Rekordstrafe USA rechnen mit der Bank of America ab

Die Bank of America hat fragwürdige Immobilienkredite vergeben: Hausbau in Los Angeles in Kalifonrien (Archivbild)

(Foto: Bloomberg)

Einen so teuren Vergleich musste noch kein Unternehmen mit der US-Justiz schließen: Wegen riskanter Geschäfte vor der Finanzkrise zahlt die Bank of America 17 Milliarden Dollar Strafe.

Von Kathrin Werner und Harald Freiberger, New York/Frankfurt

Amerika zieht die Verursacher der Finanzkrise zur Verantwortung. Die Bank of America büßt für fragwürdige Immobilienkredite und hat sich mit dem Justizministerium auf einen Vergleich geeinigt, sie zahlt 16,65 Milliarden Dollar. Einen so teuren Vergleich musste noch kein Unternehmen mit der amerikanischen Justiz abschließen, die Summe entspricht den Gewinnen von Amerikas zweitgrößter Bank aus drei Jahren.

Damit kommt die größte Untersuchung gegen eine US-Bank zu einem Ende. Die Bank of America hatte mehr als jede andere Bank mit faulen Immobilienkrediten gehandelt und in der Finanzkrise die Investmentbank Merrill Lynch übernommen, die auch in umstrittene Hypothekendeals verwickelt war. Der Kern der Vorwürfe betrifft aber Countrywide Financial. Das Unternehmen, das seit der Krise zur Bank of America gehört, hat armen Amerikanern Kredite für Häuser vermittelt, obwohl sie die Raten nicht zahlen konnten. Diese Kredite wurden gebündelt und weiterverkauft, was Hauptauslöser der Zusammenbrüche von Finanzinstituten weltweit war.

Die US-Justiz hatte zahlreichen Banken vorgeworfen, ihren Kunden beim Verkauf dieser Hypotheken-Papiere die Risiken verschwiegen zu haben. Ende 2013 musste US-Marktführer JPMorgan deshalb 13 Milliarden Dollar zahlen. Im Juli hatte die US-Großbank Citigroup einen Vergleich über sieben Milliarden Dollar geschlossen. Weitere Banken stehen noch im Fokus der Ermittler, etwa Goldman Sachs und Wells Fargo. Die Milliardenstrafen sind vielen Amerikanern aber zu abstrakt; sie fragen, warum noch keiner der Banker ins Gefängnis musste. Auch für den Vergleich der Bank of America muss kein Manager persönlich haften. Das könnte sich aber ändern, laut Medienberichten bereiten die Behörden ein Zivilverfahren gegen Angelo Mozilo vor, den Mitgründer von Countrywide.

Das Geld fließt auch in sozialen Wohnungsbau

Mehr als neun Milliarden Dollar der Gesamtsumme überweist die Bank of America an das Justizministerium. Das Geld fließt in den sozialen Wohnungsbau und in staatliche Pensionsfonds, die in der Finanzkrise Geld verloren hatten. Mit dem Rest der Rekordstrafe muss das Geldhaus Hausbesitzern in Notlagen helfen. Im Gegenzug stellt das Justizministerium alle laufenden Ermittlungen ein. Insgesamt hat die Bank of America bereits mehr als 60 Milliarden Dollar ausgegeben, um die Folgen der Finanzkrise aufzuarbeiten - zum Teil auch durch Vergleiche mit den Opfern.

Die deutsche Finanzaufsicht wirkt im Vergleich dazu zahm. Bisher ist nicht bekannt, dass sie Strafzahlungen gegen deutsche Banken verhängt hätte, weil diese sich in der Finanzkrise falsch verhielten. Dabei war etwa die Deutsche Bank groß im Geschäft mit der Verbriefung minderwertiger US-Immobilienkredite. Institute wie die Hypo Real Estate investierten Milliarden in solche Wertpapiere; als deren Kurse ins Bodenlose fielen, mussten die Banken mit Steuergeld gerettet werden. Von Strafzahlungen ist womöglich deshalb nichts bekannt, weil die Finanzaufsicht Bafin gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet ist und allenfalls bis zu fünf Millionen Euro Ordnungsgeld verhängen kann.