Schlecker Der Superreiche und der letzte Kredit

Steht von Montag an in Stuttgart vor Gericht: Anton Schlecker (Archivbild von 1999)

(Foto: Stefan Puchner/dpa)
  • Kurz vor der Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker erhielt deren Gründer und Chef Anton Schlecker noch einen 30-Millionen-Kredit von einem alten Bekannten: Dem Lidl-Gründer Dieter Schwarz.
  • Das Darlehen und wie es zustande kam, wirft ein Schlaglicht auf Schleckers Misere schon lange vor der Pleite.
  • Ab kommender Woche sitzen Schlecker und seine Familie nun in Stuttgart auf der Anklagebank.
Von Klaus Ott

Es war einer der letzten Kredite, die Anton Schlecker vor der Pleite seines Drogerie-Imperiums im Januar 2012 überhaupt noch bekam. Im April 2011 lieh sich Schlecker von Dieter Schwarz, Milliardär dank Lidl und Kaufland, 30 Millionen Euro. Die beiden waren alte Geschäftsfreunde, und sie waren sich lange sehr ähnlich. Sie hatten ihre Konzerne mit vielen Tausend Märkten selbst aufgebaut; sie expandierten ins Ausland; sie häuften große Vermögen an; und sie genossen ihren Reichtum in aller Stille. Keine rauschenden Feste, keine prunkvollen Auftritte, nichts dergleichen. Doch dann ging dem einen das Geld aus, während der andere es weiter anhäufte.

Dieter Schwarz, 77, gilt mit einem Vermögen von geschätzt mehr als 15 Milliarden Euro als einer der reichsten Deutschen. Anton Schlecker, 72, sitzt mit seiner Familie vom kommenden Montag an auf der Anklagebank des Landgerichts Stuttgart. Die angeblichen Delikte reichen von vorsätzlichem Bankrott über Beihilfe hierzu bis zur Insolvenzverschleppung und Veruntreuung von Firmenvermögen. In den Prozessunterlagen finden sich auch Details zu dem ungewöhnlichen 30-Millionen-Kredit, die viel über Schleckers damalige Lage verraten. Wie schlecht es dem Patriarchen schon länger vor der Pleite ging. Wie schwer es für ihn war, noch Geld aufzutreiben. Wie er bis zuletzt versuchte, seine Drogerie-Kette zu retten.

Schlecker hatte kaum noch etwas zu verpfänden

Als die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nach der Insolvenz Schleckers Finanzgebaren durchleuchtete, fanden die Ermittler auch mehrere Entwürfe für den von Lidl-Inhaber Schwarz gewährten Kredit. Demnach wollte sich Schlecker bis zu 100 Millionen Euro leihen. Anfangs wollte der Drogerie-Unternehmer wohl auch keine speziellen Sicherheiten geben, sondern nur ganz allgemein mit seinem gesamten Vermögen haften. Das wiederum dürfte, wie die Ermittler notierten, dem Kreditgeber Schwarz nicht genügt haben. Über hohe Darlehen bis zu 100 Millionen Euro hat es offenbar keine Einigung gegeben.

Nach Erkenntnissen der Strafverfolger hatte ein Kreditversicherer nach jahrelangen Verlusten der Drogerie-Kette bereits 2010 umfangreiche Garantien von Schlecker verlangt und bekommen. Dazu hätten die in Deutschland lagernden Vorräte gehört sowie ein Großteil der Immobilien. Es wäre also kaum noch etwas da gewesen, was der Patriarch hätte verpfänden können. Ein ehemaliger Direktor der Drogerie-Kette sagte als Zeuge aus, man habe von Ende 2010 an vergeblich versucht, Bankdarlehen zu bekommen.

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Was Anton Schlecker in dieser Lage noch blieb, waren alte Kontakte und Immobilien in Geislingen, Göppingen und Schwäbisch Gmünd mit Kaufland-Märkten. Die Märkte hatte der Drogerie-Unternehmer bereits verkauft. Nunmehr, im Frühjahr 2011, nutzte Schlecker die betreffenden Grundstücke samt Immobilien als Sicherheit, um frisches Kapital zu erhalten. Mehr als 30 Millionen Euro Kredit gab das aber nicht her. Die Grundstücke hätten ungefähr diesen Wert gehabt, soll der Lidl- und Kaufland-Milliardär Schwarz den Ermittlern als Zeuge berichtet haben.

Kredit als "Privateinlage" verbucht

Die notierten des weiteren, am 20. April 2011 sei der Kreditvertrag zwischen Schlecker und Schwarz zustande gekommen. Wenige Tage später sei das Geld gekommen, und am 30. April 2014 hätte das Darlehen zurückgezahlt werden sollen. Schlecker habe sich verpflichtet, als Sicherheit Grundschulden von knapp 36 Millionen Euro auf die drei schwäbischen Warenhaus-Grundstücke einzutragen. Nach der Schlecker-Pleite 2012 gingen die Grundstücke samt Immobilien in das Eigentum der Unternehmensgruppe Schwarz über.

Der Milliardär soll sehr auf Sicherheit bedacht sein. Und sehr darauf achten, dass ja kein Euro zu viel ausgegeben wird. Bei Zulieferern ist Lidl als Preis-Dumper gefürchtet.

Der Schwarz-Kredit über 30 Millionen Euro wurde nach Erkenntnissen der Ermittler in Schleckers finanziell längst angeschlagenem Drogerie-Imperium als "Privateinlage" verbucht. Dabei habe der Patriarch gar nicht mehr über eigenes Vermögen verfügt, das er zur Abwendung der Krise hätte einsetzen können, hielt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft fest. Schlecker, der öffentlich nach wie vor als Milliardär galt, habe offenbar nur den Schein wahren wollen. Habe so tun wollen, als könne er die Verluste seines Drogerie-Unternehmens mit privatem Geld ausgleichen. So war es aber nicht.

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