Rennsport umgeht staatliche Abgaben Steuersparmodell Formel 1

Schöne Profite, kaum Steuern: Das Rennsportimperium von Bernie Ecclestone agiert offenbar genauso trickreich wie viele andere Konzerne und nutzt "Gestaltungsmöglichkeiten" im Steuerrecht. Firmensitze im Ärmelkanal und interne Geldgeschäfte sollen lächerlich niedrige Abgabensätze zur Folge haben.

Von Klaus Ott

Wenn das Führungsgremium der Formel 1 tagt, ist die Anreise meist etwas umständlich. Die Manager der lukrativen Rennserie mit Bernie Ecclestone an der Spitze treffen sich alle paar Monate auf der Insel Jersey im Ärmelkanal. Ecclestone und seine Kollegen reisen aber nicht des milden Klimas wegen nach Jersey. Dort sind diverse Firmen aus der Formel 1 ansässig. Das Eiland ist auch wegen seiner niedrigen Steuersätze beliebt. Das macht sich, neben vielen anderen, die Formel 1 zunutze.

Die Firmensitze auf Jersey sind Teil eines Konstruktes, das nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des englischen Blattes Independent dazu dient, in großem Stil Steuern zu vermeiden. Wie gut das offenbar klappt, ist einem der SZ vorliegenden Investorenreport zu entnehmen, mit dem eine asiatische Großbank im vergangenen Jahr um Kapitalanleger warb.

Wer will das nicht?

Das Geldinstitut wollte an dem damals geplanten, dann abgesagten (und jetzt wieder vorgesehenen) Börsengang der Formel 1 mitverdienen. In dem Prospekt wurden schöne Profite aufgelistet, bei minimalen Steuerzahlungen. Der Gewinn der weltweiten Rennserie soll 2010 bei 340 Millionen Dollar gelegen haben und bis 2014 auf fast 500 Millionen Dollar steigen. Abzüglich Steuern von durchschnittlich gerade mal zehn bis elf Millionen Dollar im Jahr. Wer wollte da nicht Teilhaber dieses Konzerns sein?

Nach Angaben des Independent soll die Formel 1 mit ihrer Steuervermeidungs-strategie noch viel erfolgreicher sein. Das britische Blatt beruft sich auf einen früheren Börsenprospekt mit Zahlen für 2011. Damals habe das Rennsport-Imperium bei Einnahmen von 1,5 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 470 Millionen Dollar in Großbritannien gerade mal 1,5 Millionen Dollar Steuern gezahlt. In dem Prospekt seien gleichbleibende Steuern für die kommenden Jahre prognostiziert worden.

Eine Anfrage dazu bei der Pressestelle des Rennsportimperiums bleibt unbeantwortet. Der Hauptaktionär, die Investmentgesellschaft CVC, meldet sich wenigstens, sagt aber nichts dazu. Ebenso wie der Autokonzern Daimler, dessen Mercedes-Team in der Formel 1 mitfährt. Das von Ecclestone geschaffene Rennsport-Imperium mit seinen zahlreichen Ober-, Neben- und Untergesellschaften macht das, was andere Konzerne wie Amazon und Apple oder Starbucks auch tun: Lücken und, wie findige Rechtsanwälte das formulieren, "Gestaltungsmöglichkeiten" im Steuerrecht nutzen. Üblich sind zum Beispiel hohe Kreditvergaben innerhalb eines Konzerns.