Rückholaktion der Bundesbank Schwarz, Rot, Gold

Stehen in den Gold-Tresoren etwa nur bemalte Pappkartons? Bei der hysterisch geführten Debatte um die "Heimholung" der deutschen Goldreserven geht es nicht mehr um Ökonomie, sondern um die Seele einer Nation. Nach der Krise sehnen sich die Deutschen nach angeblich bleibenden Werten - das kann gefährlich werden.

Ein Kommentar von Nikolaus Piper

Es gibt sicher gute Gründe für die Deutsche Bundesbank, einen Teil ihres Goldschatzes aus New York und Paris nach Frankfurt zu verlagern. Der wichtigste dürfte sein, dass sie auf diese Weise eine der absurdesten Possen der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte zu beenden hofft: die Debatte um die "Heimholung" des deutschen Goldes. Agitiert vom CSU-Haudegen Peter Gauweiler und anderen glauben tatsächlich etliche Deutsche, das deutsche Gold in den Tresoren der Federal Reserve Bank of New York, der Bank of England und der Banque de France sei nicht mehr sicher. Unter Umständen sei es sogar gar nicht mehr da, und die Bundesbank vertusche dies hinterhältigerweise.

Man kann versuchen, mit praktischer und ökonomischer Vernunft zu kommen: Glauben Gauweiler und seine Freunde allen Ernstes, Amerikaner, Briten und Franzosen hätten nichts Gescheiteres zu tun, als den Deutschen ihr Währungsgold zu klauen und dafür bemalte Pappkartons in die Tresore zu stellen? Soweit feststellbar, ertragen zumindest die Leute bei der Federal Reserve in New York die deutschen Kapriolen mit Humor; schließlich sind sie Ähnliches von der extremen Rechten im eigenen Land gewohnt.

Die Deutschen misstrauen ihren Portemonnaies

Man mag auch fragen, welchen Sinn es haben soll, das Gold mit hohen Kosten für Transport und Versicherung nach Frankfurt zu bringen, nur um es im unwahrscheinlichen Fall einer schweren Währungskrise wieder dorthin transportieren zu müssen, wo Währungen gehandelt werden, nämlich nach London und New York. Unverständlich, nebenbei, dass der Rechnungshof bei diesem Spiel mitgemacht hat. Aber bei der ganzen Debatte geht es ja nicht um Ökonomie, sondern um die Seele einer verunsicherten Nation.

Nach über drei Jahren Euro-Krise misstrauen die Deutschen den Geldscheinen in ihren Portemonnaies, und sie hören zu, wenn ihnen jemand erklärt, diese Scheine seien ja gar kein richtiges Geld. Sie bräuchten die 3391 Tonnen Gold aus dem Schatz der Bundesbank als Sicherheit, und das müsse man jeden Tag anfassen können. Das hat System weit über Währungsfragen hinaus: Anleger lassen sich überreden, ihre Ersparnisse in Gold zu investieren, weil dies ja, im Gegensatz zum Euro, "hart" und "sicher" sei. Tatsächlich gehören, bei einem Preis von über 1670 Dollar für die Feinunze, Anlagen in Gold zu den riskantesten Rohstoffspekulationen überhaupt.