Die Beschäftigung in Deutschland erreicht ein Rekordniveau. Das ist eine gute Nachricht, doch Vorsicht: Immer mehr Menschen können trotz Vollzeitjob nicht von ihrer Arbeit leben. Fühlen sich die Menschen in ihrer Würde verletzt, nutzen auch die schönsten Statistikrekorde nichts.
Nach zwei Jahren Euro-Krise klingen die Nachrichten vom deutschen Arbeitsmarkt beinahe wie Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Um uns herum bricht die Welt zusammen - und hierzulande eilen die Beschäftigtenzahlen von Rekord zu Rekord. Im Schnitt 41 Millionen Menschen standen 2011 in Lohn und Brot, 535.000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der offenen Stellen stieg im Dezember gar auf den höchsten Stand aller Zeiten.
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Zu dem Erfolg auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben viele beigetragen: die Beschäftigten, die ihren Betrieben durch jahrelange Lohnzurückhaltung bei der Wiederherstellung der Konkurrenzfähigkeit halfen, die Unternehmen selbst und auch die Politiker. (© dpa)
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Zu diesem Erfolg haben alle Beteiligten beigetragen: die Beschäftigten, die ihren Betrieben durch jahrelange Lohnzurückhaltung bei der Wiederherstellung der Konkurrenzfähigkeit halfen. Die Unternehmen selbst, die ihre Strukturen modernisierten und in der Rezession des Jahres 2009 gut ausgebildete Mitarbeiter behielten, statt sie zu feuern. Und, ja, auch die Politiker, die zunächst mit der Agenda 2010 die Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt aufbrachen und später in der Krise mit Hilfe von Konjunkturprogrammen und einer äußerst großzügigen Kurzarbeiterregelung einen Beschäftigungseinbruch verhinderten. Diese Erfahrungen müssen sich die Firmen und Parteien zunutze machen, sollte es im neuen Jahr tatsächlich zu einem neuerlichen wirtschaftlichen Absturz kommen.
Der Stellenboom hat aber auch eine Kehrseite, denn immer mehr Menschen können trotz Vollzeitjob von ihrer Hände Arbeit nicht leben. Daraus sollte man - siehe Linkspartei - nicht ableiten, dass etwa die Zeitarbeit grundsätzlich schlecht wäre. Ignorieren aber darf die Regierung das Problem auch nicht. Vielmehr muss sie handeln, etwa indem sie einen gesetzlichen Mindestlohn einführt. Fühlen sich nämlich die Menschen in ihrer Würde verletzt, nutzen auch die schönsten Statistikrekorde nichts.
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(SZ vom 03.01.2012/bbr)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Schon schön, wenn Menschen wie der Autor noch an Märchen glauben und sie so fröhlich und nett in der SZ verbreiten dürfen.
"Um uns herum bricht die Welt zusammen - hierzulande EILEN die Beschäftigungszahlen von Rekord zu Rekord".
Wie desillusioniere ich nun dieses große Kind?
Die Welt bricht um uns zusammen, weil D das größte Niedriglohnland Europas ist.
Die Statistikzahlen sind richtig, sagen aber nicht, dass in den letzten Jahren aus Vollzeitstellen zwei oder gar drei Halbtags-und Viertelstellen geworden sind. Was bedeutet, die Menschen verdienen weniger Geld, müssen aufstocken und wer hat gewonnen?
Richtig, die vielen Arbeitgeber, Unternehmer, lassen sich indirekt - über die Aufstocker - vom Steuerzahler subventionieren.
Viele Fliegen mit einem Klapp geschlagen.
Die Arbeitslosenstatistik sieht gut aus.
Die Unternehmer verdienen gut.
Der Rest Europas, der dieses Spiel noch nicht kannte, ist durch den Rekordüberschuss - siehe oben und Billiglöhner - so richtig in die Miesen gekommen und torkelt nun vor sich hin.
Die Demokratie wird zugunsten des Marktes in marktkonform umgewandelt.
