Spekulation mit Immobilienpapieren Wut auf die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hatte vor Ausbruch der Finanzkrise in großem Stil Wertpapiere fabriziert, die später zahlreiche Investoren in existentielle Schwierigkeiten brachten. Davon war auch die IKB betroffen, die von der Staatsbank KfW am Ende vor dem Bankrott gerettet werden musste. Nun hofft die KfW auf Hilfe aus den USA.

Die Deutsche Bank hatte vor der Finanzkrise Leute in ihren Reihen, die ahnten, dass es schon bald zu einem großen Knall kommen könnte. "Das fliegt alles in die Luft", soll einer ihrer Handelschefs, Greg Lippmann, in den Räumen der Bank gebrüllt haben, nachdem er schon 2005 internen Analysen entnehmen konnte, dass viele Immobilienbesitzer in den Vereinigten Staaten ihre Raten nicht mehr zahlen konnten. Vor allem in den Jahren 2006 und 2007 habe er nach Angaben des offiziellen Untersuchungsberichts des US-Senats wiederholt Kollegen aber auch manche Geschäftspartner vor dem Zusammenbruch des Marktes gewarnt.

Das habe aber die Deutsche Bank nicht daran gehindert, ihren Kunden weiterhin hochriskante Wertpapiere anzudrehen, die auf einen anhaltenden Boom im Immobilienmarkt spekulierten, berichtet der Spiegel jetzt. Dabei ging es vor allem um Collateralized Debt Obligations (CDOs), also jene Giftpapiere, die später die Finanzkrise dramatisch beschleunigten und zahlreiche Investoren an den Rand des Ruins brachten.

Darunter war auch die Deutsche Industriebank (IKB), die am Ende mit mehr als acht Milliarden Euro von der Staatsbank KfW vor dem Bankrott gerettet werden musste. Ehemalige Zweckgesellschaften der IKB mit dem Namen Loreley Financing hätten deswegen bereits im Oktober in den USA eine Betrugsklage gegen die Deutsche Bank eingereicht und fordern 439 Millionen Dollar Schadensersatz plus Strafzahlungen, heißt es im Spiegel weiter.

Das ist Geld, was im Erfolgsfall vor allem an die KfW fließen würde: "Wir sind sehr an Maßnahmen interessiert, die zu einer Verringerung unserer hieraus entstandenen Verluste führen können", zitiert das Magazin aus einer Stellungnahme. Die KfW begrüße die Klage, weil die Deutsche Bank fehlerhafte Zusicherungen gemacht habe und bei der Strukturierung und Vermarktung der Produkte Interessenskonflikte nicht offengelegt habe.

In welche Richtung diese Interessenskonflikte gehen, wurde schon 2010 deutlich. Damals wurde bekannt, dass Hedgefonds-Spekulant John Paulson offenbar die Gelegenheit bekam, Wertpapiere nach eigenem Gutdünken aufzusetzen. Das Problem: Paulson soll auf einen Zusammenbruch des Marktes gewettet haben und darum die Wertpapiere entsprechend konstruiert haben. Die Käufer solcher Papiere hatten das Nachsehen.

Wegen ähnlicher Geschäfte schloss Deutsche-Bank-Konkurrent Goldman Sachs einen Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC, die auch gegen die Deutsche Bank ermittelt. Goldman verpflichtete sich 2010 zur Zahlung von rund 550 Millionen Dollar - 150 Millionen davon sollten übrigens an die IKB gehen.

Lippmann, der bei der Deutschen Bank für den Handel mit CDO verantwortlich war und nach seinen Kollapswarnungen die Erlaubnis bekam, das Finanzinstitut gegen den Verfall am Immobilienmarkt zu positionieren, soll übrigens in der Bank T-Shirts verteilt haben mit der Aufschrift: "I am short your house". "Short" ist ein Begriff aus der Banker-Sprache und sollte in diesem Fall heißen: "Ich wette gegen Dein Haus."

Hätte die IKB-Leute das gesehen, wären sie vielleicht vorsichtiger gewesen.