Sohn des DDR-Spions Markus Wolf Diskrete Geschäfte am Affenfelsen

Stützpunkt eines komplizierten Firmengeflechts, das von der Karibik bis nach Russland reicht: Franz Wolf, der Sohn des langjährigen DDR-Spionagechefs Markus Wolf, macht von Gibraltar aus seine Geschäfte.

(Foto: REUTERS)

Franz Wolfs Vater Markus war Spionagechef der DDR - der Junior verwaltet von Gibraltar aus ein kompliziertes Firmengeflecht. Im Hintergrund steht der sechstreichste Oligarch Russlands. Wenn Journalisten neugierige Fragen stellen, bekommen sie erst keine Antwort und dann Post vom Anwalt.

Von Hans Leyendecker und Frederik Obermaier

Das Phantom lebt nicht weit vom Affenfelsen. Hier also hat der Mann den Behörden seinen Wohnsitz gemeldet, ein Mann aus einer berühmten deutschen Familie. Oder soll man sagen: berüchtigt? Sein Vater war Generaloberst Markus Wolf, genannt "Mischa": der langjährige Spionagechef der DDR.

Markus Wolf setzte in der "Operation Romeo" Agenten auf einsame Sekretärinnen an; sein Spion Günter Guillaume brachte Willy Brandt zu Fall, und er selbst war viele Jahre der Mann ohne Gesicht für die westlichen Dienste. Seinen Hang zum Agieren im Verborgenen scheint er seinem Sohn Franz vererbt zu haben.

Franz Thomas Alexander Wolf, geboren im Mai 1953 in Berlin, ist ein Mann, der die Öffentlichkeit scheut - anders als der Rest der Familie nach dem Ende der DDR. Markus Wolf tingelte nach dem Mauerfall von Talkshow zu Talkshow, schrieb Bücher, gab Interviews. Seine Tochter engagierte sich bei der Linkspartei. Franz Wolf tauchte nur kurz einmal auf, als er mit seinen Geschwistern, der "Kaufgemeinschaft Wolf", versuchte, ein Haus an der Ostsee in Familienbesitz zu behalten - das dem ursprünglichen Eigentümer vom SED-Regime genommen worden war.

Nun zeigen die Offshore-Leaks-Dateien, dass Franz Wolf von Gibraltar aus ein kompliziertes Firmengeflecht verwaltet, das von der Karibik bis nach Russland reicht. Es ist die Alfa-Unternehmensgruppe des Oligarchen Michail Fridman, dem sechstreichsten Mann Russlands. Wolf sitzt an den Schaltstellen eines Imperiums.

Geschäftsfelder sind Wodka, Mobilfunk, Supermärkte

Der 48 Jahre alte Fridman ist einer von jenen, das zumindest ist sicher, die aus dem Zusammenbruch des Kommunismus Kapital schlugen. Sein Aufstieg begann in der Ära der alten UdSSR. Fridman baute damals zunächst eine Fensterputzkolonne auf, später handelte er auf dem Schwarzmarkt mit Theaterkarten. Als der Staat den Griff lockerte und wirtschaftliche Freiheiten zugestand, war Fridman ganz vorne dabei. Er importierte Zigaretten, war Immobilienmakler und betrieb eine Im- und Exportfirma. Protegiert wurde er angeblich vom damaligen Wirtschaftsminister - der sitzt mittlerweile im Verwaltungsrat von Fridmans Firmengruppe.

Fridman selbst ist heute Herr eines Milliarden-Imperiums. Wodka, Mobilfunk, Supermärkte und Erdöl sind nur einige seiner Geschäftsbereiche. Eine zentrale Rolle in dem Konzern spielt Franz Wolf. Zu DDR-Zeiten gehörte der heute 59-Jährige zur sozialistischen Elite. Er studierte an der Akademie für Rechts- und Staatswissenschaft in Potsdam. Später soll er nach Moskau gegangen sein, dann verlor sich seine Spur - bis er plötzlich Direktor der Firma CTF Holdings wurde. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in Gibraltar, nicht weit von Wolfs Meldeadresse. CTF ist jene Firma, die im Organigramm des Fridman-Imperiums ganz oben steht.

Wolf hat innerhalb der Unternehmensgruppe noch mehr Posten: So ist er Bevollmächtigter der Crown Finance Foundation in Liechtenstein, diese Stiftung ist der geheimnisumwitterte Überbau der Alfa-Gruppe. Zur Alfa-Gruppe gehört ein weiteres Netz von Offshore-Firmen. Die drei bedeutendsten, A1, Altimo und Ventrelt, beteiligen sich unter anderem an Telekommunikationsunternehmen und Wasserversorgern. Direktor von A1, Altimo und Ventrelt ist den Unterlagen zufolge: Franz Wolf. Ein Brief der österreichischen Raiffeisen-Zentralbank von 2009 bescheinigt ihm, "achtbar und vertrauenswürdig" zu sein - Wolf könnte das Schreiben benötigt haben, um auf den Britischen Jungferninseln eine Firma zu registrieren.

Steueroasen So helfen Banken Superreichen

Niemand soll erfahren, wer ihre Kunden sind: Großbanken gründen Briefkastenfirmen in Steueroasen, die sich dann wie ein Schleier über die zwielichtigen Geschäfte der Kunden legen. So helfen die Banken, den Offshore-Wohlstand zu mehren.

(Video: Le Monde)