Rücktritt von Josef Ackermann Ein Mann, der gemocht werden will

Der Verwaltungsratschef von Zurich, Josef Ackermann, gibt sein Amt auf, nachdem der Finanzvorstand des Konzerns Suizid begangen hat. Doch was hat er mit dem tragischen Fall zu tun? Die Erklärung für seinen Rücktritt wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Von Herbert Fromme, Wolfgang Koydl und Andrea Rexer

Als er vor gut einem Jahr zurückkehrte in seine Schweizer Heimat, zeigte sich Josef Ackermann froh und erleichtert. Seine neue Aufgabe, so ließ er anklingen, dürfte weniger stressig sein als die 18-Stunden-Tage, die er fast schon routinemäßig bei der Deutschen Bank geleistet hatte. Denn zum einen spielte sein neuer Arbeitgeber, die Zurich Versicherung, nicht in derselben Top-Liga wie Deutschlands größtes Finanzinstitut; zum anderen war er in seinem neuen Job als Verwaltungsratspräsident eigentlich nicht in die harte Tagesarbeit eingespannt.

Doch sich zurückzulehnen und eine Art von Vorruhestand zu genießen, war nie die Sache des 65-Jährigen. Er stellte immer hohe Ansprüche, an sich selbst und an andere, er wollte immer mehr erreichen als andere. Deshalb könne er, so gestand er einmal einem Fernsehteam, "wahrscheinlich etwas sehr fordernd werden".

Ackermann habe schon immer klare Entscheidungen getroffen und die dann auch gegen Widerstände durchgezogen, beschreiben ihn Wegbegleiter. So war es auch, als er sich entschieden hatte, dass die Deutsche Bank in der Finanzkrise keine Staatshilfe nehmen wird. Er sagte öffentlich, dass er sich schämen würde, wenn das Institut Hilfe bräuchte - eine Aussage, die ihm viel Kritik eingebracht hat. Doch Ackermann blieb klar bei seiner Linie.

Spätestens als er in einer Rede Anfang des Jahres die Schweizer Versicherungsbranche als ebenbürtigen Partner der Banken für den Finanzplatz Zürich porträtierte, war klar, dass sich der Ex-Deutschbanker auch in der Schweiz abermals eine Titanen-Aufgabe gesucht und aufgebürdet hatte: "Ackermann ist bei der Zurich nicht Präsident geworden, um nichts zu verändern", zitierte die Zürcher Presse einen Insider. Der Ex-Banker habe nicht weniger vorgehabt, als gleichsam im Alleingang die ganze Branche umzukrempeln.

Ackermanns Rücktritt

Nun ist Ackermann, der ehemalige Star-Banker, Knall auf Fall zurückgetreten. Er stürzte über den Suizid eines Spitzenmanagers: Pierre Wauthier, Finanzchef der Zurich und seit fast 15 Jahren bei dem Unternehmen, war am Montag tot in seiner Wohnung gefunden worden. Die Polizei geht von einer Selbsttötung aus. Es war der zweite Freitod eines Schweizer Spitzenmanagers innerhalb von vier Wochen. Und wie bei Swisscom-Chef Carsten Schloter zuvor vermutet man auch bei Wauthier Arbeitsüberlastung als Grund.

Wenn das der Fall war, so habe man ihm nichts angemerkt, berichtete die Neue Zürcher Zeitung unter Berufung auf Personen, die den Finanzchef erst vor wenigen Tagen bei der Arbeit beobachtet hätten. Sie hätten nicht die geringsten Anzeichen für eine ausweglose Situation erkennen können. Wauthier habe gewirkt wie immer: ausgeglichen und geduldig.

Doch was hat Ackermann mit dem tragischen Fall zu tun?

In einer Erklärung, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet, sagt er wörtlich: "Der unerwartete Tod Pierre Wauthiers hat mich zutiefst erschüttert. Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag. Um jegliche Rufschädigung zulasten von Zurich zu vermeiden, habe ich beschlossen, von allen meinen Funktionen im Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zurückzutreten."

Dem Vernehmen nach wollte Ackermann diesen Schritt schon vor zwei Tagen tun. Er wurde aber von Vertrauten bedrängt, es sich noch einmal zu überlegen.