Rüge aus Brüssel Abzocke beim Autoverleih

Warum also soll jemand den doppelten Preis bezahlen, nur weil er einen Mietwagen in Großbritannien von Deutschland aus bestellt? Autovermieter stehen - wie hier am Münchner Flughafen - in der Kritik.

(Foto: lok)

Der Wohnsitz entscheidet über den Preis: Die EU-Kommission geht gegen Autovermieter vor, die für die gleiche Leistung unterschiedliche Tarife verlangen. Nicht alle Unternehmen haben Lust zu kooperieren.

Von Michael Kuntz

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Diese Erkenntnis des Lyrikers Matthias Claudius gilt mitunter bereits vor einer Reise. Dann zum Beispiel, wenn sich jemand online einen Leihwagen für ein EU-Land bestellt. Einige Autovermieter ermitteln anhand der Computeradresse den Standort des Kunden, oder sie fordern die Eingabe des Heimatlandes. Die Unternehmen verlangen dann verschieden hohe Preise, je nachdem woher der Kunde kommt. Für Verbraucher aus Deutschland konnte dieses Vorgehen mehrerer Autovermieter kostspielig werden.

"Bei einem Kunden aus Deutschland stieg der angegebene Preis für die Anmietung eines Fahrzeuges im Vereinigten Königreich um hundert Prozent, nachdem er sein Wohnsitzland eingegeben hat", stellte die EU-Kommission fest.

Es handelt sich um keinen Einzelfall, dieses Abkassieren hat System: "Die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen länderspezifischen Internetseiten ein und derselben Autovermietung können erheblich sein." Gegen diese offenbar gängige Praxis geht die EU jetzt vor. Für die Behörde in Brüssel ist das ein klarer Verstoß gegen die Dienstleistungsrichtlinie. Die verbietet es, die Höhe von Preisen aufgrund der Staatsangehörigkeit oder dem Wohnsitz von Verbrauchern festzulegen.

Erich Sixt: Hier haben die EU-Bürokraten etwas Vernünftiges beschlossen

Warum also soll jemand den doppelten Preis bezahlen müssen, nur weil er einen Mietwagen in Großbritannien von Deutschland aus bestellt? Oft werde die gleiche Dienstleistung am selben Standort und von demselben Anbieter erbracht, beobachtete die EU. "Die Kosten für die Erbringung solcher Dienste dürften sich daher nicht aufgrund des Wohnsitzes des Kunden erheblich unterscheiden." Eine unterschiedliche Behandlung von Verbrauchern aus verschiedenen EU-Ländern sei somit nicht gerechtfertigt.

EU-Generaldirektor Jonathan Faull forderte sechs führende Mietauto-Firmen schriftlich auf, die geschilderte Praxis bei sich zu überprüfen. Die Unternehmen reagierten sehr verschieden, teilt die EU mit: "Sixt, Enterprise und Goldcar antworteten zufriedenstellend, Europcar, Hertz und Avis nicht zufriedenstellend."

Und sie bewegen sich doch

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Ein automatisches Rerouting nach Identifizierung der IP-Adresse sei von seinem Unternehmen nie betrieben worden, versichert Erich Sixt. "Das war nie unsere Politik", so der Vorstandschef und Großaktionär der Sixt SE am Dienstag bei der Vorlage des Halbjahresergebnisses, das im Branchenvergleich sehr positiv ausfiel.

"Eine Diskriminierung aufgrund von IP-Nummern finden wir nicht fair gegenüber den Kunden", sagt Sixt und setzt noch eins drauf: "Wir wollen ja, dass Konsumenten uns treu bleiben, wir wollen sie nicht über den Tisch ziehen." Er sei nicht in Ordnung, wenn ein Kunde für seine deutsche IP-Adresse bestraft wird - und dafür, dass er ein höheres Durchschnittseinkommen hat als zum Beispiel ein Ire.