Rauswurf von Peter Löscher Siemens-Chef weigert sich zu gehen

Dem scheidenden Siemens-Chef Peter Löscher soll es "nicht ums Geld, sondern um seine Ehre" gehen.

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Er soll als Chef von Siemens abgelöst werden, nun fordert Peter Löscher den Aufsichtsrat heraus: Nur wenn auch dessen Vorsitzender Gerhard Cromme aufgibt, will er Platz für einen Nachfolger machen. Nach Angaben aus Konzernkreisen spricht Löscher von einem Komplott.

Von Klaus Ott, München

Siemens-Vorstandschef Peter Löscher wehrt sich gegen seine vom Aufsichtsrat betriebene Ablösung. Nach Angaben aus Konzernkreisen will Löscher nur dann nachgeben und sein Amt niederlegen, wenn auch der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zurücktritt. Ansonsten wolle Löscher es auf eine Kampfabstimmung in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ankommen lassen und versuchen, die notwendige Zweidrittelmehrheit für seine Abwahl zu verhindern.

Dem Vorstandschef werden aber in Aufsichtsratskreisen keine Chancen mehr eingeräumt. Die Wahl von Finanzvorstand Joe Kaeser zu seinem Nachfolger gilt als ausgemacht. Auf diese Lösung haben sich die Aufsichtsräte am Wochenende verständigt, um die Krise beim drittgrößten deutschen Industriekonzern zu beenden. Löscher war vor sechs Jahren von Cromme geholt worden, um Siemens nach dem Schmiergeldskandal vor feindlichen Übernahmen oder einem Auseinanderbrechen zu bewahren.

Jetzt macht der Vorstandschef den Angaben aus Konzernkreisen zufolge für seinen geplanten Hinauswurf vor allem Cromme verantwortlich. In kleinem Kreise beklage sich Löscher über ein infames Komplott. Auf diese Weise wolle der Aufsichtsratschef von den Debatten um seine eigene Person ablenken. Cromme war lange Zeit einer der mächtigsten Manager in Deutschland gewesen. Er hatte den Stahlkonzern Thyssen-Krupp geformt, dort aber wegen schwerer Versäumnisse und nach Verlusten in Milliardenhöhe im März als Aufsichtsratschef zurücktreten müssen.

"Null Chancen" für Ackermann

Cromme will nun vermeiden, nach diversen Pannen und schlechten Bilanzen bei Siemens erneut zu spät zu handeln und selbst in Bedrängnis zu geraten. Eine Intrige gegen Löscher sei das aber nicht, heißt es aus dem Konzern. Vielmehr gebe es in der Belegschaft und im Management breiten Unmut über Löscher, dem fehlende Visionen und Führungsschwäche angelastet werden.

Cromme denkt laut Aussagen aus dem Unternehmen nicht daran, den Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens und damit seinen letzten Spitzenposten in der deutschen Wirtschaft aufzugeben. Er sei überzeugt, von den Aktionären für sein Durchgreifen bei Siemens gelobt zu werden. In Siemens-Kreisen heißt es, als Alternative zu Cromme stünde nur Josef Ackermann bereit, der frühere Chef der Deutschen Bank.

Ackermann wäre aber dem Arbeitnehmerflügel im Aufsichtsrat nicht vermittelbar, da er bei der Deutschen Bank noch stärker als Löscher bei Siemens hohe Renditen propagierte und dies mit Sparmaßnahmen zulasten der Belegschaft gegangen sei. Insofern hätte Ackermann "null Chancen". Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef wird seit Monaten als möglicher Ersatz für Cromme gehandelt. Solche Ambitionen wären "frei erfunden", hatte Ackermann dazu im Frühjahr gesagt.

Bei Siemens soll nun versucht werden, Löscher zum Einlenken zu bewegen. Sein Vertrag bis 2017 müsste dann noch zwei Jahre lang ausbezahlt werden, was ihm zehn Millionen Euro und mehr bringen könnte. Löscher aber geht es, hört man, offenbar "nicht ums Geld, sondern um seine Ehre".