Sanierungsplan Es wird hart für Karstadt

Karstadt muss in den nächsten anderthalb Jahren 200 Millionen Euro sparen, um eine schwarze Null zu erzielen.

(Foto: REUTERS)

Sparen, sparen, sparen - und zugleich den Umsatz steigern: Der Sanierungsplan des Neu-Eigentümers Signa sieht für Karstadt drastische Einschnitte vor. Die Warenhauskette will wohl 2000 Jobs streichen und ihr Personal flexibler einsetzen. Nicht einmal Verdi wehrt sich.

Von Max Hägler

Es war eine vage Skizze, die Karstadt am vergangenen Donnerstag präsentierte. Mit einem "Dreisäulen-Konzept" will der neue Eigentümer, die Signa-Holding von René Benko, den Turnaround schaffen bei der angeschlagenen Warenhauskette. Personal- und Sachkosten müssten eingespart werden und zugleich der Umsatz pro Fläche gesteigert werden.

Das nun sind die Grundlagen jeder Sanierung und gaben noch nicht viele Hinweise. Allerdings war bereits nach genauem Lesen klar: Es wird hart. Es gehe darum, die "richtige Balance" zwischen Sozialverträglichkeit und wirtschaftlicher Überlebensfähigkeit des Unternehmens zu finden. Das klingt nach Stellenkürzungen im Rahmen von (sowieso vorgeschriebenen) Sozialkriterien. "Noch" seien keine Schließungsbeschlüsse gefasst. Noch - das heißt, es wird wohl kommen. Vielleicht am 23. Oktober, wenn der Aufsichtsrat das nächste Mal zusammentritt, um zu beschließen, wie die Kette gerettet werden kann.

Nun sind erste konkrete Eckdaten durchgesickert, die deutlich machen, dass sich Unternehmer, Lieferanten und auch Vermieter auf harte Verhandlungen und Einschnitte einstellen müssen. Zwei Quellen aus informierten Konzernkreisen sagten der Süddeutschen Zeitung, dass das Unternehmen in den kommenden eineinhalb Jahren gut 200 Millionen Euro sparen muss, um "wenigstens eine schwarze Null zu haben". Wobei dies noch die konservative Rechnung ist; ohne Puffer, der etwa stärkere Umsatzrückgänge als geplant berücksichtigt oder umfangreiche Sozialpläne. Um stabil wirtschaften zu können, seien Einsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro nötig.

Ein Weg dorthin offenbar: 2000 der 17 000 Jobs sollen gestrichen werden. Signa wollte sich zu diesen möglichen Jobverlusten nicht äußern. Das Personal soll dann wiederum mehr nach Bedarf eingesetzt werden; so sollen am Montag und Dienstag weniger Leute arbeiten, dafür am Freitag und Samstag mehr. Die Diskussion über derlei offenkundig sinnvolles Wirtschaften zeigt, wie verfahren die Management-Situation bisher ist. Ein weiterer Punkt zum Sparen: Ein sinnvollerer Einkauf soll verhindern, dass nicht mehr wahllos Waren gekauft werden, die dann in den Lagern liegen und schließlich unterhalb des Einkaufspreises abgegeben werden müssen.

Die Gewerkschaft Verdi ist gesprächsbereit, selbst bei "Sanierungsmaßnahmen". Denn auch die Arbeitnehmerseite kennt die schwierige Lage, seit in der abgelaufenen Woche der Datenraum geöffnet wurde mit den giftig-ungesunden Zahlen.

Allerdings klagt die Gewerkschaft darüber, kein Ziel zu sehen: Wo soll Karstadt hin, wofür soll Karstadt nach der Sanierung stehen? Derzeit würde etwa auch verlangt, dass es weniger Kassenkräfte und Berater gebe. "Dann wird sich Karstadt aber bald zu einem Selbstbedienungs-Discounter entwickeln und den Kunden keinen Mehrwert bieten können", befürchtet Verdi-Gewerkschaftssekretär Arno Peukes. Und: Die Gewerkschaft fürchtet sich vor der zweiten Sanierungsphase, der "strukturellen", bei der es auch an das "Filialportfolio" gehen soll. "Wir werden nicht mithelfen beim Sparen, um damit Sozialpläne zur Schließung zu finanzieren", sagt Peukes.

In dieser Woche wird darüber wieder diskutiert: Im Wirtschaftsausschuss von Karstadt, beim Treffen des Gesamtbetriebsrats und auch am Freitag, wenn die Tarifkommission sich trifft, um Karstadt endlich wieder in die Tarifbindung zu holen.