Schnüffeleien der Telekom Spitzeleien bis nach Übersee

Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Bresser ist in die Schnüffelakten der Telekom geraten - weil ein Freund aus den USA ihn anrief. "Ein ungeheuerlicher Vorgang", findet der TV-Journalist.

Von Klaus Ott

Wenn Klaus Bresser, der frühere Chefredakteur des ZDF, Mitte November von einer Reise in die USA nach Deutschland zurückkommt, könnte zuhause eine etwas ungewöhnliche Post von der Deutschen Telekom liegen.

Deren Vorstandschef René Obermann hat wegen der Spitzelaffäre in seinem Unternehmen schon diverse Briefe verschickt, die nicht alltäglich sind. In diesen Schreiben hat sich Obermann bei den Opfern der Affäre entschuldigt. Das dürfte demnächst auch bei Bresser nötig sein. Denn auch er ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung von den Schnüffeleien der Telekom betroffen, allerdings auf andere Weise als andere Journalisten.

Unter Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke hatte die Telekom mit Hilfe der Berliner Detektei Network herausfinden wollen, wer die Presse mit internen Zahlen und Papieren aus dem Konzern versorgte.

Auch im Ausland tätig

Die Telefonverbindungen von Aufsichtsräten und Journalisten wurden ausspioniert, mit Hilfe von Datensätzen aus der Telekom. Das war wohl illegal. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verstößen gegen das Fernmeldegeheimnis und anderer Delikte.

Bei den Nachforschungen der Strafverfolger stellte sich heraus, dass die Detektei Network für die Telekom auch in anderen Fällen und auch im Ausland tätig geworden war.

Den Berliner Schnüffelnasen gelang es offenbar sogar, sich Telefondaten aus den USA zu besorgen. Dort wohnt zeitweise ein mit dem ehemaligen ZDF-Chefredakteur Bresser befreundeter Geschäftsmann aus Wiesbaden. Dieser international tätige Geschäftsmann soll sich der Telekom vor einigen Jahren als Berater bei der geplanten Übernahme einer Mobilfunkfirma in Polen angeboten haben.

Deshalb wollte die Telekom alles mögliche über den Mann aus Wiesbaden wissen, und Network lieferte. So steht es in einem Ermittlungsbericht des Bundeskriminalamtes (BKA) für die Bonner Staatsanwaltschaft. Das BKA notierte, Network habe die Telekom im August und November 2004 mit diversen Informationen über den Wiesbadener Geschäftsmann versorgt.

"Sehr gute Vernetzung"

Die zweite Network-Post vom November 2004 enthielt laut BKA eine Übersicht, mit wem der Mann aus Wiesbaden von seinem Domizil in den USA aus vom 30. Juni bis 21. September 2004 telefoniert hatte. Aufgelistet waren die Ferngespräche, und da waren auch welche mit Bresser dabei.

Laut BKA teilte Network der Telekom sogar noch mit, die Anrufe des Wiesbadener Geschäftsmannes von den USA aus bei Bresser seien "besonders hervorzuheben". Diese Telefonate und Gespräche mit einem früheren Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden ließen auf eine "sehr gute Vernetzung" dieses Geschäftsmannes im Wiesbadener Raum schließen.

Auch Telefonate nach Polen sind aufgelistet. Wie Network an die Telefondaten aus den USA gekommen war, ist dem BKA-Bericht nicht zu entnehmen.

Bresser, der bis zum Jahr 2000 Chefredakteur beim ZDF in Mainz war und in Wiesbaden wohnte, erfuhr durch die SZ davon. "Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang, dass man unter privaten Bekannten nicht telefonieren kann, ohne dass das in irgendwelche Spitzelberichte eingeht", sagte der bekannte TV-Journalist.

"Illegale Machenschaften"

Die Telekom erklärte, "sollte sich das bewahrheiten, dann werden wir uns bei Bresser genauso entschuldigen, wie wir das bei allen anderen Betroffenen getan haben". Man habe, so die Telekom, noch keinen vollständigen Einblick in die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Akten.

Konzernchef Obermann wird wohl genau jene Zeilen an Bresser schreiben, die er bereits anderen Spitzel-Opfern geschickt hat: "Der Missbrauch von Verbindungsdaten ist ein ungeheuerlicher und zutiefst beschämender Vorgang, für den wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen wollen." Das seien "illegale Machenschaften" gewesen.

Das Who's Who der Telekom-Affäre

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