Schweizer Franken Warum die Schweizer Zentralbank handeln musste

Fassade der Schweizerischen Nationalbank in Bern

(Foto: dpa)

Es ist ein Schock für die Börsen: Völlig überraschend kippt die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro. Der Franken verteuert sich kurzzeitig dramatisch. Doch es gibt gute Gründe für das Vorgehen der Notenbank.

Analyse von Markus Zydra, Frankfurt, und Ulrich Schäfer

Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kam für alle Welt völlig überraschend. Der seit mehr als drei Jahren geltende Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken gilt nicht mehr. Die Börse reagierte dramatisch: Die Kurse an den Aktienmärkten fielen und der Schweizer Franken legte gegen den Euro in der Spitze um 30 Prozent zu.

Was war geschehen? Normalerweise bereiten Notenbanker die Börsen auf einen Strategiewechsel rechtzeitig vor. Das klappt bei anstehenden Zinsveränderungen und Wertpapierkäufen.

Doch bei der Verteidigung einer Währung funktioniert das nicht. Wenn die Notenbanker angefangen hätten, eine Beendigung des Wechselkursziels "anzudeuten", wären die Spekulanten sofort in den Markt gegangen. Die SNB hätte dann noch mehr Geld in die Verteidigung der Zielmarke ausgeben müssen. Die Schweizer Notenbank musste den Kurswechsel rabiat und ohne Verzögerung umsetzen.

Nur einen Hinweis gab es in den vergangenen Tagen - und zwar aus dem Umfeld der Notenbank, wenn man so will. Am vergangenen Sonntag hatte der Doktorvater von Nationalbank-Präsident Thomas Jordan, der Ökonom Ernst Baltensperger, in der Neuen Zürcher Zeitung in einem Interview gefordert, die Kopplung des Franken an den Euro aufzugeben, und die Währung stattdessen an einen Währungskorb zu koppeln. Das führte in der Schweiz zu teils heftigen Reaktionen, außerhalb des Landes nahm dies jedoch kaum jemand wahr. Und: Die Schweizer Notenbank mochte sich auch nicht dazu äußern.

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Ein starker Franken schadet der Schweizer Wirtschaft

Schon seit Wochen gab es in der Schweiz Debatten darüber, dass die Zentralbank ihren Kurs beenden müsste. Die Währungsreserven sind auf 495 Milliarden Franken angewachsen, 45 Prozent davon werden in Euro gehalten. Das ist ein großes "Klumpenrisiko", wie Finanzmarktexperten es nennen, aus dem der Notenbank Verluste entstehen können.

Die SNB hat seit 2011 immer mehr frische Franken gedruckt und damit Euro gekauft. Anschließend hat sie das Geld in Euro-Anleihen, vor allen deutsche Bundesanleihen, gesteckt. Durch die Nachfrage sollte der Euro gestärkt werden und ein Anstieg des Franken verhindert werden. Denn klar war immer: Ein starker Franken schadet der Schweizer Wirtschaft.

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Nun aber hat die Schweizer Notenbank offenbar in ihrem Kampf, den Anstieg des Schweizer Franken zu stoppen, kapituliert. Und ein Grund dafür könnte die Politik der Europäischen Zentralbank sein. Denn die EZB und ihr Präsident Mario Draghi versuchen seit Monaten, den Euro zu drücken - und das wiederum treibt immer mehr Anleger dazu, ihr Geld in einer Währung mit einem stabilen Außenwert anzulegen, sehr häufig wählten sie den Schweizer Franken.

Die EZB hatte seit Mai 2014 durch Leitzinssenkungen und Wertpapierkaufprogramme den Wechselkurs des Euro gegen den US-Dollar um gut 15 Prozent gedrückt. Am 22. Januar wird der EZB-Rat wohl beschließen, Euro-Staatsanleihen zu einem dreistelligen Milliardenbetrag zu kaufen, was den Euro weiter drückt. Das wiederum hätte die Nachfrage nach Franken, als sicherer Hafen und wertbeständige Währung, weiter erhöht - mithin auch die Kosten für die SNB den Wechselkurs bei 1,20 Franken je Euro zu fixieren.