Schleckers Imageproblem Wohlfühlatmosphäre für Schwangere

Es soll Leute geben, die sich kaum noch einkriegen über die Bio-Ingwerpaste oder die Bio-Schokonusscreme von dm. Allerdings gab es auch hier schon Rückrufaktionen: 2010 wegen Glassplittern in Babynahrung. Im Dezember 2011 eine keimbelastete Kinderpflegeserie. Dm ließ daraufhin vermelden, die Produkte "vorsorglich aus dem Verkauf" zu nehmen. Eine weitere Erklärung gab es nicht - laut der dm-Pressestelle wüsste eben bis heute keiner, wie die Splitter da hineingeraten sind.

Viel Wert gelegt wird bei dm auch auf die Einrichtung, genauer gesagt auf die Gefühle, die diese erzeugt. Ein Waldboden, auf den es seit längerer Zeit nicht geregnet hat. Kein Witz: So fühlt sich der Boden bei dm an. Er besteht aus einem weichen Kunststoff mit türkisfarbenen Sprenkeln, der nicht nur sehr haltbar ist, sondern auch weniger Krach macht als Steinböden, wenn der Metallwagen drüberfährt. Weniger Lärmemission heißt auch: weniger Stress. Man erholt sich also quasi schon auf dem Weg von den Müslis zu den Seifen. Aaaah.

Und schließlich - das Licht. "Unsere Filialen sind nicht steril ausgeleuchtet", sagt Harsch. "Es gibt keine Gleichausleuchtungssystematik." Wahnsinn. Was für ein Wort. Man hat sich offenbar ähnlich viele Gedanken gemacht wie die Initiatoren eines Schlossfestspiels, das nur ästhetisch verwöhnte Besucher anzieht. Man habe, so Harsch weiter, "sofern das eben mit technischen Mitteln geht, eine bewegte Lichtatmosphäre geschaffen, die als natürlich empfunden wird". Sprich: der Mensch fühlt sich wohl. Und eben nicht beobachtet, wie bei Müller, wo man sich fragt, was da wohl hinter den Wandspiegeln überall stecken mag: 1000 Kaufhausdetektive? Oder doch eine andere, schönere Welt?

Besonders wohl fühlen sich bei dm offenbar die Schwangeren und die jungen Mütter. An diesem Freitag in der Schwabinger Filiale sind gleich vier dicke Bäuche zu zählen. Werdende Mütter finden hier sogar Babynaturtextilien, die nicht nach ein paar Mal Waschen alt aussehen. Jeder dm hat übrigens eine Wickelstation mit Gratiswindeln, die nach Größe sortiert sind, von Säuglings- bis Kleinkindpopo. Durch die Gänge würde sogar ein Zwillingskinderwagen passen.

Wenn sich jeder so gut fühlt dort: Gibt es vielleicht eine Duftstrategie? "Wir legen Wert auf sehr viel Sauberkeit und ordentliche Lüftungsanlagen", sagt Harsch. "Aber wir versprühen nicht irgendwas, nein." Falls mal eine Packung aufginge, rieche es vor dem Katzenregal auch anders als bei den Duschgels. Ein Abstecher zum Tierfutterregal: Auch hier riecht es frisch.

Noch einmal kurz zurück zur entwässernden Rosskastaniencreme: Bei dm tut es nicht weh, solche Produkte aufs Band zu legen, weil - schwere Beine sind ja menschlich. Außerdem geht die Creme in einer Flut aus anderen Produkten unter, die man alle haben muss, jetzt, wo bald Sommer ist. Erst, wenn der Mensch an der Kasse quäkt: 87 Euro 43 bitte, fühlt es sich an, als sei man gerade hinterrücks von einer Salzwasserwelle überrascht worden. Dann schnappt man kurz heftig nach Luft.

Menschsein ist halt teuer geworden.