Rohstoff Warum das Öl billig bleiben wird

Förderplattform im norwegischen Teil der Nordsee: Unternehmen wie die norwegische Statoil müssen wegen des billigen Öls drastisch sparen.

(Foto: imago)

Der Preis für den Rohstoff fällt nun sogar auf unter 30 Dollar. Die klaren Gewinner sind die Verbraucher.

Von Björn Finke und Jan Willmroth, London/München

Ein Blick auf die klein gedruckten Literpreise im Supermarktregal kann aufschlussreich sein, in diesen Tagen ist er es besonders. Ein Liter stilles Wasser zu 50 Cent ist derzeit teurer als Erdöl. Um genau zu sein: Bei umgerechnet knapp 80 Euro für ein Barrel mit etwa 159 Litern Fassungsvermögen ist Wasser mehr als doppelt so teuer wie der wichtigste Rohstoff der globalen Energiemärkte.

Zu Beginn der Woche hat sich der Preissturz fortgesetzt, Erdöl war am Dienstag mit zwischenzeitlich knapp unter 30 Dollar (WTI) so billig wie seit mehr als zwölf Jahren nicht, und noch immer ist kein Ende in Sicht. Die Kombination aus anhaltendem Überangebot und einer weltweit nur moderat steigenden Nachfrage ließ den Ölpreis seit Juni 2014 um mehr als 70 Prozent sinken.

Die neue Entwicklung hat viel mit dem starken US-Dollar zu tun

An diesem Mittwoch wird die US-Energiebehörde EIA wahrscheinlich verkünden, dass sich die Lagertanks in der größten Volkswirtschaft der Welt weiter gefüllt haben. Das ist eine viel beachtete Kennzahl und ein Indiz dafür, dass es mit dem Überangebot noch lange nicht vorbei ist. Zu Beginn des neuen Jahres haben die Unsicherheit über das Wirtschaftswachstum in China und der starke Dollar den Preisrutsch noch einmal verstärkt.

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Eine Ölschwemme und einen Preisverfall in diesem Ausmaß hat es seit bald 30 Jahren nicht mehr gegeben. Mit Goldman Sachs, Citigroup und Morgan Stanley erwarten drei der größten US-Banken, dass der Ölpreis weiter sinkt. Die neuerliche Entwicklung hat viel mit dem starken US-Dollar zu tun.

In einer Analyse von Morgan Stanley heißt es, die jetzige Situation sei für Produzenten und bezogen auf die Energiepreise "schlimmer als 1986". Auch damals kam es zu einem jahrelang anhaltenden Preissturz. Morgan-Stanley-Analyst Martijn Rats bezeichnet den jetzigen Preisverfall als länger und stärker als jeden der fünf Ölpreis-Abstürze seit 1970. Steigt der Dollar im Wert, drückt das die auf dem Weltmarkt in Dollar notierten Ölpreise zusätzlich. Morgan Stanley hält deshalb einen Fasspreis von 20 Dollar nicht für unwahrscheinlich.