dschungels verirrt. Die Dokumente der Offshore-Leaks führen zu einem Trust mit Namen Quatre Season, den sich der australische Schauspieler im Jahre 1994 errichten liess. Über eine weitere Firma S. ist diesem Trust ein Konto der Lausanner Corner Bank angegliedert. Gemäss Dokumenten der US-Justiz liegen dort seit beinahe zwanzig Jahren 34 Millionen Dollar des Australiers. Das Problem: Hogan kommt an seinen Schweizer Schatz nicht mehr heran.

Der Fall Hogan zeigt, wie die Suche nach Verstecken in Steueroasen zu einem Rohrkrepierer werden kann. Bis vor wenigen Jahren lief für Hogan alles glatt. Nach seinem Triumph in Hollywood mit den Dundee-Filmen heiratete er 1990 seine attraktive Filmpartnerin Linda Kozlowski, residierte in einem Haus im kalifornischen Malibu und baute gemäss der australischen Steuerbehörde über die Jahre eine Reihe von Offshore-Konstruktionen für sein Vermögen auf. Die beiden Buchführer E. und F. verwalteten als Inhaber der Firma S. über Jahre hinweg das Millionenkonto Hogans in Lausanne.

Doch 2005 brachten die Offshore-Firmen Hogan in Schwierigkeiten. Australische Zeitungen beschuldigten ihn, seine millionenschweren Filmeinnahmen in Steueroasen zu verstecken. Hogan stritt dies immer ab und verklagte die Journalisten.

Australien belegte Hogan mit einem Ausreiseverbot

Australien wurde damals von einem grossen Schwarzgeldskandal erschüttert. Die Ermittlungen der australischen Steuerbehörde, ATO, führten zu Dutzenden Verhaftungen. Die Spuren der zahllosen Trusts und Gesellschaften in Steueroasen, die damals verwendet wurden, um den australischen Fiskus zu hintergehen, lassen sich heute in den Daten der Offshore-Leaks bis in die Schweiz und zu ihren Banken zurückverfolgen.

Als Hogan im Jahr 2010 nach Australien reiste, um zur Beerdigung seiner Mutter zu gehen, schlug die Steuerbehörde ATO auch bei ihm zu und setzte ihn fest. Ehefrau und Filmpartnerin Kozlowski blieb in Malibu zurück, "gramgebeugt", wie die Boulevardpresse schrieb. Hogan wurde mit einem Ausreiseverbot belegt. Im vergangenen Jahr schloss er mit den Steuerbehörden einen Deal ab, dessen Konditionen geheim blieben.

Inzwischen gerieten aber auch die beiden Vermögensverwalter des Lausanner Kontos von Hogan ins Visier der Australier. F. wurde nach Australien ausgeliefert und dort Anfang letzten Monat zu sechs Jahren Haft verurteilt wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. E., der immer noch in der Schweiz ist, wird in Australien gesucht. Inzwischen hat Hogan dank seinem Deal die Vorwürfe ausgeräumt und die Steuerbehörde vom Hals, aber an sein Lausanner Geld heran kommt er nicht mehr. Denn E., sein verbleibender Vermögensverwalter, gibt gemäss Hogans Anwälten nicht genug Auskunft über das Konto.

Die Vertreter von Hogan in der Schweiz zeigen sich besorgt. Was ist mit dem Geld geschehen? Hogan weiss es nicht. Er hat sein Geld gegen alle möglichen Verfolger geschützt - offenbar auch gegen sich selber. Man denkt dabei unweigerlich an die traditionelle Waffe der Australier: den Bumerang.

Der Artikel ist zuerst in der SonntagsZeitung erschienen. Die schweizerische Zeitung ist Partnermedium der SZ im Rahmen von OffshoreLeaks.