Geplante Konzernaufspaltung Osram teilt sich durch zwei

Die klassische Glühbirne hat ausgedient: Osram sieht keine Zukunft mehr in diesem Geschäft und will es jetzt ausgliedern.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Der Lampenkonzern Osram will sich aufspalten: von der Firma für Zukunftstechnologien soll eine Gesellschaft für das klassische Geschäft mit Glühbirnen, LED- und Energiesparlampen abgespalten werden.
  • In der ausgegliederten Gesellschaft wären nach Schätzungen etwa 12 000 der momentan insgesamt 33 000 Konzernmitarbeiter beschäftigt.
  • Am Dienstag soll der Aufsichtsrat über die Pläne des erst seit Januar amtierenden Vorstandschefs Olaf Berlien entscheiden.
Von Caspar Busse

"Es werde Licht" war jahrzehntelang der berühmte Werbespruch von Osram. Die Münchner Traditionsfirma verkaufte vor allem Glühbirnen - war damit neben General Electric und Philips jahrzehntelang ziemlich erfolgreich. Die drei Großen der Branche hatten sich den Weltmarkt aufgeteilt. Aber irgendwann war das Geschäftsmodell am Ende. Plötzlich kamen ganz neue Lampen und Lichtsysteme auf den Markt, plötzlich gab es neue, aggressive Wettbewerber aus Asien. Und plötzlich war nichts mehr wie zuvor.

Neue Technologien und aggressive Rivalen

Seit Jahren schon kämpft der Münchner Lichtkonzern Osram mit der stark zurückgehenden Nachfrage und der großen Konkurrenz im Geschäft mit klassischen Glühbirnen. Jetzt bereitet die ehemalige Siemens-Tochter unter der Führung von Olaf Berlien, der erst seit Januar Vorstandsvorsitzender ist, drastische Maßnahmen vor. Es geht um die Aufspaltung des Konzerns in zwei Teile. Das klassische Lampengeschäft - dazu gehören Glühbirnen, aber auch LED-, Energiespar- und Halogenlampen - soll in eine rechtlich selbständige Gesellschaft ausgegliedert werden, gab Osram am Dienstag in einer knappen, nur neunzeiligen Mitteilung bekannt. Es gehe dabei um "die Grundlage für eine Weiterentwicklung dieses Geschäftes", hieß es. Damit könnten künftig Partner für die neue Firma gewonnen werden. Es wäre nun auch die teilweise oder vollständige Trennung von der Sparte möglich.

Es ist zweifellos der große Schnitt. Osram bereitet eine Trennung vom Traditionsgeschäft vor. Bei der neuen Firma Osram würden nach der Abspaltung den Planungen zufolge alle Zukunfts- und Technologiegeschäfte verbleiben. Dazu würde etwa das Halbleitergeschäft, das Geschäft mit ganzen Lampen, Leuchten für die Autoindustrie oder die Herstellung von Displays gehören, aber auch die Entwicklung von Lichtsystemen. Bei Osram hofft man, dass das der Befreiungsschlag sein könnte, der die Jahre andauernde Misere beenden wird. Ob das so kommt, ist offen.

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Aufspaltung erinnert an Infineon

Am nächsten Dienstag muss der Osram-Aufsichtsrat über die Pläne entscheiden. Vorsitzender des Gremiums ist Peter Bauer, der früher viele Jahre Vorstandschef von Infineon war. Der Halbleiterhersteller, wie Osram auch eine ehemalige Siemens-Tochter, war vor Jahren den gleichen Weg gegangen, wie ihn Osram jetzt vorhat. Damals konzentrierte sich Infineon auf intelligente Halbleiter. Das wenig zukunftsträchtige Geschäft mit Speicherchips wurde dagegen in eine eigene Firma abgespalten. Diese ging unter dem Namen Qimonda an die Börse - und später in die Insolvenz.

Von einem solchen Szenario ist Osram derzeit weit entfernt. Aber eine Zustimmung zu den Plänen des neuen Konzernchefs durch den Osram-Aufsichtsrat ist wahrscheinlich. Zum einen dürfte zumindest Chefaufseher Bauer in die Planung eingeweiht sein. Zum anderen wäre ein Nein eine Niederlage für den neuen Chef - und könnten die Krise verschärfen.

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Neue Firma mit 12 000 Beschäftigten und zwei Milliarden Euro Umsatz

Osram war mit Glühlampen groß und erfolgreich geworden. Noch heute macht das Geschäft, das unter anderem auch moderne LED-Lampen umfasst, etwa zwei Milliarden Umsatz aus, das ist ein Drittel des Gesamtumsatzes von zuletzt etwa fünf Milliarden Euro. Die neue Gesellschaft würde Schätzungen zufolge etwa 12 000 Mitarbeiter von momentan insgesamt 33 000 im Konzern beschäftigen - und damit eine durchaus beachtliche Größe erreichen.

Osram hat schon lange mit großen Problemen zu kämpfen. Auf den Strukturwandel in der Lichtbranche, der schnell und heftig ist, und auf die Konkurrenz von günstiger produzierenden Wettbewerbern insbesondere aus Asien hat Osram bisher keine endgültige Antwort gefunden. Die Münchner mussten bereits mehrere Umbau-Runden vornehmen, rund 16 000 Arbeitsplätze abbauen und Werke schließen. Im vergangenen Jahr dann schied Osram-Chef Wolfgang Dehen, der den Börsengang begleitet hatte, aus. Sein Nachfolger wurde Berlien, der zuvor unter anderem bei Thyssen-Krupp gearbeitet hat. Er hatte bereits im Februar angekündigt, den umfassenden Umbau bei dem Münchner Unternehmen zu beschleunigen. "Allein unser Geschäft mit traditionellen Lampen und Vorschaltgeräten ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent geschrumpft", hatte Berlien bereits auf der Osram-Hauptversammlung mitgeteilt.

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Siemens hält nur noch einen Minderheitsanteil

Osram war jahrzehntelang ein weitgehend unabhängiger Teil des Siemens-Konzerns. Hier arbeiten die sogenannten Osramiten, dort die Siemensianer. Als deutlich wurde, dass der Umbau hohe Investitionen erfordern würde, entschloss sich der damalige Siemens-Chef Peter Löscher vor drei Jahren zu Trennung. Zunächst war ein Verkauf oder ein Börsengang im Gespräch. Das scheiterte jedoch.

Schließlich wurde Osram unter der Führung des Löscher-Nachfolger Joe Kaeser ausgegliedert und an der Börse notiert. Siemens-Aktionäre erhielten im Sommer 2013 für zehn Siemens-Aktien einen Osram-Anteilsschein umsonst in ihre Depots gebucht. Siemens selbst ist noch mit knapp unter 20 Prozent beteiligt. Gerade erst hatte Osram mitgeteilt, dass das Geschäft von Januar bis März 2015 gut verlaufen sei, Gewinn und Umsatz hätten zugelegt. Vom weiteren Umbau wird Osram das wohl nicht abhalten.

Auch Osram-Konkurrenten haben zu kämpfen. Philips etwa spaltete das Lichtgeschäft ebenfalls ab, im März wurde ein Teil der Sparte verkauft. Die Börse war erfreut: Am Dienstag stiegen die Osram-Aktien auf ein Hoch.

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