Der Markt, dahinter stehen ja Menschen, jubelt und freut sich der Gewinne und die Arbeitenden bekommen die Brosamen, die vom Tisch der Reichen fallen, denn Gewerkschaften sind schwach geworden, Politiker selber nun sehr reich und mit kurzem Gedächtnis, für wen sie eigentlich Politik machen müssen.
Sie alle feiern und freuen sich, dass Volk aber wird ärmer und ärmer, wird mehr und mehr von Armenspeisungen gespeist, auch die Brosamen, die vom Tisch der Reichen fallen und die Verantwortlichen sind echt der Meinung, dass das alles so sein muss.
Ach ja, im Märchen werden allerdings immer beide Seiten gezeigt. Die Armen und die Reichen.
Im Märchen gewinnen die Armen und werden belohnt. Die Reichen werden demaskiert als gierige Kröten, in Verliese und Hungertürme geworfen, des Landes verwiesen oder irgendwo, tief im Wald ausgezetzt.
...nachdem die Hartz Gesetzgebung (SPD) dafür gesorgt hat, dass die Bundesarmutsagentur Arbeitslose (auch mit guter Ausbildung) in Jobs zwingen kann, die früher als sittenwidrig galten. (Hierzu immer noch sehr häufig gelesen: http://wir-zeitung.blogspot.com/2008/05/arbeitslos-arbeitsuchend-ohne.html ) Leiharbeit ohne Grenzen verschärft den Druck. Wo ist Herr Clement (SPD) im Aufsichtsrat? Einfach mal googlen. In diesem Land wundert mich gar nichts mehr.
Anhand der Einleitung hatte ich mir mehr erwartet: Nämlich eine Entzauberung des angeblichen Arbeitsmarktwunders. Fakten hätte es dafür genug gegeben.
Der Autor weist immerhin korrekt darauf hin, dass immer mehr Leute nicht von ihrer Arbeitsstelle leben können. Da hätte man ja mal weiterrecherchieren können. Und z.B. rausgefunden, dass zwar die Zahl der Stellen in den letzten Jahren zugenommen hat, die Zahl der geleisteten Stunden hingegen konstant geblieben ist. Dann noch ein Blick auf die Nettoreallohnentwicklung (fallend), und es wird eine runde Geschichte daraus:
Immer mehr Menschen arbeiten immer weniger für immer weniger Geld. Oder andersherum: Das Geld, das für Löhne und Gehälter ausgegeben wird, wird eher weniger als mehr. Aber immer mehr Menschen müssen es sich teilen.
So, Herr Hulverscheidt. Und jetzt bitte noch einmal.
Und weiter? Nach meiner Wahrnehmung geht die Kehrseite ja noch weiter: Minijobs, Kurzzeitverträge, Aufbau von 400 € - Jobs und gleichzeitiger Abbau von Vollzeit-Jobs, um nur einige Kehrseiten zu nennen. Es würde doch sicher Sinn manchen, diese ganzen Kehrseiten zu durchleuchten, um die ganze Tragweite für die Betroffenen, die Sozialsysteme und damit für uns alle aufzuzeigen!
erstmal genau lesen...(!!)
von "ganz was tolles" steht nirgendwo etwas. und ein halbvolles glas ist halbvoll. nicht leer.
es hat auch niemand gesagt, dass die derzeitige situation völlig zufriedenstellend ist. ist sie nicht. aber - es war auch schon schlimmer und es hat sich offenbar durchaus etwas gebessert. nicht für jeden einzelnen, aber für viele. und das ist auch besser als nichts.
ich sehe keine menschenverachtung in der feststellung, dass es offenbar verbesserungen gibt, sprich weniger menschen arbeitslos sind und zumindest teilweise selbst für ihren lebensunterhalt aufkommen können. und dass neid und mißgunst zusammen mit einer gewissen forderungshaltung gegenüber der allgemeinheit gleichermaßen zugenommen haben.
wir befinden uns nicht im optimum, werden dieses auch nicht erreichen. aber das bisher erreichte sollte man andererseits nicht ignorieren und grundsätzlich nur mit wutgeschrei und erhobener faust durch die gegend laufen.
Paging