Rettungsschirm steht bereit Spaniens Banken brauchen bis zu 62 Milliarden Euro

Europa hat schon Hilfe zugesagt - jetzt steht fest, wie viel Geld Spaniens Banken brauchen werden. Im schlimmsten Fall fehlen 62 Milliarden Euro in ihren Bilanzen. Das Land will nun bis Montag einen offiziellen Hilfsantrag beim Rettungsfonds stellen. Die EZB wird Spaniens Banken ebenfalls helfen.

Von Sebastian Schoepp, Madrid, und Markus Zydra, Frankfurt

Die Männer in Schwarz haben gesprochen. Sie waren längst da, als Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro noch versprach, sie würden nie kommen - in Anspielung darauf, dass Spanien nicht wie Griechenland oder Portugal einen Teil seiner Souveränität aufgeben werde, um sich vom Internationalen Währungsfonds und Brüssel finanziell auf die Finger schauen zu lassen.

Einen Monat lang haben die Prüfer der Unternehmensberatungsfirmen Roland Berger und Oliver Wyman Spaniens Banken durchforstet. Am Donnerstagabend ließen sie ihr Ergebnis von einem Staatssekretär und dem zweiten Mann der Bank von Spanien vorstellen. Die ausländischen Herren in schwarz selbst vor die Presse treten zu lassen, wäre der um ihre Souveränität bemühten Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy zu peinlich gewesen.

Das Ergebnis: Spaniens Banken brauchen im ungünstigsten Fall 62 Milliarden Euro Hilfe - wenn das Bruttoinlandsprodukt in den nächsten drei Jahren um 6,5 Prozent sinkt und die Haus-und Grundstückspreise um 70 bis 80 Prozent gegenüber der Boomzeit fallen. Ein Szenario, "das nicht mal die schlimmsten Pessimisten" befürchten, wie Fernando Restoy von der Zentralbank sagte. Im günstigsten Fall bräuchten Spaniens Banken 16 bis 25 Milliarden Euro.

Selbst der Extremfall liege weit unter den 100 Milliarden Euro, auf die Spaniens Regierung die europäischen Partner vorbereitet hatte, sagte Restoy. Wie viel genau beantragt werde, sei noch nicht entschieden, sagte Staatssekretär Fernando Jimenez Latorre. Wirtschaftsminister Luis de Guindos kündigte beim Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg an, dass Spanien den Antrag "in den nächsten Tagen" stellen werde. Später präzisierte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker den Zeitpunkt auf bis Montag kommender Woche.

Die Banken wurden nicht einzeln bewertet, aber die Prüfer hoben hervor, dass die drei größten - Santander, BBVA und La Caixa - gesund sind. Der höchste Bedarf entstehe bei Geldhäusern unter staatlicher Kuratel, also Bankia, Catalnya Caixa, Nova Caixa Galicia und Banco de Valencia.

Auch die EZB wird Spaniens Banken entgegenkommen

Schon vor der Pressekonferenz stand fest, dass Spaniens Banken im ersten Quartal dieses Jahres 27 Prozent weniger verdient haben als im Vergleichshalbjahr 2011. Wie ernst die Lage ist, zeigte auch die Anleiheauktion am Vormittag. Spanien konnte zwar mehr als zwei Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt besorgen, musste jedoch etwa für Papiere mit nur zwei Jahren Laufzeit 4,7 Prozent zahlen, mehr als doppelt so viel wie im März und der höchste Zinssatz seit Einführung des Euro. Das sei auf Dauer nicht tragfähig, sagte der Generalsekretär des Spanischen Bankenverbands (AEB), Pedro Pablo Villasante.

Eine Hilfestellung kam aus Frankfurt: Banken aus Euro-Krisenstaaten können nach SZ-Informationen aus Zentralbankkreisen noch leichter Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen. Der EZB-Rat habe beschlossen, dass die Anforderungen an Banksicherheiten gesenkt werden - eine Forderung der Spanier. So können Institute riskante Immobilienkredite als Pfand hinterlegen. Solche haben spanische Banken zuhauf in den Büchern. Ratingagenturen gaben solchen Beständen oft nur Ramschstatus, weshalb die EZB diese abgelehnt hatte.

Troika soll ab Montag Griechenland prüfen

Wie nach der Sitzung der Eurogruppe in Luxemburg am Donnerstagabend ebenfalls bekannt wurde, wird die Troika kommende Woche nach Athen reisen. Griechenland muss nach dem Stocken des Reformplans neue Sparmaßnahmen beschließen, um an die nächste Tranche Hilfsgelder zu kommen. Die Troika von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds werde voraussichtlich am Montag nach Athen reisen, um den Stand der Umsetzung des Programms zu prüfen, erklärte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Donnerstag nach der Sitzung.

"Wir sind in einer Notsituation, alle Prozesse müssen beschleunigt werden", ergänzte er. Die Troika werde mit der griechischen Regierung die Absichtserklärung zu den Einsparungen und Reformen aktualisieren. Sie werde sich mit der Regierung dann "auf Maßnahmen und vorab notwendiges Handeln einigen, damit die nächste Auszahlung stattfinden kann", sagte Juncker.